«Mit Mini und bauchfreiem Top würde mich niemand ernst nehmen»

Der Pop-Kanal MTV startet mit einem eigenen Schweizer Ableger. Die hiesige Musikszene frohlockt. Und mit ihr die neu ernannte Musikchefin von MTV Schweiz, Jubaira Bachmann.

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MTV Networks Schweiz

Unter dem Namen MTV Networks Schweiz senden seit dem 1. April drei Sender: Die Musikkanäle Viva Schweiz und MTV Schweiz sowie der Kindersender Nick Schweiz. Nick teilt sich den Kanal mit Viva Schweiz, dessen Programm um 20.15 Uhr startet. Heute steigt in Zürich die Lancierungsparty des neuen MTV Schweiz. Schon früher gab es Schweizer Produktionen auf MTV, dabei handelte es sich allerdings um zeitlich stark begrenzte Schweizer Sende-Fenster. Jetzt hat MTV Schweiz eine eigene, auf die Schweiz zugeschnittenes Programm, in das auch Schweizer Künstler mit ihren Clips Aufnahme finden können. In der wöchentlichen Sendung «brand:neu» präsentiert Jubaira Bachmann neue, angesagte Clips aus der Schweiz und dem Ausland. Weitere Schweizer Eigenproduktionen sollen folgen. Ausserdem zeigt MTV Schweiz auch internationale Erfolgsformate des Senders wie «MTV made», «South Park» oder «Celebrity Rehab».

Jubaira Bachmann ist die erste Schweizer Moderatorin auf MTV. Sie ist seit Sommer 2007 Musikchefin von Viva Schweiz und wurde nun zusätzlich zur Musikchefin von MTV Schweiz ernannt.

«Video killed the Radio Star» sangen die Buggles 1979. Das Gegenteil war der Fall: Mit dem Videoclip und damit mit MTV, dem ersten Musik-Fernsehen überhaupt, erhielten Musiker eine ganz neue Plattform neben dem Radio. Seit 1981 gibt es den Musik-TV-Kanal – zuerst in den USA, im Laufe der Zeit kamen Ableger in der ganzen Welt dazu. Der Sender verhalf der Pop-Musik zu einer Internationalisierung, die sonst nicht möglich gewesen wäre. Nur Schweizer Künstler konnten davon bisher kaum profitieren.

Jubaira, Sie waren bisher Musikchefin des Schweizer Ablegers von Viva. Jetzt hat man Sie zusätzlich zur Musikchefin des neuen MTV Schweiz ernannt. Ausserdem erhalten sie eine eigene Show auf MTV Schweiz. Stolz?
Natürlich. Ich bin ein MTV-Kind, bin mit dem Sender gross geworden. Es schon der Hammer, dass ich die erste Schweizer Moderatorin auf diesem Kult-Kanal sein darf.

Viele Schweizer Musiker beklagten sich in der Vergangenheit über mangelnde Plattformen für ihre Videoclips. Die Konsequenz war, dass nur wenige überhaupt Geld in Videos investierten. Wird sich das nun ändern?
Es stimmt nicht, dass sich die Produktion von Musikvideos in den letzten Jahren nicht gelohnt hätte. Auf Viva Schweiz hatten hiesige Künstler sehr wohl die Gelegenheit, mit guten Clips auf sich aufmerksam zu machen. Aber die wenigsten taten es. Oder dann gaben sie sich wenig Mühe bei der Umsetzung, so dass wir ihnen sagen mussten: Sorry, aber die Qualität deines Clips reicht nicht, um bei uns ausgestrahlt zu werden. Das Phänomen der Castingsendungen hat auch Auswirkungen bei uns: es werden mehr Clips eingereicht, aber halt oft Unbrauchbares. Es gibt jedoch genügend Beispiele, die den Standard halten wie R'n'B-Sänger Seven oder Rapper Stress, der diese Plattform stets nutzte, was sicherlich auch zu seinem Bekanntheitsgrad hier in der Deutschschweiz beigetragen hat.

Was bedeutet nun die Lancierung von MTV Schweiz für hiesige Künstler?
Es bedeutet eine zusätzliche Plattform für ihre Produkte. Ein Video, das auf MTV läuft, erreicht seine Zielgruppe um einiges besser, als wenn der Song nur an Schweizer Radios gespielt wird. Es auf MTV zu schaffen, soll für einen Schweizer Künstler das i-Tüpfelchen sein. Früher hatten sie gar keine Chance, auf diesem für die Populärkultur stil- und Geschmack bildenden Kanal zu landen.

Als Musikchefin der Sender Viva und MTV Schweiz müssen Sie alle Stilrichtungen berücksichtigen. Kommt Ihnen da nicht Ihr Übername Hip-Hop-Queen in die Quere?
Ich habe mich schon als Jury-Mitglied der 3+-Castingsendung «Superstar» von diesem Titel distanziert. Er stammt aus der Zeit, als ich mein eigenes Hip-Hop-Magazin herausgegeben hatte. Zugetroffen hat er aber nicht ganz, da ich mich immer für alle möglichen Stile interessiert habe.

Sie sind in Zukunft alleinige Entscheidungsträgerin, wer und was am Schweizer Musikfernsehen läuft. Eine schwerwiegende Rolle?
Ich bin schon so viele Jahre in dieser Branche, nächstes Jahr feiere ich mein 10-Jahre-Jubiläum bei Viva. Ich kenne mich in meinem Bereich sehr gut aus und glaube, ich habe das Gespür für die richtigen Songs. Ich lasse mich nicht von Namen blenden. Man muss auch bei einem neuen Lenny Kravitz Song sagen dürfen, dass er nicht gut ist. Und umgekehrt einem eher Unbekannten Platz geben, weil er etwas mit Hand und Fuss abliefert.

Zehn Jahre Musikfernsehen. Wollten Sie nie etwas anderes machen?
Nein, mein Herz schlägt für die Musik. Als ich das erste Mal bei MTV in Berlin war, wollte ich nicht die Studios sehen, sondern das Musik-Archiv des Senders durchstöbern. Ich fühlte mich wie ein Kind im Spielwarengeschäft.

Die Musikbranche ist ein von Männern dominiertes Geschäft. Wie setzten Sie sich durch, um so weit zu kommen?
Ich denke, meine Erfahrungen in der Hip-Hop-Szene waren eine gute Schule in Sachen Durchsetzungsvermögen. Als Frau muss man sich doppelt beweisen. Ich musste frecher sein und lauter als die männlichen Kollegen. Aber ich wusste auch, meine Weiblichkeit einzusetzen.

Nämlich wie?
Ich bin keine, die mit Minirock und bauchfreiem Top herummarschiert. Da würde mich keiner ernst nehmen. Sexappeal kann man auch anders zur Schau stellen, diskreter. Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen, was ich mit Weiblichkeit einsetzen meine: Als ich damals noch für mein Hip-Hop-Magazin ein Interview mit einem internationalen Topshot machen wollte, sagte mir die Managerin, ich müsse dafür bezahlen. Darauf ging ich direkt zu besagtem Künstler – ich trug Baggy-Pants und ein normales T-Shirt – und bat ihn um ein Gespräch. Ich wusste: Lange schwarze Haare, sexy Augenaufschlag, das wirkt. Und ich bekam mein Interview. Gratis.

(bazonline.ch/Newsnetz)

Erstellt: 23.04.2009, 13:42 Uhr

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5 KOMMENTARE

Franziska Bolliger

27.04.2009, 23:25 Uhr

Bauchfrei oder nicht, ich finde sie uninteressant, 0815 und einfach schmalbandig. Ein netter Versuch sich von Mainstream-Girl abzuheben, der leider missglückt ist. Anscheinend steht bei MTV die Musik schon lange nicht mehr im Vordergrund.


Benni Giger

23.04.2009, 13:49 Uhr

Klar, bauchfrei und Minirock passt nicht. Der Bauch und der Po auf den Bildern ist ja immer "gephotoshoppt" oder mit weiten Kleidern kaschiert...


Jodie Lanker

23.04.2009, 13:32 Uhr

Oh ja, die Bildauswahl zeigt tatsächlich sehr schön, was "diskreter Sexappeal" bedeutet. Gerade die sinnlichen, natürlichen oben resp. unten ohne Bilder zeugen von einem unverkrampften Umgang mit Kameras. Das Bild mit der "im Wald Pipi machen"-Pose, toppt so schnell keine!


Pit Kuster

23.04.2009, 13:08 Uhr

Coole Frau. Und auch noch intelligent. Solche Frauen braucht das Land!


Ronnie König

23.04.2009, 13:01 Uhr

Ich hoffe für Freunde von mir, dass das ein voller Erfolg wird. Als Musiker in der Schweiz ist der Weg lang und steinig.



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