Kultur

Reich-Ranickis «Mein Leben» als Film

Von Martin Ebel. Aktualisiert am 07.04.2009

Vor den Nazis musste sich Marcel Reich-Ranicki verstecken. Dass er Geschichten erzählen konnte, rettete ihm und seiner Frau vermutlich das Leben. Jetzt kommt Ranickis Lebensgeschichte ins Fernsehen.

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Die Ähnlichkeit ist unverkennbar: Matthias Schweighöfer verkörpert den jungen Marcel Reich-Ranicki.
Bild: WDR

   

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Sendetermine

Karfreitag, 21 Uhr auf Arte; Mittwoch, 15. 4., 20.15 Uhr in der ARD.

Erzählen gegen den Tod: Das ist der dramatische Kern von Marcel Reich-Ranickis Lebensgeschichte. Zwischen Juni 1943 und September 1944 lebten er und seine Frau Tosia in einem Versteck, verborgen und ernährt vom Setzer Bolek und seiner Frau. Nachts mussten sie Zigaretten drehen, und Marcel erzählte Geschichten; er bereitete die Weltliteratur spannend auf und hielt so das Interesse der beiden Gastgeber an ihren gefährlichen Schützlingen aufrecht.

1,2 Millionen Mal verkauft

Die Fernsehverfilmung des überaus erfolgreichen Buches («Mein Leben» verkaufte sich 1,2 Millionen Mal) wählt eine analoge Klammer. Reich-Ranicki, Konsul in London und Mitarbeiter der polnischen Geheimpolizei, wird 1952 abberufen und von einem Offizier verhört – dem Überlebenden droht Gefängnis, wenn nicht Schlimmeres. Aus dem Verhör entwickelt sich indes eine Erzählung. Der Beschuldigte führt seinen Vernehmer in die Theaterstadt Berlin, ins Warschauer Ghetto und schliesslich in Boleks Keller. «Ich danke Ihnen für die Geschichte», sagt der Offizier am Schluss, von der Lauterkeit des Erzählers vollkommen überzeugt.

Die Klammer ist motivisch wie dramaturgisch eine glückliche Wahl, sie erlaubt, den (ziemlich unsäglichen) westdeutschen Teil von «Mein Leben» wegzulassen und sich auf Verfolgung und Errettung zu konzentrieren. Regisseur Dror Zahavi hat Michael Gutmanns Drehbuch mit Sinn für Dramatik, aber auch für Ruhe und Besinnung umgesetzt. Matthias Schweighöfer (Marcel) und Katharina Schüttler (Tosia) spielen mit sichtlichem Respekt vor den Vorbildern, in Nebenrollen setzen Maja Maranow, Joachim Król und Sylvester Groth farbige Akzente. Fürs Fernsehen hat der Film genau die richtigen Dimensionen. Und auch der Meister, letzte Instanz in allem, hat sich, wie man hört, schon zufrieden und gerührt gezeigt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2009, 22:12 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.