Kultur

SF: «Welt der Tiere» statt toter Top-Terrorist

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 03.05.2011 41 Kommentare

Erst um die Mittagszeit berichtete das Schweizer Fernsehen ausführlich über den Tod Osama Bin Ladens. Warum SF nicht kann, was die österreichischen und deutschen Gebührensender können.

Berichterstattung mit Verzögerung: SF-Tagesschau vom 2. Mai 2011.

Berichterstattung mit Verzögerung: SF-Tagesschau vom 2. Mai 2011.
Bild: SF

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Um 5 Uhr früh Mitteleuropäischer Zeit verbreiteten die Nachrichtenagenturen die ersten Meldungen über die Erschiessung von Osama Bin Laden. Kurz darauf waren auf allen internationalen und den öffentlich-rechtlichen Sendern der Nachbarländer Sondersendungen zu sehen. Der ORF brachte um 7.30 Uhr die erste Sondersendung und vier weitere später; um 9 Uhr sassen die ersten Experten im ORF-Studio, standen die ersten Liveschaltungen nach Washington.

Im Schweizer Fernsehen (SF) lief derweil: der Wetterkanal, «Welt der Tiere», «5 gegen 5» («Die tägliche Spielshow mit Sven Epiney»). Erst die verlängerte Mittags-«Tagesschau» um 12.45 Uhr handelte das Thema Bin Laden erschöpfend ab.

Die Schweizer Gebührenzahler waren an den 10. Februar 2011 erinnert, als die gesamte TV-Welt zu Sondersendungen auf den Tahrir-Platz in Kairo schaltete, wo die Menge den Rücktritt Mubaraks erwartete und – als dieser ausblieb – den Umsturz mit schweren Ausschreitungen endgültig einleitete. Das SF zeigte in «Aeschbacher» eine Diskussion über Baumnüsse.

Zu viele Sondersendungen

Tristan Brenn, stellvertretender Chefredaktor von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), begründet das gestrige Morgenprogramm mit Geld- und Ressourcenmangel. Einerseits hätten die deutschen und österreichischen Kollegen reguläre Frühnachrichten, das Personal sei darum schon früh verfügbar, was bei SF nicht der Fall sei. Ausserdem seien in diesem Jahr mit Ägypten, Libyen und Japan sehr viele Grossereignisse zu bewältigen gewesen.

Alleine zwischen dem 11. und dem 20. März hat SF 24 Sondersendungen realisiert und etliche reguläre Sendungen von «10 vor 10» und «Tagesschau» verlängert. Das ging ins Geld. «Wir haben ein Budget für Sondersendungen. Zahlen kann ich keine nennen. Was ich sagen kann: Die bisherige Zahl an Sondersendungen liegt weit über dem Durchschnitt, was sich auf die Kosten auswirkt», sagt Brenn.

Den Vergleich mit den deutschen oder österreichischen öffentlich-rechtlichen Sendern lässt er nur bedingt gelten. Zwar habe die SRG mit 1,5 Milliarden Franken ein höheres Budget als der ORF mit 1 Milliarde Euro, doch müssten die Österreicher nur in einer Sprache senden und viel weniger Spartenkanäle finanzieren. «Wir werden den publizistischen Auftrag jedoch nie aus Kostengründen vernachlässigen», sagt Brenn. Im Fall Bin Laden habe man diesen mit einem Dok-Film und der Verlängerung von «Tagesschau» und «10 vor 10» erfüllt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2011, 08:26 Uhr

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41 Kommentare

Reanto Secci

03.05.2011, 08:39 Uhr
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Solange es einen Donnschtigsjass und einen Samschtigsjass gibt, am Samstagabend das Musikantenstadl die ermatteten Hochleistungsgehirne beglückt oder Rosamunde denselben ein ewiges Rätsel aufgibt, weshalb um alles in der Welt der Staubsaugervertreter Sebastian die attraktive Ärztin Anja wegen der nervigen Monika verlassen hat, braucht es auch keine Sondersendungen. Die Schweiz verschläfts einfach. Antworten


Peter Thomi

03.05.2011, 09:21 Uhr
Melden 44 Empfehlung

Was muss ich morgens um 5 erfahren, dass man Bin Laden erledigt hat. Das reicht doch, wenn ich das um 12.30 in den Mittagsnachrichten höre. Und wer kann es sich schon leisten, sich am Vormittag Sondersendungen des Fernsehens zu Gemüte zu führen. Die meisten haben doch Besseres zu tun. Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.