Kultur
SF-Chefredaktor: «Das ist extrem ärgerlich»
Interview David Vonplon. Aktualisiert am 09.01.2009 20 Kommentare
«Besonders schlimm ist Ärger, der vermeidbar wäre»: Ueli Haldimann, Chefredaktor des Schweizer Fernsehens zur Häufung von Fehlern bei der Berichterstattung.
Artikel zum Thema
Herr Haldimann, in den letzten Monaten haben sich die Fehler bei der Information beim Schweizer Fernsehens gehäuft. Wie erklären Sie sich die Serie von Fauxpas?
Das ist extrem ärgerlich, und ich will die genannten Beispiele nicht schönreden. Aber Ihre Aufzählung zeichnet ein falsches Bild unserer Arbeit. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz UBI hat im letzten Jahr 21 Beschwerden gegen Sendungen aus der Abteilung Information behandelt. 20 Beschwerden hat sie abgewiesen, nur eine einzige gutgeheissen. Ferner hat die Zeitschrift «Schweizer Journalist» mehrere SF-Journalisten ausgezeichnet und uns zur «Redaktion des Jahres» gewählt. So schlecht kann unsere Leistung nicht sein.
«10vor10» behauptete, bei einem Nein zur Personenfreizügigkeit müssten Spitäler geschlossen werden, was Unsinn ist. Wie kann bei einem so brisanten politischen Thema ein solcher Fehler passieren?
Das frage ich mich auch. Die beiden Autoren sind von einer falschen Annahme ausgegangen und haben dies im Verlauf der Gespräche und des Drehens nicht bemerkt. Leider ist der Fehler auch bei den internen Kontrollen nicht bemerkt worden. Murphy’s Law.
Aussenstehende haben den Eindruck: SF vernachlässigt die Qualitätskontrolle.
Ich bestreite die generelle Aussage, auch wenn sie im genannten Fall zutrifft. Unsere tägliche Produktion, meist unter Zeitdruck, ist sehr gross. Wo viele Leute arbeiten, können auf verschiedenen Stufen Fehler passieren. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und was man daraus lernt. «10vor10» hat den Fehler sofort bemerkt und im Internet sowie in der nächsten Sendung eine Korrektur publiziert.
Im Falle des tendenziösen Interviews von «10vor10» mit Ueli Maurer rügten Sie den verantwortlichen Redaktor öffentlich. Arbeitet «10vor10» zu wenig sorgfältig?
Nein, das ist nicht mein Eindruck, und ich bitte doch sehr, die Relationen zu bewahren. Sicher, wir sind ein wichtiges Medium, und die SRG erhält Gebühren. Deshalb wird uns sehr genau auf die Finger geschaut. Das ist richtig so und wir akzeptieren es. Aber auch anderswo passieren Fehler.
Worauf spielen Sie an?
Der «Blick» brachte vorgestern ein doppelseitiges Bild mit der Grossaufnahme des Gesichts eines getöteten Kindes in Gaza. Ein grauenhaftes Bild, das in krasser Weise die Totenwürde dieses Kindes verletzte. Anderes Beispiel: baz.ch/Newsnet hatte gestern ein Video auf seiner Seite, auf dem gefesselte Gefangene aus dem Gaza einer Kamera vorgeführt werden. Dieses Video verstösst klar gegen die Genfer Konvention, die die «Erniedrigung und das öffentliche Zurschaustellen von Gefangenen» verbietet. Das sind «grobi Böck». Sie zeigen, dass Fehler passieren können. Man stelle sich vor, welche Staatskrise ausgebrochen wäre, wenn sie bei uns passiert wären. Ich will damit unsere Pannen nicht verniedlichen, bitte jedoch um Verhältnismässigkeit.
Bleiben wir beim SF: Die SVP sieht sich nun in ihrem Eindruck bestätigt, SF sei linkslastig.
Die SVP spricht von einer «bewussten Falschinformation». Das ist absurd. Wäre der Fehler absichtlich gemacht worden, hätte «10vor10» nicht sofort korrigiert. Jemand, der bei uns bewusst falsch informiert, wird sofort entlassen.
Hat die Reputation der SF-Information durch die vielen Fehler aus Ihrer Sicht Schaden genommen?
Wie gesagt, Fehler sind nie gut. Aber die Leute wissen, dass wir seriös und zuverlässig arbeiten. Das Forschungsinstitut gfs.Bern hat im letzten Herbst in seinem regelmässigen Sorgenbarometer erstmals danach gefragt, welche Medien am meisten Vertrauen geniessen. Das Fernsehen wurde an erster Stelle genannt, vor dem Radio, vor den Bezahlzeitungen und vor den Gratiszeitungen und dem Internet.
Sie waren in letzter Zeit mehrere Male gezwungen, sich wegen Fehlleistungen Ihrer Mitarbeiter entschuldigen. Wie sehr ärgert Sie das persönlich?
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das sei mir egal. Besonders schlimm ist Ärger, der vermeidbar wäre. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.01.2009, 12:55 Uhr
WRITE A COMMENT
20 Kommentare
So, so! die 10 vor 10 Redaktoren haben nicht bewusst falsch informiert, sonst wären sie entlassen worden, sie hätten es einfach nicht besser gewusst. Leute die so wenig Fachwissen haben meiner Meinung nach in einer Redaktionsstube aber auch nichts zu suchen. Antworten
Welcher Informant wollte nicht zugeben, wenn er versehentlich oder bewusst falsch informiert hat. Das "Irren -ist-menschlich" - Gehabe schielt auf Souveränitätseffekt. Entscheidend beim Sonderstatus SFDRS sind neben der Korrektheit des Inhalts speziell in politisch brisanten Zeiten (vor Abstimmungen) die Ausgewogenheit der Meinungsrepräsentanz, der Aspekte. Gesprächskulur, journalistischer Anstand Antworten
Die beiden SF Kanäle + SF Info gehören vom Netz genommen und N24 und Ntv wieder aufgeschaltet! Diese Hobby-TV-Macher sollten so rasch wie möglich den Betrieb einstellen. Kleinkariert und schlecht ist die Arbeit vom SF, bisweilen sogar einfach nur peinlich. Selber schuld wer sich diesen Schund antut. Antworten
Herr Lehmann ich frage sie was für eine Sprache wird in der Schweiz gesprochen? Schweizerdeutsch richtig! Also darf von SF wohl nicht verlangt werden das die Nachrichten auf Hochdeutsch gebracht werden, die welche Schweizerdeutsch nicht verstehen sollen es eben lernen, Integration ist das Stichwort. Ich verlange in Deutschland auch keine Nachrichten in Schweizerdialekt. Antworten
Dass dies eine Ausrutscher seien, mag ich nicht glauben. 10vor10 braucht nun mal "interessante" Themen, da sind Effekthascherei extreme Aussagen nur Mittel zum Zweck. Ich spreche aus eigener Erfahrung vor gut einem Jahr. Unter falschen angaben wurden (freiwillige) Mitarbeiter eines Projektes hier in St. Gallen zu Interviews gelockt, um dann einen völlig tendenziösen Verriss zu senden. Antworten
Das Peter Prinzip besagt, dass jemand so lange befördert wird, bis seine Inkompetenz offensichtlich ist. Ueli Haldimann war ein ganz passabler Journalist - solange man sich als Zuschauer im klaren war, dass seine Beiträge aus der Optik eines radikalen spät 68er konzipiert waren. Als TV-Bürokrat hat er jeden Biss verloren, lässt aber auch Management- und Führungsfähigkeiten krass vermissen. Antworten
die medienfreiheit ist enorm wichtig. von regierungen und anderen machtgremien wird sehr viel unter dem teppich gehalten oder es wird versucht, abzuwimmeln und zu vertuschen. die breite bevölkerung hat anrecht darauf, umfassend und ohne schonung der "machthaber" informiert zu werden. darum: im zweifelsfalle für die medienfreiheit. Antworten
Obwohl ich rechts von der Mitte stehe möchte ich kein rechslastiges SF aber auch kein Linkes. Diese linken Angriffe unter der Gürtellinie sind seit Jahren existent haben sich aber verstärkt. Mit einfachen Entschuldigungen geht das nicht weiter. Die Fehler sind Angriffe auf die Demokratie. Wieso setzen wir nicht in Bern beim Chef an, dann bei der SF Chefetage. Ist die CH ein links-grünes Land? Antworten
Es ist einfach Tatsache: 10 vor 10 ist eine linkslastige Veranstaltung mit unverantwortlich vielen (gezielten?) politischen Fehlgriffen. Alle dortigen Moderatoren/Innen müssten schon längst ausgewechselt werden und durch politisch ausgewogene Berichterstatter ausgetauscht werden. Zu allererst muss jedoch die einseitige Leitung (Bärenbold) verschwinden. Antworten
Gäbe es bei den Tageszeitungen eine unabhängige Beschwerdestelle, hätten die nicht blos 20 Beschwerden pro Jahr, sondern hunderte. Die Fehler, die bei den SF-Infosendungen passieren, sind marginal. Die journalistische Qualität von SF ist im Vergleich zu den Tageszeitungen überragend gut, im Vergleich zu den online-Zeitungen sogar meilenweit besser. Antworten
In der Privatwirtschaft nimmt man den Hut für solche Fehler. Bei SF werden Beitragserhöhungen verlangt, damit auch die Fehlerquote wieder wachsen kann. Kein Wunder, ist das SF nicht einmal anschaubar. Für mich, da die Pogramation lausig ist, für meine Frau, da nicht einmal Nachrichten in Hochdeutsch ausgestrahlt werden und dadurch 30% der CH-Bevölkerung keine Berichterstattung haben. Antworten
Journalisten, die behaupten, bei einem NEIN müssten Spitäler schliessen, sind mit ihrem Beruf am falschen Ort gelandet. Bei solchen Aussagen in einer Sendung wie 10vor10 lässt sich unmöglich von einem "Fehler" oder einer "Falscheinschätzung" reden, solche Leute sind schlicht fehl am Platz. Geht schon in Richtung staatliche Manipulation und Verhetzung. Propaganda ist noch sanft dagegen. Antworten
Herr Haldimann macht Vergleiche zu Printmedien, diese werden jedoch nicht von Billaggebühren finanziert und können ihre Berichterstattung frei wählen. Die Moderatorinnen und Moderatoren, vorallem Wille und Klapproth, missbrauchen 10vor10 laufend um ihre persönlichen linkslastigen Kommentare anzubringen. Mit dem Ausmisten sollte man aber bei der SRG in Bern anfangen. Antworten




Armin B Schweizer
@ Ric Sch: Auch die Printmedien sollten ihren Profit nicht mit krassen Persoenlichkeitsverletzungen ala Nef und Borer maximieren duerfen, gegen die sich in der Schweiz nur Millionaere erfolgreich wehren koennen. Und wenn das Hetz- und Sexprangerblatt auch mit der Abbildung von Kriegsgefangenen einmal mehr ungeschoren davonkommt, hat die grenzenlose Pressefrechheit die Pressefreiheit abgeloest! Antworten