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TV-Kritik: Alter schützt vor Liebe nicht
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 10.05.2010 22 Kommentare
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Einst waren sie Freunde, die zusammen Frauen hinterherjagten und die Sonntage miteinander verbrachten. Heute, als Pensionäre, haben sie sich auseinandergelebt. Auf Einladung von Emil treffen sie sich mehr oder weniger widerwillig zu ihrem vor vielen Jahren treu gepflegten «Sonntagsvierer», wo die Vergangenheit aufgelebt werden soll. Wo Anschuldigungen erhoben werden und Tränen und Alkohol fliessen. Und wo der Gastgeber natürlich eine Bombe platzen lässt.
Die Ausgangslage von «Sonntagsvierer» war nicht besonders originell. Man kennt dieses Szenario von Filmen wie «Peter’s Friends» oder «Der Grosse Frust». Andererseits muss man bei SF-Produktionen froh sein, wenn keine sprechenden Hunde oder fliegende Ex-Missen aufmarschieren. Ausserdem verfehlt die bittersüsse Nostalgie der Klassenzusammenkunft-Masche ihre Wirkung nie – solange man auf gute Schauspieler und überzeugende Figuren zählen kann.
Herzinfarkt auf dem Fairway
In dieser Hinsicht machte der «Sonntagsvierer» von Regisseurin Sabine Boss alles richtig. Vor allem Klaus Wildbolz als Emil, der seinen Freunden eröffnet, dass er an einer unheilbaren Krankheit leide und sich noch an diesem Wochenende umbringen werde, war ein Glücksgriff. Wie er die Gänge zwischen Wut und Verzweiflung schaltete kippte fast nie ins Pathetische. Von Vorteil war auch, dass der in Wien lebende Schweizer Schauspieler zum ersten Mal in einer einheimischen Produktion zu sehen war – eine erfrischende Abwechslung zu den ewig gleichen TV-Visagen von Gnädinger, Tschudi oder Müller-Drossaart. Auch Melanie Winiger war für einmal richtig gecastet: nicht als kämpferische Powerfrau, sondern als attraktiv-naive Möchtegern-Actrice.
Die Chemie zwischen den Schauspielern funktionierte. Wie alte Knacker einander in Hassliebe verbunden sein können, war amüsant und berührend zugleich. Emil etwa, obwohl verheiratet und Vater von zwei Kindern, wollte unbedingt im Kreis seiner alten Freunde sterben. Weshalb? Weil Freundschaft bekanntlich die Tränen trocknet, die die Liebe angerichtet hat: Emil und seine Frau wohnen zwar im gleichen Haus, leben aber auf anderen Planeten. Und wer, wenn nicht die besten Freunde, nicken einen Selbstmordplan cool ab? Mit dem Versprechen, einem beim ersten Hahnenschrei aufs Fairway des Golfkurses zu legen – damit es nach einem Herzinfarkt aussieht?
Wahre Freundschaft
Solche Szenen gehörten zu den Highlights des gestrigen Films. Selten hat man in einer SF-Produktion die Gratwanderung zwischen Komik und Tragik so leichtfüssig gemeistert. Zwar war das Ende (Emil überlebte, weil seine Freunde ihm das Gift mit Schlafmittel ausgetauscht hatten und fand zu seiner Frau zurück) wohl vorhersehbar. Ebenso sein tatsächliches Ableben und die Verstreuung seiner Asche auf dem herrlichen Golfplatz in den Walliser Bergen. Der Effekt ging dabei aber nicht verloren, gelang es dem Film so doch, elegant zu zeigen, was schon Hans Christian Andersen wusste: Mit Freunden ist es wie mit den Bergen – erst wenn man sich von ihnen entfernt, erblickt man sie in ihrer wahren Gestalt.
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Erstellt: 10.05.2010, 11:46 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.








