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TV-Kritik: Bachelor, ledig, sucht – ja was denn genau?
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 31.10.2012 59 Kommentare
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Vergessen wir doch einfach mal kurz, was wir in den vergangenen Tagen und Wochen so alles über den «Bachelor» erfahren haben, die neue 3+-Sendung mit bekanntem Konzept (in den USA läuft gerade die 16. Staffel): Junggeselle – der 28-jährige Lorenzo Leutenegger aus Zürich – sucht in schöner Umgebung die Frau fürs Leben.
Die 20 Singlefrauen hätten sich aber nicht der grossen Liebe wegen und schon gar nicht von sich aus für die Sendung angemeldet, schrieb der «Sonntag». «Lorenzo ist gar nicht mein Typ», wurde eine Kandidatin zitiert. Sie habe es vor allem wegen des Geldes gemacht und um eine schöne Zeit im Süden zu verbringen. Zudem seien die meisten Frauen über eine Agentur angefragt worden, ob sie in der Sendung «mitspielen» wollten. Die Dichte an Models, Beinahe-Missen und Schauspielerinnen ist entsprechend gross.
Fies für den armen, nichts ahnenden Bachelor Lorenzo? Aber nein. Schliesslich hat auch dieser sich nicht liebestoll an 3+ gewandt mit der flehenden Bitte, ihm, «einem der begehrtesten Junggesellen der Schweiz», doch bitte eine Frau zu besorgen. «Ich wurde angefragt. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, mich zu bewerben», gab er in einem Interview mit 20minuten.ch zu. Nach einigem Überlegen sagte der Ex-Mister-Schweiz-Kandidat Lorenzo dennoch zu: «Wenn ich es nicht mache, dann macht es ein anderer. Und der erste Bachelor auf 3+ kann nur einer sein.» Und was bitte ist mit der grossen Liebe und der Frau fürs Leben?
Viel Oberkörper und viel Drama
Wie gesagt, vergessen wir doch einfach mal für 90 Minuten, was wir alles über den «Bachelor» auf 3+ gelesen haben. Da braust er nämlich schon auf einem Motorrad heran, der dunkelhaarige, gross gewachsene Lorenzo, Filippo Leuteneggers Sohn: das ärmellose, aufgeknöpfte Hemd im thailändischen Fahrtwind flatternd, der braun gebrannte, frisch rasierte Oberkörper bis aufs Sixpack entblösst. Er kuschle gerne, brauche sehr viel Liebe und sei treu, wird der sympathische Junggeselle später erzählen. Sein Aussehen sei ihm sehr wichtig, aber stundenlang im Bad stehe er nicht. Einmal pro Monat geht der 28-Jährige zum Coiffeur und zur DH ebenso.
Nun dürfen wir Lorenzo noch kurz beim Duschen zuschauen, bevor der erste Höhepunkt folgt: Aufgebrezelte Frauen, die kurz vor dem Durchdrehen sind, da sie gleich den Bachelor kennenlernen. «Mein Gott, ich finde meinen Ring nicht, mein Kleid ist zu lang, ich habe einen Puls von 180 oder 300», schnaubt eine Brünette im pinkfarbenen Abendkleid und fächert sich Luft zu. «Ich brauche etwas zu trinken, mega dringend – ich cha nüm.» Wir finden, Szene 1 hat sie sehr schön gespielt.
Nun folgt die sportliche Estelle aus Solothurn, die etwas schüchtern wirkt und seit fünf Jahren Single ist. In einem Einspieler sehen wir sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester am Gartentisch. Doch, sie könnte es ernst meinen mit der Suche nach der grossen Liebe. Die weiteren Kandidatinnen: ein «gemischter Salat aus Tätowierten, Ruhigeren, Models und Sportlichen», wie eine Blondine es ausdrückte. Sie alle dürfen nun nacheinander am Strand von Koh Samui aus einem Auto steigen, über einen roten Teppich laufen und dabei möglichst einen bleibenden Eindruck bei Lorenzo hinterlassen. Denn schon morgen wird er sechs Kandidatinnen nach Hause schicken.
Doppel-D-Busen und Gezicke
Bis dahin gibt es eine herzerwärmende Schnulze nach der anderen, dramatische Off-Kommentare («Die Spannung ist mit Händen greifbar», «Es ist eine einsame Entscheidung, die der Bachelor treffen muss nach nur einem Tag»), Augenaufschläge in Slow Motion, einen Doppel-D-Busen, Close-ups von Hinterteilen in Abendkleidern oder Bikinis und die ersten Eifersüchteleien. Die Frauen tun begeistert. «Er sieht voll heiss aus mit seiner Fliege – wie James Bond», schwärmt eine der beiden Zwillingsschwestern im Rennen. Auch Rachele aus Dietikon mit Hobby Poledance ist aus dem Häuschen: «Er ist ein Mann! Er ist kein Kind!»
Nach dem Speeddating tags darauf ist sie auch innerlich angetan vom diesem männlichen Junggesellen. «Wir haben über Gott und die Welt und meine zwei Chihuahuas geredet», rapportiert sie ihren Konkurrentinnen stolz. Später kriegt sie als Erste eine Rose und damit die Eintrittskarte in die nächste Sendung, die Gefummel und Gezicke verspricht. Sechs Kandidatinnen sind kommende Woche schon nicht mehr dabei.
Nein, ein gewisser leichter Unterhaltungswert ist dem aufwendig produzierten «Bachelor» nicht abzusprechen. Es gibt etwas fürs Auge – einen attraktiven Bachelor, viele schöne Frauen und eine bezaubernde thailändische Inselanlage –, ein bisschen Drama (siehe Damen mit Schauspieltalent) und Einblicke in das zielgerichtete Balzverhalten junger Schweizerinnen vor einer laufenden Fernsehkamera. Wer aber die etwas naturnaheren Gefühle sucht, sollte vielleicht doch besser bei der Sendung mit den ledigen Bauern bleiben.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.10.2012, 10:18 Uhr
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59 Kommentare
Unterirdisch! Ein normale Frau oder Mann hatte noch nie Probleme das passende Gegenstueck zu finden...aber vielleicht ist das der Tribut der heutigen Generation, Fleisch, Aussehen, Geld aber von Werten keine Spur nur alles just for Fun,, lets have a Party! Antworten

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