Kultur
TV-Kritik: Der Anti-Hirschmann
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 09.09.2010 35 Kommentare
Stichworte
Kann man sich einen VIP-Status kaufen? Man kann: Wer sich stolzer Besitzer der Membercard von «The World's Finest Clubs» nennen kann, hat freien Eintritt in die edelsten Clubs der Welt. In den Moskauer Soho Room, das Block8 in Peking oder den Luxx Club in London. Mitsamt Zutritt zu VIP-Bereichen und, und, und. Exklusivität inklusive, quasi.
2000 Euro kostet der Spass, erfunden hat ihn der Schweizer Unternehmer Patrick Liotard-Vogt. Der vornehme Doppelname täuscht nicht: Liotard-Vogt, an der Zürcher Goldküste ansässig, stammt aus einer reichen Familie, die immer wieder Wirtschaftskapitäne hervorbringt. Schon sein Grossvater und Urgrossvater leiteten die Geschicke von Nestlé.
Jeunesse Dorée
Was Patrick Liotard-Vogt zu einem würdigen «Reporter»-Objekt macht, ist indes nicht Reichtum, sondern sein Alter: 25 ist der Jungunternehmer – was ihn nicht davon abhält, im Stil eines Warren Buffett zu investieren. In 40 Firmen hat er sein Geld gesteckt und 200 Arbeitsplätze geschaffen. «Vor allem in Internetfirmen, immer häufiger aber auch in Handfestes», so Liotard-Vogt. In der Migros sind seine Produkte dennoch nicht zu finden, das aktuellste Projekt ist ein Desinfizierungsspray für die Hände, natürlich in Form eines edlen Flacons.
Weil man in diesen Kreisen bekanntlich nicht über Geld spricht, gelang es dem «Reporter»-Team leider nicht, konkrete Summen zu nennen: Wie viel setzt Liotard-Vogt um? Wie rentabel sind seine Geschäfte? Was verdient er? Ist seine Familie beteiligt? Und was heisst «investieren»: 40 verschiedene Aktien kaufen? Wohl aus Mangel an Zahlen hat man sich entschieden, den Reichtum zu zeigen. Liotard-Vogt im Fünfstern-Hotel, in der elterlichen Villa in Stäfa, auf der Jacht seines griechischen Jugendfreundes, den er im Nobelinternat Le Rosey am Genfersee kennengelernt hat. Impressionen der Jeunesse Dorée halt.
Wo sind die Frauen?
Dass sich «Reporter» als Türöffner zur exklusiven Welt der oberen Zehntausend präsentierte, war zwar löblich. Aber Bilder von Gstaad, St. Moritz oder einer Luxusjacht hat man auch als Normalverdiener schon gesehen. Trotzdem war die Sendung interessant, was sie vor allem Liotard-Vogts spezieller Ausstrahlung, weniger seinem Umfeld zu verdanken hatte: Steif, als ob er es bereute, in das Porträt eingewilligt zu haben, gab er Auskunft. Trotzdem, oder gerade deshalb, ahnte man, dass hier einer unbedingt versucht, sich seines Namens würdig zu erweisen und nicht bloss die Millionen zu verprassen, die ihm in die Wiege gelegt worden sind.
Liotard-Vogt ist, mag man gestriger Sendung glauben, der Anti-Hirschmann: ernst, tüchtig, einfallsreich. Das ging so weit, dass man ihm zurufen wollte, doch auch mal das Leben zu geniessen. Vor allem, als er mit Freunden auf einer Luxusjacht durch die Ägäis kreuzte und dennoch nur «Business» im Kopf hatte. Und hat Liotard-Vogt eigentlich eine Freundin? Gestern jedenfalls war weit und breit keine Frau zu sehen – und das bei jemandem, der mit Nachtclubs reich wurde. Irgendetwas macht der Mann falsch. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2010, 10:06 Uhr
Kommentar schreiben
35 Kommentare
Ein sympathischer junger Mann, der nichts für den ihm in die Wiege gelegten Reichtum kann, ganz bestimmt aber eigene Wege geht. Dass er sich auf einer Superjacht präsentiert, darf nicht als Show verstanden werden; es ist nunmal sein Alltag. Wohl ist er kaum so unterhaltsam wie Carl Schürzenjäger, aber er nutzt seine Mittel um Arbeitsplätze zu schaffen. Respekt. Antworten
Als Kenner der Szene und auch an der sogenannten "Goldküste" wohnhafter bin ich etwas irritiert weshalb sich Patrick Liotard-Vogt mit solchen Medienauftritten profilieren muss. Ein wahrer Macher und erfolgreicher "Jungunternehmer" hat es sicherlich nicht nötig sich in Luxushotels und auf Jachten zu presentieren! Antworten
Kultur
Kultur
Meistgelesen in der Rubrik Kultur
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
3308 Stimmen


























































































































































