Kultur
TV-Kritik: Der GC-Hochstapler wickelt auch das Schweizer Fernsehen um den Finger
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 29.10.2009 16 Kommentare
Artikel zum Thema
Er sei der uneheliche Sohn Saddam Husseins und einer Prinzessin aus dem saudischen Königshaus, so die Geschichte, die Volker Eckel seinen potenziellen Geschäftspartnern, den Behörden auftischt – und auch dem Schweizer Fernsehen. Und weil ein uneheliches Kind in jenen Kreisen nicht akzeptiert werden könne, sei er als Kind in ein deutsche Familie gegeben worden. Wer denkt, mit einer solchen Geschichte ernte man nur Spott, sieht sich getäuscht. Kaum verspricht der angebliche Investor seinen Geschäftspartnern und den Behörden Phantasiebeträge – hinterfragt niemand mehr diese hanebüchene Story.
Diesen Sommer erlangte Eckel nationale Berühmtheit, er versprach als Investor beim angeschlagenen Grashoppers-Club mit 300 Millionen Franken einzusteigen. Die Club-Verantwortlichen trafen ihn, der «Blick» schlachtete die Geschichte genüsslich aus. Im Film heisst es, Eckel habe sich auf dem GC-Trainingsgelände bereits so verhalten, als gehöre der Club ihm. Diese Episode kann als absurde Episode in der Geschichte eines gebeutelten Vereins abgetan werden, viel schlimmer wiegt, wie der Hochstapler den Kanton Thurgau über den Tisch zog.
Thurgauer Regierung als korrupt bezeichnet
Er habe die definitive Aufenthaltsbewilligung (C-Bewilligung) mit gefälschten Bankpapieren innerhalb weniger Tage erhalten. Im Normalfall dauert dies rund 10 Jahre. Der Regierungsrat habe ihm sogar versprochen, sich in einem Brief bei der deutschen Justiz für ihn einzusetzen, wo ein Strafverfahren gegen ihn läuft. Eckel spricht von korrupten Behörden – womit er nicht ganz unrecht hat. Regierungsrat Bernhard Koch rechtfertigt sich, dass alles rechtlich korrekt gelaufen sei, von Korruption könne nicht gesprochen werden, da kein Geld geflossen sei.
Konnte auch nicht, denn Eckel hat kaum Geld, zumindest nicht die Millionen und Milliarden, die er vorgibt zu haben. Seinen Lebensunterhalt verdient er, in dem ihm Geschäftspartner als «Vertrauensbeweis» erst ein Geschenk in der Höhe von bis zu 200'000 Franken entrichten müssen. Nicht nur Geschäftsleuten verspricht er viel Geld, das nie fliesst, sondern auch seinen Mitarbeitern. Im Film kommt eine seiner ehemaligen Sekretärinnen zu Wort, der er ein Monatsgehalt von 76'000 Franken versprach. Sie sah keinen Rappen davon.
Sympathie für den Hochstapler
Wo ist das Geld der Sekretärin geblieben? Reporter Marc Gieriet hat Volker Eckel getroffen und interviewt, diese Frage hat er aber nicht gestellt. Anstatt ihn mit den gefälschten Papiere, seinen Opfern und seiner «Vertrauensbeweis»-Masche zu konfrontieren, durfte Eckel sein Talent zur Schau stellen, Lügengeschichten zu erzählen. Wurde anfangs noch klar ausgesprochen, dass es sich bei Eckel um einen Hochstapler handelt, so hatte man im Verlauf der Sendung fast das Gefühl, auch der SF-Reporter sei von Eckel um den Finger gewickelt worden.
Keinen einzigen neuen Beweis gegen Eckels Machenschaften konnte er vorlegen. Kein Wort davon, dass er in Deutschland bereits neunfach vorbestraft ist, unter anderem wegen 55-fachem Kreditkartenbetrug. Eine Geburtsbestätigung aus einem deutschen Spital oder eine Stellungnahme von einem Verwandten Eckels, der die Lügen aufdeckt, hätte das Kartenhaus rasch zusammenstürzen lassen. Eckel bedankte sich am Schluss beim Reporter, er habe sich fair behandelt gefühlt. Mit welcher Selbstverständlichkeit Eckel selbst gegenüber dem Journalisten auftritt, erklärt vielleicht, den Anflug an Sympathie, den man ihm gegenüber entwickelt.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.10.2009, 10:58 Uhr
Kommentar schreiben
16 Kommentare
Gier Gier Gier, jemand mit rosarot Gesicht der Sohn von Saddam und einer suadischen Prinzessin!!!!!!!! Zeig ihnen das Geld oder erzähl davon, wird das Hirn sofort ausgeschaltet. Eckel ist nicht viel anders als die Banken, Hedgefonds und die Manager, die die jetzige Krise ausgelöst haben .... Tell me lies tell me lies tell me sweet lies Antworten
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.








