TV-Kritik: Der Hausfrauenversteher

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 24.06.2010 19 Kommentare

SF-«Reporter» zeigte gestern den TV-Hellseher Mike Shiva als sympathischen Unternehmer, der vergeblich das Liebesglück sucht, seitdem sein Partner eine Frau bevorzugte.

1/7 Der Hund ist sein treuester Partner: Wahrsager Mike Shiva.
SF/Reporter

   

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Mike Shiva, schon der Name alleine lässt viele Leute zusammenzucken. Wenn das braungebrannte rundliche Gesicht mit Stirnband im TV erscheint und einer Anruferin mit treuherzigem Blick «Energie übertragen» möchte, so löst das erst recht Schaudern aus. Die Meinungen sind gemacht: Ein Clown, ein Scharlatan, der gutgläubigen Hausfrauen das Geld aus der Tasche zieht. Reporterin Andrea Pfalzgraf schafft es, das Bild zu revidieren, zumindest ansatzweise.

Denn Mike Shiva ist nicht bloss Wahrsager und Möchtegernindianer, sondern vor allem ein gewiefter Unternehmer. 50 Mitarbeiter beschäftigt sein Hellseh-Imperium. «Bei Shiva arbeiten zu können, bedeutet den Ritterschlag in der Branche», sagt ein Kartenleger, der sich bei Shiva bewirbt. Shiva kauft bei deutschsprachigen Privatsendern Sendezeit ein, er berät vor der Kamera, während im Hintergrund weitere Hellseher ebenfalls Anrufe entgegennehmen. Anrufe kosten Fr. 4.50 pro Minute, das macht pro Stunde 270 Franken, ein lohnendes Geschäft, zumal die Mitarbeiter nur einen Bruchteil davon erhalten. Ein ehemaliger Shiva-Hellseher erzählt, dass er bloss 20 Franken pro effektiv am Telefon verbrachte Stunde verdient habe. Wenn niemand angerufen hat, gabs gar nichts. Allerdings ist dieser Informant nicht unbefangen, wurde er doch entlassen, nachdem Shiva herausgefunden hat, dass er parallel ein Konkurrenzunternehmen aufgebaut hatte.

Das ist auch die einzige kritische Stimme im Film, der sonst Shiva als sympathischen Menschen zeigt, der selber der Esoterik kritisch gegenüber steht und privat mit Liebesproblemen zu kämpfen hat. Wahrsager, die das Todesdatum voraussagen, haben bei ihm nichts zu suchen. Was er macht, ist nicht viel mehr, als mit einsamen Menschen ein nettes Gespräch zu führen und ihnen ein gutes Gefühl zu geben. Seine Voraussagen sind immer sehr allgemein gefasst und positiv, das Kartenlegen und der andere esoterische Krimskrams scheint bloss Dekoration zu sein. «Ein grosser Prozentsatz ist gesunder Menschenverstand, das Hellsehen bloss ein ganz kleiner», gibt er zu.

«Ich schlafe nie alleine»

Also alles harmlos? Keineswegs. Was der Film mit keinem Wort aufgreift, sind die meist weiblichen Anrufer, die ihr ganzes Geld bei solchen Anrufen auf teure Nummern liegen lassen, die sich einlullen lassen von den einfühlsamen Worten der Hellseher und immer wieder zum Hörer greifen.

Auch über «Mike Shivas Imperium» (so der Untertitel des Films), brachte Reporterin Andrea Pfalzgraf wenig in Erfahrung, die Zahlen sind geheim. Dafür erfahren wir einiges über das Privatleben Shivas und erhalten Einblick in seine grosszügige Kitsch-Wohnung. «Ich schlafe nie allein», sagt er vor seinem grossen Bett stehend. Doch schon lange hat keine Frau oder kein Mann mehr das Gemach mit ihm geteilt, sondern nur sein Schosshündchen. Sein letzter Liebespartner war Patrick Gutter, ebenfalls Hellseher und Geschäftsführer von Shiva-TV. Gutter ist mittlerweile mit einer Frau zusammen und hat zwei Töchter, Shiva ist der Götti von einer. Shiva sagt zwar, er sei glücklich – wie sollte er anders –, die Sehnsucht nach einer Beziehung kann er aber nicht ganz verhehlen. Wird er bald jemanden finden? Das weiss Shiva nicht – und zeigt damit bei sich selbst auf, dass das Hellsehen rasch an seine Grenzen stösst. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.06.2010, 10:28 Uhr

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19 Kommentare

Bettina Baumann

24.06.2010, 11:37 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Was mir bei Mike Shiva auffällt: er ist völlig authentisch, strahlt viel Liebe aus, hat ein offenes Herzchakra und den Umgang mit seinem Ex-Lebenspartner finde ich wunderschön. Es gäbe keine Kriege mehr, wenn noch viel mehr Menschen so sehr sich selber wären wie er. Ich hoffe, dass seine Arbeit Wellen schlägt und auch andere Menschen dazu motiviert, freiheitlich und liebevoll miteinander umzugehen Antworten


Daniel Sulzberger

24.06.2010, 13:44 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich habe Mike Shiva getestet mit einem Anruf wegen eines Beziehungsproblems. Ich nannte ihm nur meinen Namen und Geburtstag und diesen der Frau und gab ihm sonst keinerlei Informationen. Sein Beschrieb der Personen, die Analyse des Problems und die Prognose waren sehr genau. Mike Shiva ist absolut kein Scharlatan sondern eher ein Meister seines Faches, und sein Beitrag zur Seelsorge sehr wertvoll. Antworten



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