Kultur

TV-Kritik: Der Rest ist Schweiger

Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 19.12.2011 34 Kommentare

In seinem vorletzten «Tatort» zeigte Mehmet Kurtulus nochmals sein ganzes schauspielerisches Können. Wird ihm Til Schweiger als neuer Hamburger Kommissar je das Wasser reichen können?

1/9 Der verdeckte Ermittler: Mehmet Kurtulus (Mitte) als Hauptkommissar Cenk Batu.
Bild: NDR

   

Kritik, Rating, Diskussion

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Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kam Hamburg in die Schlagzeilen: Mohammed Atta, der das erste Flugzeug in das World Trade Center von New York gesteuert hatte, war in der Hansestadt der Anführer einer terroristischen Zelle gewesen.

So wirkte es gestern Abend äusserst glaubwürdig und gleichzeitig sehr beängstigend, wenn in der neuesten Hamburger «Tatort»-Folge mit dem prophetischen Titel «Der Weg ins Paradies» wiederum radikale Islamisten im Zentrum standen. Ihr Ziel: das 120 Meter hohe Congress Center Hamburg in die Luft zu sprengen, das notabene im selben Jahr wie die New Yorker Twin Towers eröffnet wurde.

Hauptkommissar Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) sollte als verdeckter Ermittler in die Zelle eingeschleust werden und den Anschlag verhindern. Dabei zeigte der türkischstämmige Schauspieler seine grosse Verwandlungskunst: Innert Kürze wurde aus dem attraktiven Mannsbild mit Sonnenbrille ein strenggläubiger Islamist mit Bart.

Der radikale Konvertit

Batu hiess nun Taylan. Er spielte seine Rolle eines religiösen Eiferers aus Syrien derart überzeugend, dass er schliesslich auch Christian Marschall (Ken Duken), den radikalen Kopf der Gruppe, für sich einnehmen konnte. Der misstrauische Konvertit unterzog Taylan zuvor mancher Prüfung.

Marschall alias Achim nahm Taylans Handy an sich, doch über die zuletzt gewählte Nummer meldete sich nur der Notarzt (dort traf sich der verdeckte Ermittler Batu mit seinen Vorgesetzten); Achim setzte einen anderen Konvertiten auf den Gruppenneuling an (witzig die Szene, in der Taylan seinen Verfolger unter der dicken Anzeige eines Sexkinos zur Rede stellte); und Achim liess Taylan ganz ausziehen, um allfällige versteckte Abhörmikrofone aufzuspüren.

Die letzte Aktion trieb selbst dem abgebrühten Ermittler Batu den Schweiss auf die Stirn, denn an der Hüfte klebte tatsächlich eine Wanze. Nur gut, dass das Marschall aus seinem Winkel nicht sehen konnte und dass der andere Anwesende ein Agent des syrischen Geheimdienstes war, der mit dem Bundeskriminalamt zusammenarbeitete. Doch das wusste Batu nicht, und er fürchtete um sein Leben.

Kurtulus vor internationalem Durchbruch

«Der Weg ins Paradies» war ein spannungsreicher «Tatort». Er erinnerte weniger an die teilweise behäbigen Produktionen anderer deutscher (und Schweizer!) Fernsehanstalten als vielmehr an die Actionserie «24» aus Hollywood. Dort strebt Mehmet Kurtulus eine internationale Karriere an, weshalb er nun zu seiner Freundin Désirée Nosbusch nach Los Angeles zieht und seinen Job beim «Tatort» quittiert. Die letzte Folge mit ihm, die im Frühjahr 2012 ausgestrahlt werden soll, ist bereits abgedreht.

Weshalb dieses wunderbare Leinwand-Chamäleon Kurtulus durch den langweiligen Dauergrinser Til Schweiger als Hamburger Kommissar abgelöst werden soll, das bleibt das Geheimnis des Produktionssenders NDR. Es ist zu befürchten, dass man die besseren Stücke aus der Hansestadt gesehen hat – frei mit dem dramatischen Ende der Shakespeare-Tragödie «Hamlet» gesprochen: Der Rest ist Schweiger.

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Erstellt: 19.12.2011, 10:01 Uhr

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34 Kommentare

Helena Mettler

19.12.2011, 11:25 Uhr
Melden 76 Empfehlung

SUPER TATORT - der Abgang von Kurtulus ist ein grosser Verlust! Schweiger spielt definitiv nicht in der selben Liga... Antworten


Stefan Hassler

19.12.2011, 11:25 Uhr
Melden 64 Empfehlung

Ja, einer der wenigen Tatorte, bei dem mich der Schlaf nicht übermannt hat.
Spannend, grandios gespielt, einfach ein gut gemachter Krimi.
Und nun kommt dann der schöne Til, tschüss ihr guten Schauspieler.
Wäre eigentlich ein Dreamteam: Schweiger und Gubser. Muss man sich mal überlegen.
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Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.