Kultur
TV-Kritik: Der unkeusche Mönch
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 23.06.2011 29 Kommentare
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Bruder Beno hat ein goldenes Herz, daran kann kein Fernsehzuschauer zweifeln. So offen dieses Gesicht, so unschuldig dieses Lachen. Obschon Beno Kehl genau genommen kein Bruder mehr ist. Der Grund dafür heisst Seraina und sieht aus wie ein Engel. Sie lässt den Blick aus ihren klaren blauen Augen auf ihm ruhen, wenn er erzählt. Vom Leben als Franziskaner, von der Arbeit mit Randständigen, von seinem Glauben, seinen Überzeugungen. Und dann von seiner Begegnung mit Seraina, seinem inneren Kampf, schliesslich der Entscheidung, den Franziskanerorden, für den er gelebt hatte, zu verlassen, seinem Herz zu folgen, um ein neues Leben als Zivilist an der Seite eines Engels zu beginnen.
Weltlicher Ruhm
Eine rührende Geschichte, richtig herzerwärmend und geschickt erzählt von Annina Furrer, die der Wirkung ihrer Protagonisten vertraut. Interessant sind sie allemal, schliesslich war Bruder Beno nicht irgendein Mönch. 1990, mit 23 trat der Schreiner in den Franziskanerorden ein, um nach den Geboten des heiligen Franz von Assisi zu leben: Armut, Keuschheit, Gehorsam. Es sei das gewesen, was er am tiefsten gesucht habe. Beno habe das Franziskanische immer besonders betont, berichtet ein ehemaliger Mitbruder. Er führte eine Gassenküche im Kreis 4 , bot Prostituierten und Drogensüchtigen Herz und Hand. Diese haben nur Gutes zu berichten. «Er ist Balsam für das Herz von Leuten, die traurig sind», sagt eine Prostituierte und küsst ihn auf die Wange. Durch verschiedene Auftritte in den Medien kommt er zu höchst weltlichem Ruhm.
Und ausgerechnet Vorzeigemönch Beno steigt also aus. Das könnte banal wirken oder ein Aufreger sein und Beno räumt ein, er habe wohl viele enttäuscht mit seiner Entscheidung, den Orden zu verlassen. Doch die Geschichte wirkt weder banal, noch skandalös. Dennoch fasziniert sie, und das liegt an der Persönlichkeit Benos. Bei der Arbeit in der Gassenküche sei es ihm primär darum gegangen, den Leuten zu vermitteln, dass man noch so tief im Sumpf stecken kann und es trotzdem immer möglich ist, ein neues Leben aufzubauen. Dass er diese Maxime bald selber auf sein Leben anwenden würde, konnte er damals nicht wissen.
Kleinliche Kirche
Kennengelernt haben er und Seraina sich im Rahmen seiner Arbeit. Es gab eine «gewisse Resonanz», doch Beno versucht sich mit Fasten und Meditation gegen die aufkeimenden Gefühle zu wehren. Bei der gemeinsamen Arbeit für ein Hilfsprojekt in Afrika, wo Seraina an einem Nierenleiden erkrankt und es plötzlich um Leben und Tod geht, muss der Mönch erkennen, dass die Liebe stärker ist.
Und dann zieht er bei ihr ein und beide führen plötzlich ein ganz normales Leben als Mann und Frau. Auch nicht immer ganz einfach. «Zum Glück weiss man anfangs nicht, was alles noch auf einen zukommt», sagt Seraina. Beno meint, er habe zuerst lernen müssen, weltlich zu leben – in dieser Hinsicht habe er sich nach dem Ordensaustritt auf dem Level eines Zwanzigjährigen befunden. Seraina fügt an, Beno habe erst lernen müssen, was Privatleben sei.
Ziemlich kleingeistig
Durch und durch sympathisch. Einzig die Kirche spielt die Rolle des Spielverderbers. Ein Ex-Mitbruder Benos berichtet, wie dieser ohnehin im Orden angeeckt sei. Und nach seinem Austritt beeilte sich die Kirche denn auch, ihm alle klerikalen Funktionen zu entziehen, ihn finanziell abzusägen und ihn überhaupt von allem fernzuhalten, was entfernt nach Kirche aussieht. Ziemlich kleingeistig, denkt man, zumal Beno sich nach wie vor als Gottesmann sieht.
Der Glaube spiele nach wie vor eine wichtige Rolle, sie führten sozusagen eine Dreierbeziehung, sagt Seraina. Doch die Kirche ist dazu nicht unbedingt nötig. Ein goldenes Herz habe der Beno, sagt sein bester Freund. Und dieses Herz leuchte aus dem Zivilisten Beno noch heller als je zuvor. Und die ganze Fernsehnation darf sich daran wärmen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.06.2011, 10:43 Uhr
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29 Kommentare
Das zeigt doch wieder mal wunderbar, dass die Kirche eine faschoide Vereinigung ist, man sie aber für seinen Glauben nicht braucht. Ich würde sogar sagen, dass die Kirche eher hinderlich ist für den wahren Glauben, den persönlichen Bezug zu Gott usw.
Ich finde die Geschichte toll. Wenn es einen Gott geben sollte, wäre er 100%ig sicher auch für die Liebe und nicht für die Kirche!!
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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