Kultur

TV-Kritik: «Die Liebe ist zu ernst, um sie dem Zufall zu überlassen»

Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 28.12.2011 60 Kommentare

Wenn man Single ist, fragt man sich ständig, warum es nicht klappen will. Für Aussenstehende sieht es meistens etwas anders aus. So erging es einem im gestrigen «Club», dem letzten mit Moderator Röbi Koller.

1/8 Julia Tunali ist geschiedene Mutter, seit 15 Jahren auf Partnersuche, Dolmetscherin und Telefonistin und weiss ganz genau, was sie will und was sie zu bieten hat.
Bild: Screenshot SRF

   

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Die Liebe – dieses sehr breite, oft diskutierte, niemals endende Thema hat sich Röbi Koller für seine letzte «Club»-Sendung ausgesucht, nachdem Christine Maier für ihre eigene letzte Sendung schon das Thema «Glück» zu ergründen versucht hatte.

Im Gegensatz zur «Glück»-Diskussion mit DJ Bobo, Monica Kissling oder Abt Christian fanden sich für die «Liebe»-Diskussion keine illustren Gäste. Aber die meisten Singles sind ja auch wie du und ich und keine begehrenswerten Topshots. So beschränkte sich Koller auf vier mehr oder weniger dringend suchende Singles, eine «momentan» glücklich Liierte («also im Moment») und einen Psychoanalytiker, der zwischendurch ein paar interessante Dinge sagte.

Hier ist Röbi Kollers Single-Angebot:

Single 1: Dolmetscherin, seit 15 Jahren geschieden, vor ebenfalls 15 Jahren die grosse Liebe verschmäht (hat sie im Nachhinein gemerkt), demonstrativ selbstbewusst, bietet «breites Spektrum». Sucht: charakterlich guten Menschen, herzlich, weltoffen, kommunikativ, schlank, 34 bis 47 Jahre alt, Mann ohne Kinder (oder nur grosse), Nichtraucher, gepflegt, viele Interessen, einen tollen Partner, der sie auf Händen trägt, vergöttert, bewundert.

Single 2: Anti-Aggressionstrainer, geschieden, schläft mit dem 15-jährigen Sohn, der alle zwei Wochenenden zu Besuch ist, im selben Wasserbett, was die Partnerin akzeptieren muss. Lebt «Affären mit Beziehungscharakter». Sucht: Eine Partnerin, die ihn nimmt, wie er ist. Wie lange die Beziehung dauern werde, wisse er allerdings nicht, ob er treu sein könne, auch nicht. Ist eigentlich ambivalent bezüglich Beziehung und Singledasein.

Single 3: Elektroingenieur, getrennt lebender Vater, Nickname im Internet: «Realist». Geht in der Liebe pragmatisch vor («Die Liebe ist zu ernst, um sie dem Zufall zu überlassen»). Sucht: Frau, mit der er Gespräche führen kann (Sprache: Schweizerdeutsch oder Deutsch), möchte eine Beziehung für die Ewigkeit.

Single 4: Coiffeuse, geschiedene Mutter, verkuppelt gerne Kunden und Kundinnen. Tut alles für einen Mann («Ich gebe immer, aber bekomme nie etwas zurück.»), hat nach fünf, sechs Monaten keine Schmetterlinge mehr im Bauch. Sucht: ehrlichen, treuen, lieben Mann «mit allem, was dazu gehört».

«Internetdating hat Konsumcharakter»

Warum will es bei diesen vier Singles nicht klappen? Der Psychoanalytiker Jürg Acklin hütete sich vor konkreten Aussagen über Röbi Kollers Talkgäste. Zwischen den Zeilen gab er dennoch den einen oder anderen Kommentar ab (was die indirekt Angesprochenen jedoch grosszügig überhörten): dass man heutzutage Beziehungen mit Ansprüchen überfrachte oder dass man vielleicht auch einmal über sich selber nachdenken solle, wenn man immer an den Falschen gerate, der nur Sex will oder die Falsche, die nur Kinder will. Auch der Suche im Internet konnte Jürg Acklin wenig abgewinnen. Dies habe einen Konsumcharakter, die Auswahl sei zu gross, alles müsse schnell gehen, wodurch keine richtige Begeisterung entstehen könne. Und wenn das virtuelle Dating zu lange dauere, gehe einem meist die Fantasie durch.

Mit dem Thema «Liebe» hat Röbi Koller für seine Abschlusssendung einen sicheren Wert gewählt. Liebe – das zieht immer und man hört und schaut immer wieder gerne zu, wenn Singles erzählen. Allerdings besteht die Gefahr, dass vieles zum tausendsten Mal durchgekaut wird. So war die Diskussion über weite Strecken zu wenig anregend. Neue Erkenntnisse oder Patentrezepte haben wir keine erwartet, aber Fragen wie «Was ist Speeddating?» oder «Haben es Singles mit Kindern auf dem Singlemarkt schwerer?» hätte sich Röbi Koller sparen können.

Dafür erfuhren wir, dass man sogar im Coiffeursalon verkuppelt werden kann, sofern man die richtige Coiffeuse hat (leider war diese in der Sendung zu nervös, um mehr von ihren Verkupplungsaktionen zu erzählen). Immerhin konnten sich die vier Singles gestern einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Auf die eine oder andere Zuschrift dürfen sie sicher hoffen. Und auf die grosse Liebe im neuen Jahr? «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagte dazu die Dolmetscherin und schraubte ihre hohen Ansprüche gleich ein wenig zurück: Der Traumprinz dürfe ruhig auch auf einem Esel daherreiten.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2011, 10:14 Uhr

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60 Kommentare

Hampi Rick

28.12.2011, 13:00 Uhr
Melden 111 Empfehlung

Das Ausssehen entscheidet wer zusammen kommt.
Der Charakter entscheidet wer zusammen bleibt!
Antworten


Herbert Berger

28.12.2011, 10:49 Uhr
Melden 106 Empfehlung

Das Problem bei der Suche nach einem Partner ist, dass man nicht krampfhaft danach suchen sollte. Ich z.B. habe meine Frau erst dann kennen und lieben gelernt, als ich mich innerlich damit abgefune hatte, ein Leben lang Single zu bleiben. Somit war mein Kopf frei und mein Geist offen. Erst wenn man nichts mehr erwartet, findet man die Dinge, die man wirklich braucht. Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.