Kultur
TV-Kritik: Die Macht des Lächelns
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 03.08.2010 21 Kommentare
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Natürlich wird Heidi erwähnt, wenn die Kameras durch Mels schwenken, jenem Ort im Sarganserland, in dem der heute mächtigste Wirtschaftsführer Deutschlands aufgewachsen ist. Wie Heidi landete Josef Ackermann irgendwann in Frankfurt, dann enden aber die Parallelen. Der preisgekrönte Filmautor Hubert Seipel zeigt Josef Ackermann als einen Menschen, der kein Heimweh kennt, der da zu Hause ist, wo es das Geschäft erfordert – selbst wenn er zuweilen gar nicht mehr weiss, wo er gerade ist. Es könne durchaus vorkommen, dass er im Hotel aufwache und sich frage: «Wo bin ich denn eigentlich?» Landesgrenzen interessieren ihn nicht, das Geschäft ist global, also sollen auch die Menschen global sein. Ackermann sei «rastlos im Auftrag des Kapitals unterwegs», so der Kommentar des Filmemachers, an einem Tag in Frankfurt, dann in Shanghai, dann in New York.
Tiefs lässt er sich nicht ansehen
Der Arztsohn aus der Ostschweizer Provinz steht heute ganz oben. Weltweit wird seine Leistung als Banker anerkannt, er trifft die Mächtigsten der Politik, gehört zu den einflussreichsten Menschen Deutschlands. «Der Wettbewerb unter den Mitarbeitern ist enorm», sagt Ackermann. Der Ex-Chef der Deutschen Bank, Chef Hilmar Kopper, meint über die Firmenkultur: «Jeder will der Klassenbeste sein. Deshalb werden wir respektiert, deshalb werden wir angegriffen.» In einem solchen Umfeld konnte sich Ackermann nicht nur an die Spitze kämpfen, nein, ihm gelingt noch etwas viel Schwierigeres: Er kann sich da auch halten, trotz Tiefschlägen und Krisen.
Wie schafft er das nur? Mit einem Dauerlächeln, steif wie in Stein gemeisselt. Und indem er sich Tiefs nie ansehen lässt. «Seine Devise lautet: ‹Es geht immer wieder aufwärts›», erklärt der frühere St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser, der im Film als «Schulfreund Ackermanns» vorgestellt wird, über den aber unerwähnt bleibt, dass er seit 2008 auch für die Deutsche Bank (DBN 29.39 1.07%) arbeitet (er führt eine Repräsentanz der Bank für vermögende Kunden in St. Moritz). Dies erklärt vielleicht, weshalb Danuser kein negatives Wort über Ackermann fallen lässt.
Ackermann sei in der Schule der Klassenprimus gewesen, so Danuser, «aber er war kein Streber». Zudem äussert sich Danuser über die rasante Militärkarriere seines Freundes («Bei ihm gings immer um grosse Feuerkraft»), das wars dann schon. Über private Angelegenheiten, über die Vorlieben, Jugendstreiche, Musik oder was auch immer Jugendfreunde umtreibt, erfährt man nichts. So wie im ganzen Film das Private ausgeklammert wird. Nur kurz wird Ackermanns Frau eingeblendet. Ansonsten entsteht das Gefühl, im Leben Ackermanns drehe sich alles um die Bank, die Deutsche Bank.
Eckt mit Ehrlichkeit an
«An professioneller Herzlichkeit ist der Schweizer unübertroffen», sagt Filmemacher Hubert Seipel angesichts des Dauerlächelns und seiner meisterhaften Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen. Ackermann ist aber kein Blender. Er ist ehrlich – und eckt damit an. Er sagt, wenn ihm 10 Prozent Rendite zu wenig sind und er 25 Prozent möchte. Er plaudert aus, wenn er meint, Griechenland werde die Schulden nie mehr zurückzahlen können, auch wenn er damit Angela Merkel in den Rücken fällt und einen Sturm der Entrüstung auslöst. Und er sagt im Film über seine Rolle als Berater Angela Merkels während der Finanzkrise: «Ich habe Frau Merkel immer klar gesagt, dass ich Angestellter der Deutschen Bank bin, und ich kann nicht gegen die Interessen der Deutschen Bank Rat geben.»
Die Interessen der Deutschen Bank. Sie haben im Leben Josef Ackermanns oberste Priorität. Was gut ist für die Bank, das kann nicht schlecht sein, so seine tiefste Überzeugung. Dass die Politik und das Volk dies zuweilen anders sehen, nimmt er in Kauf. Als er in den USA von Ex-Präsident Bill Clinton einen Preis erhält, ist er das einzige Mal im Film emotional gerührt, da schwindet sein starres Lächeln und geht zu einem Lachen über, das aus dem Innern kommt. Danach hört man ihn am Telefon sagen: «Für die Bank wars unglaublich. Bill Clinton hat die Deutsche Bank in der Rede mehrmals erwähnt.» Die Deutsche Bank, das ist er.
Mitgefühl für Bettler
Als wolle er beweisen, dass ihm die Welt ausserhalb von Wallstreet, Börsenkursen und Bilanzen nicht ganz egal ist, sagt er: «Ich kann heute noch schlecht um jemanden herumgehen, der um Geld bittet.» Worauf der Filmemacher zu Recht einwendet, dass Ackermann einer solchen Situation kaum je ausgesetzt ist. Denn Josef Ackermann geht nicht, er wird in der Regel in der Luxuslimousine gefahren. Hinter abgetönten Scheiben. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.08.2010, 10:07 Uhr
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21 Kommentare
Gut getroffener Comment. J.S. ist endlich mal ein CH den man "vorzeigen" kann. Sein Pendant ist O. Grübel (Ostdeutscher) bei UBS. Also mal zwei Typen als jeweilige Ausländer, die Visionen haben, sowie international denken u. handeln, statt stehen zu bleiben in kleingeistiger Kleinstaaterei u. alten, völlig überholten, welt- u. zeitfremden Mythen nach zu träumen! Antworten
Ackermann oder Grübel an die politische Macht? Nur das nicht. Es reicht, dass sie ihre Finanzinstitute mit einem völlig eindimensional fokussierten und rücksichtslosen Stil führen (Shareholder Value). Dieser Stil ist nicht mehr zeitgemäss und hat sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft nichts verloren. Eine neue Generation Manager ist gefragt und gefordert. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.









