Kultur

TV-Kritik: Im Dilemmata-Dschungel

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 26.09.2012 86 Kommentare

Der Streit um das Mohammed-Video hat gestern den «Club» erreicht, wo Mike Müller und SVP-Mann Walter Wobmann lautstark aneinandergerieten.

1/8 Stimmt etwas mit der islamischen Frustrationstoleranz nicht – und was darf Satire eigentlich? Die «Club»-Runde sprach gestern über die Folgen des Mohammed-Films.

   

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Die Lage in der islamischen Welt bleibt angespannt. Die Wut entzündet sich an einem Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit zwei Wochen gibt es deswegen Proteste – während man im Westen darüber diskutiert, ob etwas mit der islamischen Frustrationstoleranz nicht stimmt und was Satire eigentlich darf.

Nach zwei Wochen internationaler Daueranalyse keine leichte Aufgabe für den «Club». Fast mag man die immer gleichen Diskussionspunkte nicht mehr hören. Vielleicht nahm der «Club» deshalb einhellig die etwas überraschende Position ein, dass der der Mohammed-Film keine Satire sei, nicht einmal eine krude, sondern lediglich ein hetzerisches Machwerk.

Doch wo verläuft die Grenze zwischen Meinung und Verunglimpfung? Islamwissenschaftler Reinhard Schulze betonte, dass Humor und Satire in islamischen Gesellschaften seit jeher sehr präsent seien. Es gebe aber Tabubereiche des öffentlich Karikierbaren und Sagbaren, zum Beispiel die Holocaustleugnung. Für Mike Müller wiederum stand fest, dass er als Kabarettist keine zentralen Glaubensinhalte verletzt, etwa die Sakramente. Offenbar gebieten das die SF-Richtlinien. Wieso eigentlich - in einem liberalen, säkularisierten Staat sollte dies eigentlich möglich sein. Monty Python jedenfalls hatte damit keine Mühe.

Erpressung?

Und schon befand man sich im Dilemmata-Dschungel. Sitten und Werte sind von Kultur zu Kultur verschieden. Es gilt in Zeiten einer globalisierten Welt – und speziell im Fall des Mohammed-Films – also abzuwägen, was das grössere Übel ist: Die Meinungsfreiheit bisweilen zu beschneiden – oder Tote in Kauf zu nehmen. Ersteres wird von Vertretern der absoluten Meinungsfreiheit wiederum als Erpressung ausgelegt, zum Beispiel von Walter Wobmann, SVP-Nationalrat. Dass er als Präsident des Anti-Minarett-Komitees auch antifreiheitlich agierte, liess er allerdings nicht gelten. So gerieten er und Mike Müller sich immer wieder lautstark in die Haare:

Wobmann: Wir dürfen nicht kuschen!
Müller: Wer kuscht?
Wobmann: Sie und Ihr Sender, der den Film nicht zeigt!

Worauf Karin Frei und Mike Müller protestierten – man müsse nicht jeden Dreck zeigen und Öl ins Feuer giessen. Nun ist die Devise des SF eine eigentlich löbliche, aber auch hilflose Geste. Denn natürlich hat inzwischen jeder den Film im Internet gesehen. Allein, die Diskussion bog an dieser Stelle zu einer etwas naiven Medienkritik ab. Sogar der Professor, sonst für die interessantesten Inputs zuständig, empörte sich über die mediale «Skandal-Kultur»: «Wir sind nicht nur Nutzniesser des Internets, sondern auch Gestalter», sagt er und forderte einen globalen Ethik-Kodex für die Medien. Zu Recht warf da Yves Kugelmann, Chefredaktor des jüdischen Wochenmagazins «Tachles», die rhetorische Frage auf, wie er das anzustellen gedenke?

Verbot nicht durchsetzbar

Nach einem weiteren heftigen Schlagabtausch zwischen Wobmann und Müller («Bald zündeln die Fundamentalisten auch in Europa!» – «Sie sind hier der Fundamentalist!») fand Schulze aber zu seinem Pragmatismus zurück. Er räumte ein, dass ein Verbot des Mohammed-Films nicht durchsetzbar sei, weil man das Internet nicht kontrollieren könne. Als Lösung für die verworrene Situation plädierte er, die gemeinsame Situation von West und Ost zu erkennen. Hier wie da habe man eine an sich vernünftige Mitte, die sich vor extremistischen Gesellschaftsrändern vorsehen müsse. Mit dem Film habe das eigentlich nichts zu tun. Zumal dieser uralte Klischees bediene, die unter anderem auch die SVP beim Minarett-Abstimmungskampf transportierte (Mohammed heiratete die sechsjährige Aischa!): «Es ist Zeit, die Klischees aufzubrechen und hüben wie drüben aufklärerisch zu wirken.»

Schulzes Erklärung hörte sich einleuchtend an und war ein hübsches Schlusswort für einen «Club», der eine attraktive Mischung aus Emotionen und Hintergrund bot. Wie viel Zeit die beidseitigen Aufklärungsphasen brauchen, ist freilich eine Frage, die gestern nicht beantwortet werden konnte. Es dürfte mehr als zwei Wochen dauern. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.09.2012, 10:19 Uhr

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86 Kommentare

Amos Scherrer

26.09.2012, 11:02 Uhr
Melden 338 Empfehlung 4

Und morgen kommt einer, der sich nur schon religiös beleidigt fühlt, wenn Männer keine Bärte tragen. Was machen wir dann? Antworten


Sabine Zmasek

26.09.2012, 11:35 Uhr
Melden 332 Empfehlung 2

Wieso ist es ein Klische, dass Mohammed die sechsjährige Aischa heiratete? Im Koran und in den Hadithen ist dies an mehreren Stellen unmissverständlich belegt. Er heiratete sie als Sechsjährige und " vollzog " ( !!! ) die Ehe als sie neun Jahre alt war. Deshalb kündigte die iranische Regierung an, dass Mädchen neu mit neun Jahren verheiratet werden dürfen. Antworten



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