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TV-Kritik: Kerners Wurf in den Fettnapf
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 17.12.2010 12 Kommentare
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Was musste dieser Mann in den vergangenen Tagen für Schelte und Kritik einstecken. Er sei mediengeil, würde sich auf Kosten der deutschen Truppen selbst inszenieren. Dabei wollte der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg doch bloss wieder ein paar deutschen Soldaten in Afghanistan einen Besuch abstatten.
Ehefrau Stephanie ist schuld
Beim verflixten siebten Mal machte er jedoch zwei Fehler: Er nahm erstens seine blonde Frau Stephanie mit und zweitens den braun gebrannten Talkmaster Johannes B. Kerner, der weniger als knallharter Politjournalist bekannt ist, sondern vielmehr als Moderator für Tränendrüsenthemen und Fussball. Das passte vielen Deutschen – allen voran zu Guttenbergs politischen Gegnern – überhaupt nicht.
«Meine Frau wollte unbedingt mit. Es war ihr Wunsch», fegte der Verteidigungsminister Vorwurf Nummer 1 sofort vom Tisch. Und ob nun zu Guttenberg den Kerner mitgenommen hat oder umgekehrt, war auf einmal auch nicht mehr ganz klar. Eine Win-Win-Situation wars sowieso für beide und so kamen sie sich in der Sendezeit auch nicht ins Gehege.
Der Trick mit der Tränendrüse
Es passte alles perfekt. Kurz vor Weihnachten. Sat 1 liess uns eine Stunde lang teilhaben am Geschehen in Afghanistan. Dort, wo deutsche Truppen stationiert sind. Die Talksendung «Kerner» hat ihr Fernsehstudio ausnahmsweise nach Mazar-e-Sharif verlegt. Im Publikum sassen Soldatinnen und Soldaten der deutschen Bundeswehr und als Gast auf der Bühne Karl-Theodor zu Guttenberg mit Gelfrisur, weisser Hose und einer in Falten gelegten Stirn.
Sat 1 packte die typischen Privatsendertricks aus und zeigte uns als Erstes eine besorgte Familie in Deutschland samt Weihnachtsdekoration, während Papa im Krieg dient, der offiziell keiner mehr ist. Dann durften wir bei der Abschiedsszene eines jungen Paars dabei sein: sie hochschwanger, er kurz vor dem Abflug nach Afghanistan. Dann sprach eine 25-jährige Rettungsassistentin, deren Kollege bei einem Bombenanschlag starb, sowie ein Soldat, dessen «Seele Schaden genommen hat» und der heute noch an posttraumatischer Belastungsstörung leidet. Schliesslich zeigten uns Kerner und zu Guttenberg auf der Bühne, was ein Soldat alles so mit sich herumschleppt und wirkten dabei wie zwei Verkäufer aus einer dieser Dauerwerbesendungen.
Guttenbergs Plan geht auf
So holt man das gemeine Fernsehpublikum ab, das wissen sowohl Kerner als auch zu Guttenberg. Und das ist auch das offizielle Ziel der beiden: Sie wollen Deutschland zeigen, was ihre Leute dort unten in Afghanistan so tun, «offen und schonungslos». Konkret erfahren wir darüber jedoch nicht sehr viel. Die Tränendrüsensequenzen, die Kerner so mag, nehmen zu viel Sendezeit ein. So sehen wir Soldaten durch die Gegend fahren, «Elitekämpfer», die sich auf einen heiklen Einsatz vorbereiten oder ein karges Schlaflager bei einem Aussenposten. Aber man darf ja auch nicht zu viel verraten, weil alles geheim ist und man keine militärische Operation gefährden will. Kritische Themen wie das posttraumatische Belastungssyndrom wurden zwar angetippt, der betroffene Ex-Soldat wurde jedoch als labil und mit leicht verschobener Wahrnehmung dargestellt.
Und Karl-Theodor zu Guttenberg? Der machte seine Sache so perfekt, wie seine Hose hell leuchtete. Er schaute sich die Einspieler jeweils mit Sorgengesicht an, lauschte den Soldaten auf der Bühne und wusste seine kurzen Redezeiten zu nutzen – mit einer bürgernahen Sprache, die wir aus patriotischen Ami-Kriegsfilmen kennen. Er erzählte, wie ihm die Nachrichten von gefallenen Soldaten einen «Stich ins Herz» versetzen, dass man «nicht um den heissen Brei» zu reden brauche und dass die Soldaten «es verdient haben, dass man an sie denkt». Klar, nutzte er den gestrigen TV-Auftritt für sich. Aber immerhin lenkte er seinen Schein auch auf die Soldaten, an denen ihm wohl tatsächlich etwas liegt.
Der zweite Hauptdarsteller des Sat-1-Spektakels, Johannes B. Kerner, setzte sich wesentlich ungeschickter an. Kurz vor Sendeschluss und bevor es wieder zurück in die heile Welt ging, machte er den Fehler, einem Soldaten noch rasch einen Fussball zuzuwerfen und ein paar Leibchen der deutschen Fussball-Nati «für das nächste Spiel gegen die Amis». Mit dieser überflüssigen Aktion dürfte er all jene Skeptiker bestätigt haben, die vermuten, dass es Sat 1 weniger um die Soldaten in Mazar-e-Sharif ging als vielmehr um die Quote. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.12.2010, 09:18 Uhr
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12 Kommentare
Quote: Klar! Promotour: Logisch!. Aber der Artikel kritisiert zwar vieles, macht sich aber nicht mal die Mühe sich zu den Soldaten und Soldatinnen Gedanken zu machen. Alleine schon die Präsenz vor Ort ist ein Zeichen für die Soldaten, dass sie nicht vergessen wurden. Anstatt nur zynisch über die Aktionen andere zu berichten, könnte man ja auch selbst die Soldaten zu Wort kommen lassen, nicht? Antworten
@Lippold / Keller: Schön wie die Propaganda und rechtfertigende Heuchlerei der Besatzungsmacht seine Wirkung bei Ihnen hinterlassen hat. Schön, dass Sie den Medienschaffenden aus der Hand essen. Es geht hier nur um Eins: Die Bevölkerung zu Hause soll den Auslandeinsatz gutheissen, weiterhin unterstützen, als notwendig und sinnvoll goutieren. Schürfrechte können auch so "erworben" werden. Antworten
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.









