Kultur

TV-Kritik: Schönheit gegen Makel

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 07.01.2011 24 Kommentare

Das Topmodel Sarina Arnold engagiert sich für ein Kinderhilfswerk – für SF ein Grund, einen ganzen Dokfilm darüber zu drehen. Die PR-Abteilung des Hilfswerks freuts. Und den Zuschauer?

1/7 Schweizer Schönheit setzt sich für kirgisische Kinder mit einer Missbildung ein: Sarina Arnold mit der Kinderchirurgin Brigitte Winkler (links).
Bild: SF/Dok

   

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Ein dunkler Schatten habe über der Geburt ihrer Tochter gelegen, erzählt das Urner Model Sarina Arnold. Das Kind kam mit einer Lippen-Gaumen-Spalte auf die Welt, im Volksmund Hasenscharte oder Wolfsrachen genannt. Da die Urnerin ihre Erfahrung mit ihrem Kind in Illustrierten ausbreitete, wurde auch die AWD Kinderhilfe Schweiz auf sie aufmerksam, die sich in Kirgistan um Kinder mit denselben Missbildungen kümmert. Arnold sollte sich als sogenannte «Botschafterin» für das Hilfswerk engagieren. Das heisst: Kinder mit Missbildung im Arm halten, sich dabei fotografieren lassen und hiermit dem Hilfswerk zu Aufmerksamkeit und Spendengeldern verhelfen. Eine Rolle, die man sonst vor allem von Hollywood-Stars kennt, von Angelina Jolie bis Madonna.

Missbildungen im Grossformat

Das Engagement Sarina Arnolds hat sich für das Hilfswerk bereits gelohnt. Das Schweizer Fernsehen strahlte gestern zur besten Sendezeit einen Dokumentarfilm über den Besuch des Models im Kinderspital in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek aus. In dem Land kommen drei Mal mehr Kinder mit Missbildungen zur Welt als in der Schweiz, weshalb weiss niemand, vermutet wird ein Zusammenhang mit radioaktiver Strahlung vom sowjetischen Uranabbau.

Arnold wird in Kirgistan von der Schweizer Kinderchirurgin Brigitte Winkler empfangen, herumgeführt, eine Fotografin des Hilfswerks und die Filmemacherin Helen Stehli Pfister vom Schweizer Fernsehen halten jeden Schritt fest. Und hier kommt das Ungleichgewicht zwischen Arnold und den betroffenen Kindern und Eltern besonders zum Ausdruck: Während Arnold aus Gründen der Privatsphäre verständlicherweise nicht wollte, dass das Fernsehen Bilder ihrer Tochter zeigt, als sie noch verunstaltet war, wird bei den kirgisischen Kindern mit der Kamera voll draufgehalten: Missbildungen im Grossformat, egal ob die Kinder gerade weinen, traurig schauen oder fröhlich sind. Solche Bilder generieren Spendengelder und auf diese ist das Hilfswerk angewiesen.

Sympathische Urnerin

Was hier das Team pensionierter Kinderchirurgen aus Deutschland und der Schweiz leistet, ist beachtlich. Und auch Sarina Arnold nimmt man ab, dass ihr das Engagement mehr bedeutet als blosse Pose und Imagebildung. Die Urnerin zeigt keinerlei Allüren, ihre Emotionen und ihre Empathie den kirgisischen Müttern gegenüber wirken in jeder Hinsicht echt. Da sind ehrfürchtige Fragen der Filmemacherin wie «Sie könnten ihre Freizeit geniessen stattdessen gehen Sie nach Kirgistan» überflüssig. So echt ihr Engagement, Arnold profitiert von ihrem Kurztrip nach Kirgistan mindestens genau so wie das Hilfswerk: Die ganze Schweiz kennt sie nun als sympathische junge Frau, die genau weiss, dass Glamour, Mode und Schönheit nicht das Zentrum der Welt bedeuten.

Der Dokumentarfilm bedient sich einer langsamen Bildsprache, wie man sie im heutigen Fernsehen kaum mehr sieht. Dem ist nichts auszusetzen, im Gegenteil, dass sich jemand filmtechnisch um den Zeitgeist völlig foutiert ist in der aufgeregten Medienwelt durchaus wohltuend. Nur: Die Geschichte einer PR-Aktion eines Schweizer Models in Kirgistan gibt zu wenig her für einen 50 Minuten dauernden Dokumentarfilm, der Film beginnt sich zu wiederholen, wird langatmig – da kann das Model noch so schön und sympathisch sein. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.01.2011, 10:26 Uhr

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24 Kommentare

Markus Müller

07.01.2011, 13:16 Uhr
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Ich liebe diese ruhigen, unaufgeregten schweizer Dokumentarfilme. Antworten


Adolf Gyger

07.01.2011, 10:35 Uhr
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Endlich einmal ein Model, die etwas sinnvolles macht. Zudem kennt sie ja das Problem aus eigener Erfahrung. Vor solchen Menschen kann man Respekt haben und nicht wenn das ein Model macht, nur um ihren Ruf aufzubessern, Ist ja furchtbar, wenn man solche Bilder sieht und daneben gibt es tausende reiche Leute, die ihr Geld für immer für teurere Luxusgüter ausgeben! Adolf gyger Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.