Kultur
TV-Kritik: Simi fliegt, die «Tagesschau» stürzt ab
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 23.02.2010 30 Kommentare
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Korrigendum
In der TV-Kritik steht fälschlicherweise, dass das Debakel der Schweizer an der Ski-WM in Bormio auf Bildern der Tschechischen Skifahrerin Sarka Zahrobska erläutert wurde. Es hat sich nun gezeigt, dass diese Aussage falsch war. Die beiden stürzenden Skifahrerinnen sind die Schweizerinnen Sonja Nef und Nadia Styger. Für diesen Fehler möchten wir uns bei den Kollegen der Tagesschau entschuldigen.
Simon Ammann jubelte gestern auf allen Frontseiten der Sonntagszeitungen, im Radio, im Fernsehen. Auf Internetportalen war er den ganzen Tag omnipräsent. Und dann kommt um 19.30 die altehrwürdige «Tagesschau» – und schon wieder ist Ammann das grosse Thema. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, die Schweiz kann nicht alle Tage einen Doppelolympiasieger feiern. Die Frage ist nicht ob, sondern wie handelt man das Thema in einer Nachrichtensendung ab.
Das Pflichtprogramm, die Zusammenfassung der Flüge und der Siegerehrung gelang SF souverän, dann folgte der langsame Absturz. Reporter Andri Franziskus interviewte zeitgleich Simon Ammann und den Sportminister Ueli Maurer, beide wussten nicht, was sie sagen sollten, schienen ob der Situation peinlich berührt, der Austausch von Belanglosigkeiten nahm kein Ende. Immerhin wissen wir jetzt, dass Maurer Ammann einen Flug in einem Kampfjet schenkt, schliesslich ist er ja der «Überflieger».
Die Weisheiten des Soziologen
Wer dachte, die «Tagesschau» widme sich nun dem Weltgeschehen, sah sich getäuscht. Jetzt musste der Erfolg in einen grösseren Zusammenhang gestellt, zu einer nationalen Angelegenheit erhoben werden. Solche Siege könnten ein ganzes Land in einen Höhenrausch versetzen und Probleme wie Ghadhafi oder den Steuerstreit vergessen machen, so die Moderatorin Beatrice Müller. Um diese These zu untermauern, wurde der Soziologe Hanspeter Stamm beigezogen. «Die Erfolge sind sehr wichtig, das sportliche Interesse wird in diesen Fällen dann eben auch durch Euphorie ergänzt. Und das führt dazu, dass man vielleicht noch etwas stärker vergisst, als dass man es ohnehin schon vergessen würde», so seine Erkenntnis, für die wohl kaum unzählige Studienjahre nötig gewesen wären.
Der Soziologe relativiert aber gleich wieder: «Diese Vorlage von fünf Medaillen in der ersten Woche ist sehr gut, aber es müssten noch einmal fünf oder zehn Medaillen dazukommen, sonst könnte sogar das Gegenteil passieren, nämlich dass die Erwartungen nicht erfüllt werden und Katzenjammer wie damals in Bormio ausbricht.» Nur blöd, hat damals an der Ski-WM in Bormio die Schweiz gar keine Medaille gewonnen und noch blöder, dass das Schweizer Fernsehen die Aussage zwar mit einem Sturz aus Bormio bebildert, doch anstatt eines Schweizers liegt die Tschechische Rennfahrerein Šárka Záhrobská im Schnee.
Was «Tagesschau»-Recherchen ergeben
Überzeugt die «Tagesschau» dann wenigsten in ihrem Stammgebiet, der Berichterstattung über Politik und das Weltgeschehen? Mitnichten. Zwar sind die Beiträge über das Unwetter in Madeira oder den niederländischen Abzugsplänen aus Afghanistan solide gemacht, die nächste grosse Eigenleistung, eine Reportage aus einem Fiat-Werk in Italien, ist an Einseitigkeit kaum zu übertreffen. Die Arbeiter müssen aus Arbeitsmangel zwei Wochen in die Zwangsferien, erhalten in jener Zeit aber noch immer 80 Prozent des Lohnes. Tönt eigentlich nach einer fairen Lösung, ähnlich der Kurzarbeit in der Schweiz, doch im Beitrag kommen nur Leute zu Wort, die sich «verraten fühlen», die die Fiat-Führung als unsozial und geldgierig bezeichnen.
Für den (unfreiwillig?) komischen Schlusspunkt dieser verpatzten «Tagesschau» ist Moderatorin Beatrice Müller zuständig. «Spekuliert wurde schon lange, bisher blieb alles höchst geheim. Recherchen der ‹Tagesschau› zeigen jetzt aber offiziell, dass es wahr ist», sagt sie. Worum es hier geht? Um eine bevorstehende Freilassung der libyschen Geiseln? Um den Rücktritt von Bundesrat Merz? Nein, ein Bär im Berner Bärenpark hat Junge erhalten. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.02.2010, 11:20 Uhr
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endlich nimmt sich der tagi dem leidigen thema
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.








