Kultur
TV-Kritik: «Sportlounge» unterläuft Fehlstart
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 25.08.2009 49 Kommentare
Mit Diskussionsrunden ist es so eine Sache. Erst haben interessante Menschen über interessante Dinge gesprochen, dann interessante Menschen über belanglose Dinge, dann belanglose Menschen über interessante Dinge – und schliesslich belanglose Menschen über belanglose Dinge. Man durfte also gespannt sein, wie sich die «Sportlounge» vor dem Hintergrund dieser Talk-Evolution verhielt.
«Hintergrund» ist übrigens auch das Motto der neuen SF-Sendung. Die «Sportlounge» will den Zuschauern einen Blick hinter die Kulissen des Sports bieten. Pate stand die so genannte «Peking Lounge». Wir erinnern uns: Letzten Sommer diskutierten Sportler mit Matthias Hüppi das Olympia-Geschehen. Besonders «relevant» oder sogar «kontrovers», wie man die «Peking Lounge» angekündigt hat, ging es damals allerdings nicht zu und her. Ein gewisser Unterhaltungswert bestand aber durchaus. Vor allem Pater Kassian, Hüppis ehemaliger Physiklehrer, erfreute die Sportnation mit seinem enzyklopädischen Wissen.
Brave Meinungen
Pater Kassian ist dieses Jahr leider verstorben. Moderatorin Regula Späni durfte stattdessen Sanya Richards begrüssen. Zusammen mit André Bucher (Ex-Athlet), Helmut Digel (Sportwissenschaftler) und Patrick Magyar (Direktor von «Weltklasse Zürich») talkte die sympathische US-Sprinterin über die Krise in der Leichtathletik.
Nun ist die Sportredaktion des Schweizer Fernsehens nicht gerade für kritischen Journalismus bekannt. Zu gross ist die Angst, dass man jemandem an den Karren fährt, den man dereinst vielleicht nochmals interviewen muss. Dies zeigte sich auch gestern wieder. Geschickt verstand man es, das Thema Doping zu umschiffen. Stattdessen bejubelte man einmal mehr Usain Bolt. Zwar wurde auch das Problem der halbleeren Stadien gestreift und erörtert, wie man mit neuen Regeln unattraktive Disziplinen aufwerten könnte. Doch eine richtige Diskussion wollte nicht aufkommen. Vielmehr ratterten die Gäste brav ihre Meinungen hinunter. Beim Zuschauer drohte der Sekundenschlaf.
Dabei hatte man mit Leichtathletik doch ein dankbares Thema; eben ging die WM erfolgreich zu Ende und «Weltklasse Zürich» steht vor der Türe. Bange fragte man sich, was die «Sportlounge» hintergründig diskutieren will, wenn kein Grossereignis ansteht. Orientierungslauf? Turmspringen?
Spänis Versprecher
Laut SF versucht die «Sportlounge» bei jedem Sendungsthema «dem Anspruch der ungewohnten Betrachtungsweise auf den Sport gerecht zu werden». Das klingt innovativ. In Tat und Wahrheit wird einfach Altbekanntes vermengt. Ein bisschen Talk zu einem aktuellen Thema, ein paar Einspielungen sowie ein wenig Action: Regula Späni versuchte sich als Stabhochspringerin. Sie hätte sich besser in Rhetorik geübt, ihre legendären Versprecher hielten auch in die «Sportlounge» Einzug.
Man wolle den Sport-Montag wieder zu dem machen, was er zu «Time-Out»-Zeiten einmal war. Es soll zu Aha-Momenten beim Zuschauer kommen, hiess es. Das ist geschehen: Interessante Menschen können offenbar über ein interessantes Thema sprechen - und trotzdem bleibts belanglos. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.08.2009, 13:57 Uhr
Kommentar schreiben
49 Kommentare
Doping hatte darin nichts verloren. Das Thema wurde nun genügend in den Tagesmedien gebracht, ein Mehrwert kann mit Vermutungen nicht angestellt werden. Studiogäste waren sehr gut. Späni war OK und: @René Mäder: Salzgeber empfinde ich in jeder Sekunde als absoluten Horror. Einzige gute Moderatoren haben wir im Tennis (Dream Team!!) plus Michael Stäuble und Dani Wyler! Antworten
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.








