Kultur

TV-Kritik: Wetten, dass mit Hunziker nun alle drannebliibe?

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 05.10.2009

Erstaunlich aber wahr: Mit Michelle Hunziker hat Thomas Gottschalk für sein «Wetten, dass...?» die richtige Person für die richtigen Aufgaben gefunden.

1/7 2789831.jpg
Michelle Hunziker zeigte sich an ihrem ersten Auftritt an der Seite von Thomas Gottschalk herzlich – und überraschend schlicht gekleidet.
Bild: Keystone

   

Umfrage

Hat Sie der erste Auftritt von Michelle Hunziker in «Wetten, dass...?» überzeugt?

Ja

 
57.5%

Nein

 
42.5%

Artikel zum Thema

Was konnte man nicht alles lesen im Vorlefd zu dieser ersten «Wetten, dass...? »-Ausgabe mit Michelle Hunziker. Ihre grelle, aufgedrehte Heiterkeit könnte die steifen Deutschen erschrecken, so der Tenor. Kichern, Küsschen und komisch das Gesicht verziehen komme halt nur im seichten Italo-TV an, wo Hunziker ein Superstar ist. In der Schweiz und in Deutschland gab sie bislang mit «Cindarella» oder «Deutschland sucht den Superstar» nicht gerade gute Visitienkarten ab. Von dekorativen Qualitäten abgesehen.

Aber oha! Madame Hunziker hat gelernt. Oder in Gottschalk einen guten Berater gehabt. Kein Quäntchen zu viel, das die Schweizerin gestern live ablieferte. Statt einer auf Brustwarzen-Höhe endenden Abendrobe, möglichst durchsichtig und glitzernd, trat sie in einem einfachen, aber raffinierten weissen Kleidchen auf. Sexy aber nicht billig, gestylt aber nicht aufgetakelt. Während der dreistündigen Show: Kein einziger Kostümwechsel. Fröhlich, aber nicht überdreht, natürlich ohne aufgesetzt zu wirken.

Als ob Hunziker den Zuschauern zeigen wollte: He seht mal her, ich kann auch mehr als nur ein breit grinsender Kleiderständer sein.

Er bleibt der Boss

Die Aufgaben zwischen Hunziker und Gottschalk sind klar verteilt. Er talkt mit den Stars auf dem Sofa, sagt die Acts an und führt durch die Sendung. Sie präsentiert ihm die Wett-Anwärter, die Gottschalk nach neuem System in der Live-Sendung erstmals sieht. Er fühle sich viel freier jetzt, sagt Gottschalk: «Früher war ich immer dabei bei den Proben, die Leute sind mir ans Herz gewachsen und in der Sendung wollte ich dann natürlich unbedingt, dass ihnen die Wette gelingt. Ich war absoluut unparteiisch. Dabei hätte ich ja eben im Zweifelsfalle richten sollen, ob ein grenzwertiges Ergebnis zählt oder nicht.»

Parteiisch sein darf jetzt Hunziker, sie darf sich mit den Kandidaten freuen, sie nach Kräften anfeuern, das letzte aus ihnen rausholen. Mit Schreien, Umarmen, Hüpfen und was ihr sonst noch so einfällt. Und ist damit am genau richtigen Ort. Die ZDF-Veranwortlichen hatten ein gutes Näschen, Hunziker genau diesen Aufgabenbereich bei «Wetten, dass...?» zuzuordnen.

Und auch der, der Hunziker überhaupt zu «Wetten, dass...?» holte, hatte ein gutes Näschen. Die Sendung leidet seit längerer Zeit an Quotenschwund. Ob allerdings Michelle allein die Zuschauer zurückholen kann? Dann bräuchte es vielleicht etwas mehr vom heute nur angedeuteten Sticheln zwischen den beiden Moderatoren. Die zwei verstehen sich blind, sind in Sache Humor auf der gleichen Welle. Wenn Hunziker zusammen mit Gottschalk über einen Spurch aus ihrer alten «Cinderella»-Sendung lachen kann, auch dann noch, wenn Gottschalk einen Running-Gag daraus gemacht hat und bei jeder passenden und unpassenden Stelle Michelle mit ihrem «Drannebliibe» hochnimmt, kommt das lustig, spontan und trotz allem herzlich rüber. Mehr davon!

Hunziker bleibt die Zweite auf dem Platz

Der eine oder andere mag nun monieren: Gottschalk habe mit Hunzikers kleinen Aufgaben dafür gesorgt, dass Hunziker klar die Zweite auf dem Platz ist - nach ihm. Allerdings sei zu Bedenken: Hätte mehr Michelle Hunziker der Sendung gut getan? War es nicht gerade der richtige Mix aus überschäumender Italianità und sarkastischem, deutschem Humor?

Hier möchten zwei zusammen eine gute Sendung machen und keinen den anderen als Konkurrenten, der ihm dereinst vor der Sonne stehen könnte, ausstechen. Das ist wohltuend und erfrischend und selten genug im Haifischbecken Showbusiness. Obwohl: Einen kleinen Triumph musste Gottschalk Hunziker an diesem Abend lassen: Der Wettkönig kam aus der Schweiz.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2009, 12:17 Uhr

Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre