Kultur

Ueli, der TV-Knecht

Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 23.05.2011 8 Kommentare

Bundesrat Ueli Maurer war gestern im Teleclub-Sportstudio zu Gast. Der Moderator war deswegen ziemlich aus dem Häuschen. Ein Spiel in drei Akten.

1/12 Nicht der FCZ, nicht GC – nein, YB lässt das Herz von Bundesrat Ueli Maurer höher schlagen. Er war gestern Gast beim Teleclub.
Bild: Screenshot Teleclub Sport

   

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«Sportminister Ueli Maurer begleitet die heisseste Phase der Fussballsaison und analysiert die heissen Spiele, wo es um Titel und Klassenerhalt geht, im Teleclub-Studio.» Heisse Sache, was der Teleclub da am Freitag auf seiner Website verkündete. Ueli Maurer? Ein Fussballexperte?

Erster Akt: Moderator macht den Hof

Kein Witz. Gestern Sonntagnachmittag stand der Bundesrat tatsächlich im Teleclub-Sportstudio. «Es ist mir und dem Teleclub eine grosse Ehre», sagte der Moderator Adrian Fetscherin und führte sich in den kommenden Minuten auf, als wolle er seinem wichtigen Gast den Hof machen. Theatralisch fuchtelte er mit den Armen, redete so laut, wie ein Schauspieler auf einer grossen Theaterbühne, sprach Maurer ein polysportives Talent zu und stellte seriöse Fragen, etwa, welche Vereine aktuell wichtig seien für die schweizerische Gesellschaft oder ob die Politik Vereinen mit Finanzproblemen unter die Arme greifen sollte. Der Moderator fragte sich den Mund fusselig. Dabei wollten wir doch alle nur eines wissen: Versteht Ueli Maurer tatsächlich etwas von Fussball?

Doch wir mussten uns gedulden und uns etwas gar viele geflügelte Wörter und gesuchte Wortspiele anhören. Adrian Fetscherin sprach von «Meisterfellen, die davonschwimmen» oder vom «grossen Kelch des Punkteabzugs», der an der AC Bellinzona vorbeigeht. Schliesslich kündigte er einen Bericht über Bellinzona-Spieler an, die sich als Schauspieler in einem Shakespeare-Stück versuchten und zwar mit: «ACB or not to be? Das ist die entscheidende Frage». Die Stadion-Reporterin sprach später vom Damoklesschwert, das der FC St. Gallen im Nacken habe und vom «meisterlichen Duft, der den FCB-Fans in der Nase liegt». Kurz bevor es zu den jeweiligen Spielen ging, erfuhren wir noch, dass Ueli Maurer seit 50 Jahren mit dem YB mitleidet und hofft, dass YB in der kommenden Saison näher an der Spitze ist. «Das ist ja eine Kampfansage! Fast schon eine Drohung!», übertrieb es der Moderator erneut. Endlich Anspiel, 45 Minuten Pause für Ueli Maurer.

Zweiter Akt: «Die anderen Bundesräte haben keine Ahnung»

Die erste Halbzeit im Spiel FC St. Gallen gegen den FCB ist vorbei. Schaltung ins Studio. Was er denn seinen Bundesratskollegen über die erste Halbzeit erzählen würde, fragte Moderator Fetscherin, wieder etwas entspannter. Ueli Maurer grinste und meinte: «Da müsste ich wohl auf tiefem Niveau beginnen.» Also erst die Sache mit den beiden Goals und dem Ball und so erklären. Die hätten alle absolut keine Ahnung vom Fussball. Punkt für Maurer, der dann noch zu einer Analyse ansetzte. Der Match zwischen St. Gallen und Basel sei fast wie ein Cupspiel, der Kleine wehre sich zwar, sei jedoch vorne zu schwach.

Danach durfte er leider nichts mehr sagen, der Moderator brauchte die Zeit für seine eigenen Zusammenfassungen. Auch zum 0:1-Pausen-Rückstand seiner Young Boys durfte Fan Maurer nicht Stellung nehmen. Dafür erfuhren wir, dass der Bruder von Xamax' Torschütze Nuzzolo sich um Maurers Computer kümmert. Danach diskutierten die beiden über Korruption, Geldwäscherei und Spielverfälschung im Fussball. «Man muss ans Gute im Sport glauben, aber notfalls knallhart durchgreifen», sagte Maurer. Und schon ging es weiter mit der zweiten Halbzeit, die Kommentatoren übernahmen.

Dritter Akt: Bescheidener, witziger Maurer

«Ganz Fussballeuropa beneidet uns. Wir lassen es in der letzten Runde krachen!», trug Adrian Fetscherin nach dem Match dick auf und war leider wieder fast so laut wie am Anfang. Ueli Maurer lächelte und gab erneut ein Fazit zum Spiel ab: «Die Basler sind zu wenig aggressiv aufgetreten und waren nicht effizient genug. Sie haben wie mit einer Bremse im Kopf gespielt.» Danach war wieder Fetscherin dran mit seinen Zusammenfassungen, die er souverän präsentierte.

Alles in allem machte die Sendung mit den verschiedenen Video-Einspielern einen passablen Eindruck und die Reporter in den Stadien brachten gute Gesprächspartner von Thorsten Fink über Murat Yakin bis zu den wichtigsten Torschützen vor die Kamera. Zudem bekamen wir einen in der Nase bohrenden Frédéric Page von Xamax zu sehen, sowie einen im Ohr bohrenden, enttäuschten Gürkan Sermeter, der meinte, die ACB hätte «den Gagg i de Hose» gehabt.

Und Ueli Maurer? Der zeigte sich von der charmanten, bescheidenen Seite. Als ihm Fetscherin einen Posten bei YB aufschwatzen wollte, winkte Maurer ab. Dafür müsse man wirklich etwas von Fussball verstehen. Höchstens Kassier in einem Dorfverein, das liege nach seiner Amtszeit als Bundesrat vielleicht drin. Am Ende kriegte er von Moderator Fetscherin einen Retroball geschenkt, «als Erinnerung an einen geschichtsträchtigen Nachmittag.»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.05.2011, 10:08 Uhr

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8 Kommentare

Mathias Schmutz

23.05.2011, 11:18 Uhr
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Schade ist Maurer dieses Wochenende nicht in Wien beim Fussballderby gewesen, wo es zu heftigen Ausschreitungen kam. Dann hätte er wohl kaum einen Frontalangriff auf Karin Keller-Sutter im Hooligan-Streit (Sonntagsblick) gestartet. Prädikat als BR und Moderator ungenügend. Antworten


Goran Ilic

23.05.2011, 12:03 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Auf die Fragen, hat ueli Maurer souverän geantwortet. Er ist der volksnahste BR und das hat man gestern wie gemerkt. Ob man seine Meinungen teilt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Antworten




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