Kultur

«Das finde ich absonderlich»

Interview: Andreas Scheiner. Aktualisiert am 29.10.2012 3 Kommentare

Kristen Stewart ist demnächst in der Literaturverfilmung «On the Road» zu sehen. Hier spricht sie über den Film, Sexszenen und «Twilight».

1/16 Schwierige Rolle: Kristen Stewart in «On the Road».
Bild: Keystone

   

Info

Kristen Stewart stammt aus Los Angeles, wo sie 1990 geboren wurde. Zwar stand sie schon vor zehn Jahren mit Jodie Foster in Panic Room vor der Kamera - der Durchbruch gelang ihr aber mit der Rolle der Bella Swan in «Twilight».

«On the Road», der auf dem gleichnamigen Roman von Jack Kerouac basiert, ist ab Donnerstag in Schweizer Kinos zu sehen.

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Frau Stewart, welchen Stellenwert hat Jack Kerouacs Buch «On the Road» in Ihrem Leben? Wieso lachen Sie?
Das Buch inspirierte mich: Ich machte meinen Führerschein und schlief eine Zeit lang auf dem Armaturenbrett. Ich habe einige Roadtrips unternommen.

Erzählen Sie davon!
Ach, da gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Das Auto stank halt am Ende. Aber das Buch brachte mich vor allem auch zum Lesen, es hat mir die Welt der Literatur eröffnet. Und es repräsentiert für mich diesen Moment als junger Mensch, in dem einem klar wird, dass man sich seine Freunde aussuchen kann. Als ich das Buch gelesen hatte, dachte ich: «Ich muss solche Menschen finden. Menschen, die es mir erlauben, mich zu entfalten.»

Das waren junge Menschen, die aufbegehrten...
(unterbricht) Finden Sie wirklich? Ich glaube, da verfallen Sie total der Sicht eines Aussenstehenden. Ich behaupte: Diese Leute dachten überhaupt nicht an irgendeine Form von Protest. In der Beatgeneration ging es doch nur darum, sich selbst zu sein.

«Sex, Drugs 'n' Jazz» lautete das Mantra der Beatniks. Mehr interessierte diese Leute nicht?
Es gab diejenigen, die sich einfach treiben liessen, es gab aber auch andere. Allen Ginsberg wollte dichten, Jack Kerouac wollte schreiben. Ich weiss nicht, ob Jack eine Ahnung davon hatte, welchen Einfluss er auf seine Leser haben würde. Aber fühlt sich ein wahrer Künstler nicht einfach dazu gezwungen, seine Kunst auszuüben? Meine Figur, Marylou, die im wahren Leben LuAnne hiess, hatte nie die Absicht, ihr Leben für die Ewigkeit so zu führen.

Als vagabundierender Freigeist...
Sie fand es komisch, dass die Leute ihre Lebensweise als mutig bezeichneten. Als ob es ein Statement wäre zu versuchen, nicht im Auto zu erfrieren. LuAnne hatte überhaupt keine Rebellion im Sinn. Sie wollte einfach sie selbst sein.

Auf Drogen.
Ähm, ja. (lacht)

Sie war eine sehr freizügige junge Frau. Es gibt auch viel Sex in dem Film. Fühlten Sie sich der Rolle von Anfang an gewachsen?
Oh nein. Aber mir war trotzdem klar, dass ich die Rolle nicht ablehnen konnte. Die Nacktszenen haben mich auch nicht gross beunruhigt.

Was machte diese Rolle denn so schwierig?
Man trifft selten auf Figuren, die so sehr von Leben durchströmt sind. Zudem ist LuAnne so ganz anders als ich. Ich war mir nicht sicher, ob es mir gelingen würde, mich gehen zu lassen. Für diese Rolle musste ich die Kontrolle verlieren. Das machte mir Angst. Sehen Sie, ich glaube nicht so sehr daran, dass man sich als Schauspieler komplett in einen anderen Charakter verwandeln kann. Ich glaube vielmehr, dass beim Spielen eigene, tief versteckte Eigenschaften zum Vorschein kommen. Nun weiss ich, dass ich so sein kann wie LuAnne. Ein gutes Gefühl.

Hat sich LuAnnes Einstellung zu Liebe und Sex durch ihre Erfahrungen auf den Roadtrips verändert?
Ich glaube nicht. LuAnne liebte es einfach zu lieben. Ihr Charakter ist nicht ganz einfach zu umschreiben. Es kommen ungewöhnliche Prägungen in ihr zusammen; sie bekam traditionelle Werte mit auf den Weg, gleichzeitig machte sie in sehr jungen Jahren sexuelle Erfahrungen. Im ursprünglichen Buch, das 1957 veröffentlicht wurde, wirkte sie recht frivol, man konnte den Eindruck gewinnen, sie vögle nur herum. Doch sie nahm sehr viel aus ihren Beziehungen. Sie hatte die beeindruckende Fähigkeit, in jedem Menschen das Schöne zu sehen. Und sie war fähig, ihre Begierden zu beherrschen. Die Jungs hatten mehr Mühe damit.

Am Ende der Geschichte möchte LuAnne Haus und Kinder. Können Sie persönlich mit solch traditionellen Werten etwas anfangen?
Aber ja, definitiv!

Denken Sie, dass diese Hinwendung zu beständigen Werten das Resultat eines Reifeprozesses ist?
Vermutlich ist das für jeden anders. Ich denke, dass LuAnne immer gewusst hatte, was sie wollte. Sie konnte es einfach nie an einem einzigen Ort finden.

«On the Road» ist etwas ganz anderes als «Twilight». Haben Sie keine Angst, dass Ihre Fans damit nichts anfangen können?
Es funktioniert für mich nicht, eine Person zu kreieren, die ich der Welt präsentiere. Dann wäre ich nur noch um meine Aussenwirkung bedacht. Wenn man noch zu jung ist für «On the Road», ist man eben zu jung. Ich habe ja auch schon früher, von sehr jungem Alter an, Filme gemacht, die nichts für Kinder sind.

Nervt es manchmal, dass Sie auf «Twilight» reduziert werden?
«Twilight» hat tatsächlich alles überschattet, was ich früher gemacht habe, aber damit habe ich kein Problem. Ich wollte nur sagen, dass «On the Road» nicht mein erster Erwachsenenfilm ist. Mit dreizehn habe ich einen Film namens «Speak» gemacht, in dem ich ein Vergewaltigungsopfer spielte. Dieser Dreh war eine äusserst intensive Erfahrung, die mich geprägt hat.

Früher wirkten Sie bei der Medienarbeit verunsichert. Haben Sie gelernt, sich mit Ihrer Rolle in der Öffentlichkeit zu arrangieren?
Es war ein langer Weg. (lacht) Mittlerweile sehe ich die Logik dessen, was ich hier mache. Ich verstehe, weshalb ich in diesem Stuhl vor ihnen sitze, und ich verstehe, weshalb wir uns über gewisse Dinge unterhalten. Aber ich musste erkennen, dass es sich nicht lohnt, zu viel von sich selber preiszugeben. Es ist doch sowieso lächerlich, wenn Schauspieler sich so interessant finden, dass sie beginnen, sich selber zu verkaufen. Solche Leute werden zu ihrem eigenen Gebrauchsgegenstand. Das finde ich absonderlich.

Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie realisierten, dass Sie eine öffentliche Person sind?
Ich erinnere mich an den Moment, als ich merkte, dass «Twilight» viel grösser werden würde, als wir alle gedacht hatten. Das war, als 6000 Menschen sich für unsere Präsentation an der Comic-Convention in San Diego interessierten. Wir hielten «Twilight» für ein kleines, komisches Filmchen. Wir dachten nie daran, dass wir alle Bücher verfilmen würden. Das plötzliche Interesse an dem Film – und an mir – war ein Schock. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.10.2012, 12:54 Uhr

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3 Kommentare

Mario Monaro

29.10.2012, 15:24 Uhr
Melden 9 Empfehlung 4

Zu empfehlen auch The Yellow Handkerchief (von Arthur Cohn produziert). Sie spielt ihre Rolle dort neben Schauspielergrössen wie William Hurt und Maria Bello hervorragend, auch weil der Regisseur seinen Protagonisten insgesamt viel Raum lässt und lange Einstellungen macht. Antworten


jenna mirzel

29.10.2012, 16:36 Uhr
Melden 9 Empfehlung 4

"speak" war wirklich ein meisterwerk. sehr schade dass mdme. stewart tatsächlich immer nur auf twilight reduziert wird. kann ja auch nix dafür dass bella eine scheissrolle ist. Antworten



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