Kultur
Der Fluch des Mädchenschwarms
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 30.07.2010
Politisches Engagement
Seit Jahren engagiert sich Leonardo di Caprio auch politisch und kämpft vor allem für den Umweltschutz. Im Dokumentarfilm «The 11th Hour» thematisierte er die Umweltkrisen, die der Erde bevorstehen und machte Seite an Seite mit dem ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten Al Gore auf die globale Erwärmung aufmerksam. Im US-Wahlkampf machte er sich jeweils öffentlich für die demokratischen Kandidaten stark: 2004 für John Kerry und vier Jahre später für Barack Obama.
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Fast jede Frau zwischen 28 und 35 Jahren war irgendwann mal ein bisschen in Leonardo DiCaprio verknallt. Weil er 1996 als furchtloser Romeo die unschuldige Julia mit Shakespeare-Versen bezirzte – und schliesslich für sie starb. Oder weil er ein Jahr später als armer Schlucker Jack die edle Rose gleichzeitig vor einer verhassten Heirat und dem Tod auf der Titanic rettete. Auch für Rose starb er schliesslich, weil er ihr heldenhaft eine im Meer treibende Tür überlassen hatte.
Fast jeder Mann zwischen 25 und 45 hasst Leonardo DiCaprio. Weil er ein Bubigesicht habe. Weil er nur dumme Frauenfilme mache («Titanic», «The Beach», «Der Mann in der eisernen Maske» und überhaupt). Aber eigentlich, weil fast alle Frauen zwischen 28 und 35 irgendwann mal ein bisschen in ihn verschossen waren.
Der Erfolg wurde ihm zum Verhängnis
Bis heute wird Leonardo DiCaprio vom «Titanic»-Fluch verfolgt. Der Film spielte weltweit 1,8 Milliarden Dollar ein und ist damit nach «Avatar» der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten. DiCaprio wurde auf einen Schlag zum Superstar. Genau das wurde für ihn jedoch zum Verhängnis. Das Image des Frauenschwarms, der bloss Hollywood-Blockbuster macht, scheint er nicht mehr loszuwerden.
Das obwohl er sich seit Jahren die komplexesten Rollen aussucht und das nicht erst seit «Romeo und Julia». Schon als 20-Jährirger spielte er auf eindrückliche Weise einen behinderten Jungen («What's Eating Gilbert Grape»), wofür er mit einer Oscarnomination belohnt wurde, ein Jahr später einen Drogensüchtigen («Jim Carroll»). Später schlüpfte er in die Rolle des Hochstaplers Frank Abagnale Jr. in «Catch Me If You Can» und mimte einen paranoiden U.S. Marshall in «Shutter Island». Schliesslich lief er in «The Aviator» zur Höchstleistung auf. Er stellte den schizophrenen Luftfahrtpionier Howard Hughes so vielschichtig dar, dass einem nur das Staunen blieb und Leonardo DiCaprio eine verdiente Oscarnomination. All diesen Rollen haftet etwas Psychologisches an. Simpel sind DiCaprios Figuren nie.
Unter den Fittichen von Martin Scorsese
Dass DiCaprio 2002 mit Star-Regisseur Martin Scorsese zusammenspannte, war ein weiterer Versuch, vom Schwarm-Image wegzukommen, und so prügelte er sich in «Gangs of New York» durch den halben Film. Der dritte gemeinsame Streich, «Departed», brachte Scorsese endlich den langersehnten Oscar, nachdem er sechs Mal nominiert gewesen war und immer leer ausging. Genau wie Leonardo DiCaprio bislang immer leer ausging. Und das völlig unverständlich, besonders 2004, als ihm Jamie Foxx mit seiner Darstellung als Ray Charles den Oscar vor der Nase wegschnappte, obwohl DiCaprio als schizophrener Howard Hughes alle Konkurrenten in den Schatten stellte.
Vielleicht gelingt nun mit «Inception» die Wende, der seit gestern in den Schweizer Kinos läuft. Auf der «Internet Movie Data Base» (imdb), einem Pool mit allen Filmen der Welt, schaffte es «Inception» auf Anhieb auf Rang 3 der ewigen Bestenliste. Und wieder ist DiCaprios Rolle hochkomplex. Er habe Christopher Nolans Drehbuch mehrmals lesen müssen, bis er es verstanden habe, gab der 35-Jährige in Interviews zu. «Inception» ist ein weiterer Höhepunkt in DiCaprios vielschichtiger Karriere. Und trotzdem wird er wohl für viele der Mädchenschwarm mit dem Bubigesicht bleiben. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.07.2010, 11:46 Uhr



