Kultur

Das Grauen nach dem Polterabend

Von Florian Keller. Aktualisiert am 23.07.2009

In «The Hangover» schickt Todd Phillips einen Bräutigam und seine drei Freunde ins Sündenbabel Las Vegas. Eine freche Komödie für all jene, die Angst vor «Brüno» haben.

Verkatert in Las Vegas: Die drei Saufbrüder in Hangover. (zvg)

Verkatert in Las Vegas: Die drei Saufbrüder in Hangover. (zvg)

Sein fröhlich geschmackloser Erstling «Road Trip» führte ihn einst bis nach Locarno auf die Piazza Grande. Seither ist der US-Regisseur Todd Phillips mit seinen Komödien auf die Eskapaden triebgesteuerter Jungmänner abonniert, und der Humor in seinen Filmen riecht immer mehr oder weniger streng nach verlängerter Pubertät. Das ist auch in der höheren Altersklasse nicht anders, wo die Männer kurz vor dem Traualtar stehen: In seinem neuen Streich «The Hangover» schickt Phillips einen braven Bräutigam und dessen Kameraden zum Polterabend nach Las Vegas.

Mit dabei: Ein langweiliger Zahnarzt, der daheim unter der Fuchtel seiner dominanten Verlobten steht, ein attraktiver Lehrer und Freizeit-Gigolo sowie der verhaltensauffällige Schwager des Bräutigams. Nach einem Toast mit Jägermeister stürzt sich das Quartett ins Sündenbabel, der Film jedoch hält sich nicht weiter mit den Ausschweifungen auf und geht gleich zum Kater am Tag danach über. Da wachen die Jungs mit einem totalen Filmriss auf, und ihre Suite hat sich in einen Saustall verwandelt: Ein einsames Huhn stelzt seelenruhig durchs Chaos, im Bad faucht ein ausgewachsener Tiger, und im Schrank wartet ein Baby auf ehrliche Finder. Noch schlimmer: Der Bräutigam ist verschwunden. Dafür hat der verklemmte Zahnarzt in seiner Umnachtung offenbar eine alleinerziehende Stripperin geheiratet. Was ist passiert?

Auftritt von Mike Tyson

Die Rekonstruktion des Vorabends verläuft dann wie eine Schnitzeljagd im Stolperschritt. Unterwegs steht das verbliebene Trio unversehens dem Ex-Boxer Mike Tyson gegenüber, und ein gackernder chinesischer Mafioso erhebt Anspruch auf den Ehrentitel als schrägster Filmgangster der letzten paar Jahre. Ansonsten ist «The Hangover» die freche Komödie für Heteros, die Angst vor «Brüno» haben: Der vulgäre Humor ist korrekt dosiert, die Situationen sind schön skurril, aber der Irrsinn kennt seine Grenzen. Wie der Film die Exzesse des Polterabends erst gänzlich ausblendet und ganz zuletzt nur in Schnappschüssen zurückruft, ist dramaturgisch von schöner Diskretion.

Abgesehen von einer Gastrolle für Heather Graham hat Regisseur Phillips seine Katerkomödie ganz ohne Stars gedreht – und damit weltweit schon weit über 300 Millionen Dollar eingespielt. Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit, und zumindest Zach Galifianakis als Spinner mit Vollbart wäre ein Wiedersehen wert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.07.2009, 13:43 Uhr


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