Kultur
«Dieser Oscar macht die Delfinjäger nervös»
Interview Rico Bandle. Aktualisiert am 08.03.2010 8 Kommentare
Hans Peter Roth ist Journalist und Autor des Buchs «Die Bucht. Flippers grausames Erbe» (Delius Klasing Verlag).
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Dorf der Delfinjäger entrüstet über Oscar-Entscheid
Die Einwohner Taijis zeigten sich am Montag empört über den Film, der ihrer Ansicht nach die Wahrheit verdreht. Allerdings sagten nur wenige, dass sie die Dokumentation vollständig gesehen hätten. Das Büro des Bürgermeisters erklärte in einer Mitteilung, die Delfinjagd in Taiji sei gesetzlich erlaubt. Ausserdem enthalte der Film Aussagen, die nicht wissenschaftlich gedeckt seien. «Es ist wichtig, regionale Essenstraditionen zu verstehen und zu respektieren», hiess es in der Erklärung.
Regisseur Louie Psihoyos sagte nach der Preisverleihung, sein Film sei nicht dazu gedacht, die Japaner niederzumachen. In Wahrheit handle es sich um eine Liebeserklärung an das Land. «Wir hoffen, dass die Leute den Film anschauen und danach entscheiden, ob Tiere zum Essen oder zur Unterhaltung benutzt werden sollten», sagte er der Nachrichtenagentur AP.
Die japanischen Behörden räumen ein, dass das Fleisch der Tiere Quecksilber enthält. Gefährlich sei dies aber nur, wenn man grosse Mengen davon esse. Die meisten Japaner wissen aber nichts über die alljährliche Delfinjagd, das Fleisch wird in dem Land kaum verzehrt. In der japanischen Version des Films sollen die Gesichter Dutzender Einwohner Taijis unkenntlich gemacht werden, um Klagen gegen die Verletzung von Persönlichkeitsrechten zu vermeiden. (ddp)
Sie waren bei den Dreharbeiten von «The Cove» dabei, fühlen Sie sich auch ein bisschen als Oscar-Gewinner?
Nein. Aber ich fühle mich schon als Teil dieser ganzen Sache, die grosse Dimensionen angenommen hat. Ich freue mich riesig. Aber die Gewinner sind ganz klar Ric O'Barry als Hauptprotagonist, Regisseur Louie Psihoyos und weitere Macher des Films.
Noch vor einigen Tagen sagten Sie, Sie wollten sich bei einem Gewinn live aus der Todesbucht in die Oscarzeremonie einschalten.
Das Interesse dafür war in Los Angeles leider nicht vorhanden. Ich stehe nun etwa 300 Meter von der Todesbucht entfernt. Die lokalen Behörden und die Delfinjäger sind sehr nervös, sie befürchten, stärker unter Druck zu geraten. Die Oscarverleihung ist für die Japaner ein wichtiges Ereignis.
Werden in der Bucht überhaupt noch Delfine abgeschlachtet? Man konnte lesen, dass aufgrund des Filmes die Tötungen gestoppt worden seien.
Das stimmt so nicht. Aber sie probieren neue Sachen aus. Vor zehn Tagen beobachteten wir eine klassische Treibjagd von Delfinen, doch anstatt dass die Tiere in die Bucht getrieben wurden, wurden sie auf offenem Meer in einem ringförmigen Netz gefangen. Da dies etwas von der Küste entfernt geschah, war es für uns schwierig zu beobachten und man sah auch kein Blut mehr. Auch habe ich im Herbst beobachtet, wie etwa 100 Delfine gefangen genommen wurden, dann hat man die 25 schönsten für Delfinshows ausgewählt – die restlichen hat man anstatt sie wie früher zu töten, wieder freigelassen. Das hatte ich zuvor noch nie gesehen.
Wird der Oscargewinn weitere Auswirkungen haben?
Davon bin ich überzeugt. Die Japaner wussten bisher nicht, was in der Bucht von Taiji vorgeht. Die Medien schwiegen eisern über die Delfinschlächterei und das mit Quecksilber verseuchte Delfinfleisch. Das ist für mich der eigentliche Skandal. Nun kann man das nicht mehr ignorieren. Endlich erhält das Thema die nötige Öffentlichkeit, damit sich die Japaner selbst eine Meinung bilden können, ob sie diese Praktik gut finden oder nicht.
Sie wurden vor zwei Jahren ziemlich spontan in den Film miteinbezogen. Wie ging das genau?
Ich kam im Oktober 2008 als unabhängiger Journalist in die Bucht und wollte mit einer kleinen Kamera filmen, was hier vorgeht. Ich wurde dann von Delfinfängern körperlich angegriffen, vor den Kameras eines ARD-Teams. Ric O'Barry sah die Bilder sagte mir: «You're in the movie». Die Bilder flossen in den Film ein und sind als kurzes, aber zentrales Element auch in fast jedem Trailer zu sehen. Mit dem Hauptprotagonisten, dem berühmten ehemaligen «Flipper»-Trainer und heutigen Delfinschützer Ric O'Barry schrieb ich dann ein Buch mit Hintergründen zum Film, das soeben auf Deutsch herausgekommen ist. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.03.2010, 15:49 Uhr
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8 Kommentare
Die unmittelbarste Gefahr für Wale und Delfine sind die kilometerlangen Treib-, Schlepp- und Stellnetze der Fischer. Wenn sich die Tiere darin verfangen, ersticken sie qualvoll, weil sie unter Wasser keine Luft bekommen und zum Atmen nicht an die Wasseroberfläche können. Antworten
@ Bruno Haeni, einverstanden. Sonst koennten ja auch wieder Roms Arenen geoeffnet werden. Gesetzbrecher fuer das "Spiel " der Loewen. Nicht einverstanden @ Reto Glaser. Das Tierschutzgesetz strikt anwenden und nicht noch mehr Buerokratie. Das fuer die nun nicht eingesetzten Tieranwaelte eingesparte Geld fuer noch mehr direkten Schutz des Tieres einsetzen. Die Verantwortlichen gibts. Antworten
@Bruno Haeni: In Europa - auch in der Schweiz - wird viel mehr Fleisch verzehrt, als gesund ist. Drehen Sie doch mal was Abendfüllendes über das Töten von Tieren in einem Schweizer Schlachthof! Danach dürfen sie sich dann über die Corrida in ES und FR empören. Immerhin haben die Kampfstiere dort bis zum Tage ihres grausamen Endes das wahrscheinlich schönste Leben aller Rinder auf diesem Kontinent. Antworten
Auch in der Schweiz wäre vieles zu vebessern. Ich kann nicht verstehen, dass man sich gegen Tieranwälte ausgesprochen hat mit dem dümmlichen Argument, die Tierquälereien wären ja schon verübt worden und könnten mit einem Tieranwalt nicht mehr verhindert werden. Mit demselben Argument könnte man auch gleich das Strafgesetzbuch und die Strafverfolgung abschaffen. Antworten
Als Nächstes sollte ein ähnlicher Film über die wöchentlichen spanischen Tierquälerorgien (Stierkämpfe) gedreht werden. Bei diesem ekelhaftem Schauspiel geht es um die Befriedigung niedrigster menschlicher Triebe, die keinesfalls als "Tradition" entschuldgit werden können. Schade für das Ansehen des sonst sympatischen spanischen Volkes. Antworten





Georg Stamm
Was die Japaner in dieser Bucht trieben und ev. immer noch treiben löst in einem anständigen Menschen, für den Ethik kein Fremdwort ist, Entsetzen und Wut aus. Ein Hoffnung spendender Oscar ! Antworten