Donald Trump: «Ich verstehe mehr von Kino als jeder Kritiker»

Ein gut gemachter Fake-Twitter-Account präsentiert den Präsidentschaftskandidaten als Filmfan.

Der Junge aus «Home Alone 2» trifft Donald Trump – oder in der Version des Präsidentschaftskandidaten: «Verwahrloster Sohn liberaler Eltern trifft auf grossen Amerikaner.»

Der Junge aus «Home Alone 2» trifft Donald Trump – oder in der Version des Präsidentschaftskandidaten: «Verwahrloster Sohn liberaler Eltern trifft auf grossen Amerikaner.»

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Donald Trump ist überall. Auch im Kino. Aber er schaut sich nicht etwa Superheldenfilme oder Kriegsstreifen an. Nein, er interessiert sich für Klassiker von Jean-Luc Godard und Ingmar Bergman. Auch die sozialkritischen Filme der belgischen Dardenne-Brüder und von Ken Loach sind ihm nicht fremd. So will es auf jeden Fall der Twitter-Account mit dem sprechenden Namen @ArtHouse Trump.

Wer hinter dem gefälschten Konto steckt, ist nicht bekannt. Aber es ist jemand, der etwas von Kino versteht. Und die martialische Sprache des republikanischen Kandidaten perfekt imitieren kann. Auch hier kennt Trump nämlich nichts anderes als Gut und Böse. Und sieht sich selber als den grössten aller Experten:

Glaubt mir, ich verstehe mehr von Kino als jeder Filmkritiker!

Die ersten Tweets zum Kino erschienen bereits im März dieses Jahres. Trump startete gleich mit harten Brocken, zum Beispiel mit Ingmar Bergmans Klassiker «Das siebente Siegel» (1957), in dem ein Ritter Schach mit dem Tod spielt, um seine letzte Stunde noch etwas hinauszuzögern. Etwas völlig Unamerikanisches, wenn man dem «besten aller Filmkritiker» glauben darf:

«Siebentes Siegel»: Dieser Ritter zweifelt ständig an sich selber. Erbärmlich! Amerika liebt Geschichten über SIEGER! Bergman ist eine Schande! Völlig überbewertet!

Im gleichen Stil setzt sich Trump zum Beispiel mit der damals revolutionären, abgehackten Schnittmontage von Jean-Luc Godard in «A bout de souffle» (1960) auseinander: «Der Schnitt ist eine Katastrophe! Springt ohne Grund rum! Godard ist ein Chaot, und alle wissen es. SCHLECHT!» Auch der japanische Klassiker «Rashomon» (1950) von Akira Kurosawa findet keine Gnade: «‹Rashomon›: Der verrückte Kurosawa erzählt dieselbe langweilige Geschichte immer wieder, aber verändert sie stets! Dumm!» Und auch von Woody Allen hält er offenbar nicht viel:

Der talentfreie Woody versteht von der Wichtigkeit des Aussehens etwa so viel wie die korrupte Hillary! Schlecht.

Findet denn kein Film Gnade vor Trumps Augen? Doch. Angetan hat es ihm ausgerechnet ein kommunistischer Revolutionsfilm, nämlich «Panzerkreuzer Potemkin» (1925) von Sergei Eisenstein mit dem berühmten und immer wieder zitierten Militäraufmarsch auf der Treppe von Odessa:

Ein guter Freund empfahl mir «Panzerkreuzer Potemkin!» Sehr inspirierend! SIEG!

Klar hat der echte Donald Trump wohl noch nie einen Eisenstein-Film gesehen, aber eine gewisse Erfahrung kann man ihm nicht absprechen: Seit 1989 erscheint er regelmässig in Filmen und TV-Serien, 18 Auftritte sollen es bis jetzt sein. Dazu gehören etwa die Wallstreet-Komödie «The Associate» (1996), eine Szene mit Hugh Grant in «Two Weeks Notice» (2002) und diverse Cameos in der Serie «Sex and the City».



Ins Titelbild des Twitter-Accounts – Motto: Mach das Kino wieder gross – hat es aber ein anderer Auftritt gebracht. In «Home Alone 2: Lost in New York» verirrt sich der junge Macaulay Culkin im New Yorker Plaza-Hotel und fragt, wo es denn zur Eingangshalle gehe. Antwort gibt Donald Trump, der damalige Besitzer der Nobelabsteige.

Kritiker Trump fasst auch Filme zusammen

Über diesen Auftritt haben sich auch schon andere lustig gemacht. Unter #TrumpExplainsMoviePlots wurde der Kinderfilm in Trump-Manier so zusammengefasst: «In ‹Home Alone 2› geht es um einen Jungen, der von seinen liberalen Eltern vernachlässigt wird und einen amerikanischen Helden trifft.» Auch Klassiker wie «E. T.» werden dort auf diese Art eingetrumpt:

Er war ein illegaler Ausserirdischer, und wir haben ihn nach Hause geschickt! Ende der Geschichte!

Momentan ist aber der Arthouse-Filmkritiker Trump am höchsten im Kurs. Er ärgert sich zum Beispiel über die Loser von Netflix, die immer die falschen ausländischen Serien kauften. Oder posaunt raus, ein Mann mit Selbstvertrauen müsse niemals eine Filmschule besuchen. Das alles so laut, dass der Fake-Account Nachahmer gefunden hat. Auch Konkurrentin Hillary Clinton und die aus dem Rennen gefallenen Kandidaten Bernie Sanders und Ted Cruz kritisieren jetzt hochstehende Filme. Aber dazu hat Trump einen eindeutigen filmischen Kommentar aus dem Gruselfilmbereich:

Etwa so originell wie ein «Saw»-Remake.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.09.2016, 14:37 Uhr

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