Kultur

Düstere Schönheit

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 27.04.2011

Naomi Watts wäre die perfekte Besetzung für romantische Komödien – zum Glück sehen das die Regisseure anders.

1/18 Sie wird Prinzessin Diana verkörpern: Naomi Watts.

   

Film

«Mother and Child» mit Naomi Watts, Samuel L. Jackson, Annette Bening, Regie: Rodrigo García. Ab Donnerstag im Kino.

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Blonde Haare, blaue Augen, intelligenter Humor – Naomi Watts belegt in Umfragen von Männermagazinen regelmässig Spitzenplätze. Mit diesen Eigenschaften könnte die 42-Jährige, die gerne als moderne Marilyn Monroe bezeichnet wird, auch eine Menge Geld mit romantischen Komödien machen. Zum Glück sehen das die Regisseure anders und buchen sie immer wieder für Thriller, Horrorfilme oder Dramen. Zu Recht, Watts bringt einen verletzlichen Glanz mit, den man bei den meisten Hollywood-Schauspielerinnen vergebens sucht.

So gesehen ist Watts' neuste Rolle im Film «Mother and Child», der diese Woche in der Schweiz startet, eine Ausnahme. Die Ex-Freundin von Heath Ledger spielt darin eine arbeitswütige Anwältin, deren angeborene Kühlheit sich in gefühllosem Sex und Verachtung gegenüber Institutionen wie Familien und Freundschaften äussert. Trotzdem ist auch hier der Watts-Touch nicht zu übersehen – diese nervöse Gekränktheit, die sie auch in Filmen wie «Fair Game» oder «Eastern Promises» an den Tag legte. Es ist leicht nachvollziehbar, wieso der österreichische Regisseur Michael Haneke für das US-Remake seines sadistischen Psychothrillers «Funny Games» bloss eine Bedingung stellte: Naomi Watts als Hauptdarstellerin.

Durchbruch dank Lynch

Naomi Ellen Watts ist die Tochter einer walisischen Bühnenbildnerin und eines englischen Tourneeleiters, der für Pink Floyd arbeitete. Mit 14 Jahren wanderte sie zusammen mit Mutter und Schwester nach Australien aus. Zwar an Schauspielerei interessiert, beschloss sie, ihr Glück als Model zu versuchen. Der Erfolg blieb allerdings aus. Auch in Hollywood, wohin es sie nachher zog, verlief ihre Karriere harzig. «Heute kriege ich Angebote, ohne vorsprechen zu müssen», so Watts in einem Interview: «Damals haben sie mir nicht mal den Castingtext gefaxt.»

Dass aus Watts doch noch was wurde, verdankt sie angeblich zwei Personen. Ihrer Jugendfreundin Nicole Kidman, die ihr zwar kein Geld schob (warum eigentlich nicht?), dafür aber einen guten Rat mitgab: Hab Geduld, alles, was du brauchst, ist der eine grosse Film. Was nach leeren Worten klingt, stellte sich tatsächlich als wahr heraus. Ein gewisser David Lynch fischte Watts' Foto aus einem Stapel von Porträts unbekannter Schauspielerinnen und bot ihr in seinem Film «Mulholland Drive» eine Hauptrolle an. Watts begeisterte die Kritiker mit der Darstellung einer jungen Frau, die nach der grossen Hollywoodkarriere greift und sich in einer surrealen Albtraumwelt verliert. (Die Liebesszene mit der brünetten Partnerin dürfte ihrem Bekanntheitsgrad auch nicht abträglich gewesen sein).

Oscar-Nomination

Ja, Watts, die Meryl Streep, Jodie Foster und Julianne Moore als Vorbilder benennt, hat Talent für düstere und extreme Charakterrollen. So gab sie in «21 Grams» eine Frau, die Mann und Töchter verliert, und heimste für die Darbietung eine Oscar-Nominierung ein. Inzwischen hat sie aber bewiesen, dass sie auch andere Rollen parat hat. Wenn es sein muss, sogar die Blondine. Zum Beispiel in Peter Jacksons «King Kong» (2005), wo sie derart sympathisch-naiv rüberkommt, dass sich sogar ein Riesengorilla glaubhaft in sie verlieben kann. Und demnächst ist sie im Biopic «Blonde» zu sehen – als Marilyn Monroe. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.04.2011, 10:52 Uhr


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