Kultur
Ein Meilenstein der Traumfabrik
Der Film
«Avatar - Aufbruch nach Pandora», Regie: James Cameron. Mit Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver. 150 Minuten.
Ab Donnerstag im Kino.
Präsentation in Berlin
(Video: Reuters)Gebannt blicken die Wissenschaftler einer ausserirdischen Kolonie auf das schlanke Wesen, das der Retorte entsteigt. Dieser blauhäutige Avatar, eine gentechnische Kreuzung aus Mensch und Ureinwohner des Planeten Pandora, wird mental von einem an den Rollstuhl gefesselten Ex-Soldaten (Sam Worthington) gesteuert.
Doch mit schnellen Schritten entflieht das Hybridwesen in die Wildnis. Bei diesem flotten Spurt wirbelt es kleine Steinchen auf, die dem Zuschauer wie Hagelkörner ins Gesicht zu fliegen scheinen.
15 Jahre gewartet
Die Idee zu diesem ambitionierten Filmprojekt, für das ein Universum aus ausserirdischen Ureinwohnern, Tieren, Pflanzen und einer eigenen Sprache erschaffen wurde, hat der 3D-Pionier bereits vor 15 Jahren entwickelt. «Unsere Vorstellungen gingen weit über das hinaus, was damals technisch möglich war», erklärte Cameron kürzlich. «Wir wollten Figuren kreieren, die absolut lebensecht wirken.»
Aus diesem Grunde musste der Oscar-gekrönte Regisseur sein Vorhaben für knapp zehn Jahre auf Eis legen. Erst 2005 sah er durch ein neues Motion-Capture-System die Chance, seine Vision zu verwirklichen. Dieses Verfahren erlaubt es, mit einer kleinen Kamera, die an einem Spezialhelm befestigt ist, jede Mimik, Muskel- und sogar Augenbewegung der Schauspieler aufzunehmen. Mindestens 250 Millionen Dollar soll der Film gekostet haben, einzelne Quellen sprechen gar von 500 Millionen Dollar, was ein neuer Rekord in der Filmgeschichte bedeuten würde.
«Dies ist kein Animationsfilm, bei dem die Schauspieler den Figuren nur ihre Stimme geliehen haben», versicherte Cameron. «Jede einzelne Nuance und jedes Achselzucken, das wir auf der Leinwand sehen, haben die Schauspieler kreiert.»
Vom Feind zum Freund
Zur Mission des Militärexperten in der Avatar-Hülle gehört es, die Ureinwohner von Pandora auszuspionieren, weil sie den Menschen bei der Gewinnung wertvoller Rohstoffe im Wege sind. Doch als ihm die junge Häuptlingstochter (Zoë Saldana) das Leben rettet, beginnt er die Lebensweise des Naturvolkes zu respektieren. Er wird vom Stamm aufgenommen und kämpft mit ihm gegen seine eigene Armee.
Zu den grössten Herausforderungen bei der Produktion gehörte es, die Action-Szenen mit den realen Schauspielern in 3D aufzunehmen. Dafür entwickelte Cameron zusammen mit dem Unterwasserkamera- Spezialisten Vincent Pace ein digitales 3D-Kamerasystem, das erstmals 2003 bei seinem 3D-IMAX-Films «Die Geister der Titanic» zum Einsatz kam.
Genre-Mix
Mit seinem fulminanten Fantasy-Epos «Avatar» ist Cameron visuell und technisch ein Meisterwerk gelungen, das als Meilenstein in die Filmgeschichte eingehen dürfte. Dank der ausgeklügelten Technik wirken selbst die computergenerierten Charaktere derart menschlich, dass sie problemlos als Darsteller akzeptiert werden - allen voran Sigourney Weaver als Dr. Grace Augustine.
Emotional erreicht «Avatar» aufgrund der actionlastigen Story zwar nicht den Tiefgang von «Titanic», besticht dafür aber durch einen ungewöhnlichen Genre-Mix aus Sciencefiction, Fantasy und Indianer-Film mit der durchaus ernst zunehmenden Botschaft, dass der Ausbeutung der Natur Grenzen gesetzt werden müssen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.12.2009, 15:22 Uhr
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