Filmkritik: Prometheus

Gründungsstunde der Menschheit

Ridley Scott legt mit «Prometheus» 33 Jahre nach «Alien» den Anfang seines Science-Fiction-Klassikers nach. Erich von Däniken hätte seine Freude am Film.

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Aus Ton formte Prometheus die Menschen und hauchte seinen Geschöpfen Leben ein. Als er ihnen obendrein Feuer schenkte, liess Zeus ihn an einen Felsen ketten, wo ihm ein Adler immer wieder von seiner Leber frass. In Ridley Scotts Film «Prometheus» trägt ein Raumschiff, das die Menschheit auf der Suche nach Antworten ins Weltall bringt, den Namen des geschundenen Titanen. Die Botschaft ist eindeutig: Wollt bloss nicht zu viel, sonst ergehts euch schlecht.

Und schlecht soll es der Besatzung der Prometheus ergehen! Doch der Reihe nach – was in diesem komplexen Film voller Rätsel gar nicht einfach ist. Zu Beginn sehen wir ein ausserirdisches Wesen mit humanoidem Aussehen bei einem Wasserfall. Es schluckt eine Substanz, zerfällt und stürzt die Fluten hinunter, wo es sich mit den Wassermengen vermischt. War das eben die Gründungsstunde der Menschheit? Ist der Glatzkopf ein ausserirdischer Prometheus?

Geschöpfe/Schöpfer

Ridley Scott geht mit «Prometheus» einen anderen Weg als mit «Alien». Damals in den 70ern schilderte er die zufällige Entdeckung des Fremden in Form eines sabbernden Ungeheuers. Der Film war eine existenzialistische Horrororgie, ein klaustrophobischer Albtraum. Nun legt er in der Vorgeschichte zu seinem Science-Fiction-Klassiker den Fokus auf das Warum bzw. auf die «Engineers», jene Ausserirdischen also, die vor Millionen Jahren am Wasserfall standen. Ein ähnliches Szenario hat sich Erich von Däniken natürlich schon in den 60ern ausgedacht: Ausserirdische, die vor langer Zeit die Erde besuchten und die Entwicklung der Menschheit beeinflussten.

Wegen ihrer hohen technischen Überlegenheit, so argumentiert von Däniken, seien diese ausserirdische Astronauten von den Urmenschen für Götter gehalten worden. Dieser Theorie hängt in «Prometheus» auch Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) nach. Zwar trägt die Wissenschaftlerin ein Kreuz um den Hals, aber eigentlich weiss sie: Die Menschen sind nicht Gott-gemacht. Ihre Kollegen monieren noch, dass sie Darwin mit Füssen trete, doch schon bald schweigen sie. Denn die Wandmalereien, die Shaw im Jahr 2093 in einer steinzeitlichen Höhle entdeckt, zeigen nicht nur Ausserirdische, sondern die exakten Koordinaten zum Mond LV-223 – und dorthin ist es dank eines zweijährigen Tiefschlafs an Bord der Prometheus ein Katzensprung. Mit von der Partie sind Shaw und andere Wissenschaftler sowie der beklemmende David (Michael Fassbender), ein arisch aussehender Android, der undurchsichtige Pläne verfolgt. Seine Funktion für den Film ist indes klar: Als Roboter widerspiegelt er eine weitere Facette des Hauptthemas Geschöpfe/Schöpfer.

Notfallchirurgie für Fortgeschrittene

Was halten die unheimlichen Höhlen von LV-223 verborgen? Ausserirdische? Die Antwort auf die Gottesfrage? Kommt das Alien ins Spiel? Clever konstruieren Scott und sein Drehbuchautor Damien Lindeloff («Lost») ihren Film um diese Fragen. Wobei Scott sehr wohl bewusst ist, dass er Bezug auf «Alien» machen und sich gleichzeitig davon entfernen muss (damit er nicht den gleichen Fehler macht, wie die unzähligen Alien-Sequels, die es sich einfach machten und auf das Schockpotenzial des Monsters setzten).

Scott enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. «Prometheus» ist mal brechreizend, mal nachdenklich und voll von Filmzitaten. Es gibt Anleihen bei Dantes «Göttlicher Komödie», Mary Shelleys «Frankenstein» und Kubricks «2001: Odysee in Weltraum». Das mag einigen grossspurig vorkommen, doch ihnen sei als Trost ein glitschiges Unding versichert, das wie vor 40 Jahren aus einem Bauch heraus birst (auf eine Weise, die Notfallchirurgie für Fortgeschrittene beinhaltet). Bis auf diese Szene und dem Showdown ist der Horror in «Prometheus» jedoch weniger direkt. «Im All hört dich niemand schreien», hiess der Slogan zu «Alien». Hier müsste er eher «Star Trek»-mässig lauten: «Das All ist zwar gefährlich, aber auch schaurig interessant.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2012, 10:22 Uhr

Film

«Prometheus» mit Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Regie: Ridley Scott. Ab Donnerstag 9. August im Kino.

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