Kultur

Wie ich in einem Bond-Film landete

Von Jack Stark. Aktualisiert am 05.10.2012 3 Kommentare

Heute vor 50 Jahren war die Premiere des ersten James-Bond-Films. Der ehemalige People-Journalist Jack Stark war bei den Dreharbeiten mehrer 007-Abenteuer dabei und mittendrin.

1/4 People-Journalist Jack Stark 1966 auf dem Set mit Sean Connery alias James Bond: Connery war schlecht gelaunt, denn er befand sich im Streit mit seinen Produzenten Saltzman und Broccoli.
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Jack Stark

Jack Stark ist der erste Promi-Journalist der Schweiz. Der 76-Jährige ist Doktor der Jurisprudenz. Nach kurzer Tätigkeit an Zürcher Bezirksgerichten wechselte er zum «Blick» und schrieb dort die Kolumne «Mit Chasseur dabei». Von 1969 bis Ende 1977 war er Chefredaktor der Fernsehzeitschrift «Tele». Danach war er für die Öffentlichkeitsarbeit von Udo Jürgens verantwortlich. Stark lebt in Zumikon, ist verheiratet und Vater von drei Töchtern.

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Im November 1966 besuchte ich in London die Dreharbeiten zum James-Bond-Film «You Only Live Twice». Damals schrieb ich: «Der teuerste Bond, den es je gab, wird zurzeit in London gedreht. Für den neusten James-Bond-Film wurde in den Londoner Pinewood-Studios der gigantischste Filmbau aller Zeiten aufgestellt. In fünfmonatiger Bauzeit hat der Filmarchitekt Ken Adam aus Eisen, Beton, Draht, Pavatex und Pappe ein Ding gebaut, das fünf Millionen Schweizer Franken gekostet hat und das im Film das Hauptquartier der Bond-feindlichen Agentenorganisation Spectre darstellt.»

Nachdem mir Adam, der als gebürtiger Berliner perfekt Deutsch sprach, sein gigantisches Bauwerk – 135 Meter lang, 120 Meter breit und 40 Meter hoch, mit einer 23 Meter grossen Schiebetür an der Decke und einem Helikopter-Landeplatz im Innern – gezeigt und erklärt hatte, begegnete ich dann dem Objekt meiner journalistischen Begierde: Sean Connery alias James Bond. Allerdings war er nicht besonders gut gelaunt, stand er doch gerade auf Kriegsfuss mit seinen Produzenten Saltzman und Broccoli, weil er die James-Bond-Rolle gründlich satthatte. Doch als ich mich ihm mit den Worten «My name is Stark, Jack Stark» vorstellte, konnte sich der Schotte ein Schmunzeln nicht verkneifen. Trotzdem reagierte er sauer, als ich ihn auf James Bond ansprach. So plauderte ich mit ihm über Fussball. Connery ist Fan von Celtic Glasgow. «Vor allem ein Spiel verpasse ich nie», erzählte er, «das Derby gegen die Glasgow Rangers. Vor 14 Tagen haben meine Celtics 1:0 gewonnen, und das habe ich ganz gehörig gefeiert.» Wie ich nachträglich erfuhr, hatte er den Sieg allerdings eher ungehörig gefeiert – indem er eine Pulle Whisky austrank und die leere Flasche aufs Spielfeld warf.

Bildhübsche Bond-Girls

Als echter Schotte entpuppte sich Connery auch bei seinen Verhandlungen mit den erwähnten Produzenten. Für den nächsten Bond-Film «On Her Majesty’s Secret Service» verlangte er eine Gage von 12 Millionen Franken und 25 Prozent der Einnahmen. Das hatte zur Folge, dass dann nicht Connery, sondern der Australier George Lazenby die Rolle des Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät spielte. Die Dreharbeiten zu diesem sechsten 007-Abenteuer fanden vorwiegend in der Schweiz statt. Gedreht wurde vor allem in der Stadt und der Region um Bern, so zum Beispiel auf dem Schilthorn ob Mürren im Berner Oberland, das für den Film zum Piz Gloria umfunktioniert wurde – das Hauptquartier des Bösewichts. Da ich die Dreharbeiten als Berichterstatter mehrmals besuchte, freundete ich mich allmählich mit dem Filmteam an, insbesondere mit den zwölf bildhübschen Bond-Girls, die zusammen mit dem von Glatzkopf Telly Savalas gemimten Bösewicht diesen Piz Gloria bevölkerten.

Die Hauptrolle aber spielte, wie erwähnt, George Lazenby, ein bis dato unbekannter australischer Dressman. Und er spielte sie mehr schlecht als recht. Ausser Lazenby gibt es aber noch einen zweiten Grund, warum man sich den Film als abschreckendes Beispiel talentfreier Schauspielkunst unbedingt anschauen sollte. Ich spiele darin nämlich eine tragende Rolle in folgender Schlüsselszene: James Bond betritt das Hotel Schweizerhof in Bern, verlangt beim Portier den Zimmerschlüssel und weist einen hinter ihm stehenden jungen Mann an, ihm den Koffer aufs Zimmer zu tragen – und dieser junge Mann bin ich!

Dem britischen Regisseur Peter Hunt ist damit das einmalige Kunststück gelungen, die beiden unbegabtesten Schauspieler der Filmgeschichte in einer Szene zu vereinen. Und noch etwas haben Lazenby und ich gemeinsam: Beide haben danach nie wieder in einem James-Bond-Film mitgespielt. Nach dem einmaligen Zwischenspiel mit dem Australier hiess der nächste «richtige» James-Bond-Darsteller Roger Moore, der zur Schweizer Premiere von «Leben und sterben lassen» (Original: «Live And Let Die») am 23. Oktober 1973 nach Zürich kam.

Der Promoter John Gugelmann, der in jenen Jahren mit seinen verrückten Ideen bei Filmpremieren stets für Aufsehen sorgte, liess Moore per Helikopter einfliegen und direkt vor dem Hotel Hilton in Kloten landen. Das war eine Sensation, da Helikopter zu jener Zeit noch so etwas wie fliegende Weltwunder waren und als lebensgefährlich galten; dementsprechend gross war der Ansturm von Fotografen und Journalisten bei der Landung und der anschliessenden Pressekonferenz mit dem neuen 007.In diesem Zusammenhang muss ich anmerken, dass mich Pressekonferenzen Zeit meines Journalistenlebens nie interessiert haben. Mit vorfabrizierten Statements, wie sie insbesondere Politiker von sich geben, oder mit Fragen und Antworten, die in aller Öffentlichkeit erfolgen, konnte ich nie etwas anfangen; ich war immer ein hartnäckiger Verfechter des privaten Gesprächs und von persönlichen Interviews. Dementsprechend wollte ich natürlich auch mit Roger Moore ein Exklusivinterview und fragte Gugelmann, ob sich das machen liesse. Als der seinerseits bei Moore nachfragte, schlug dieser vor, dass ich am nächsten Tag mit ihm per Helikopter an seinen damaligen Wohnort Gstaad fliegen und ihn während des Flugs befragen könne. «Um Himmels willen!», entfuhr es mir, denn in Anbetracht meiner schon bei Linienflügen notorischen Flugangst hätten mich keine zehn Pferde in einen Heli gebracht. Vor die James-Bond-Frage gestellt – leben oder (vor Angst) sterben –, entschied ich mich für Ersteres . . . und verzichtete auf das exklusive Interview.

Dalton und Maggie Thatcher

Ein solches führte ich dafür mit dem nächsten James Bond, Timothy Dalton, am 13. Juli 1987 im Garten des Zürcher Grandhotels Dolder. Damals schrieb ich: «Der englische Theaterstar sieht privat aus wie ein ganz normaler ‹british gentleman› – und er ist auch ein solcher. Kein Hauch von Superstar, wie er seinen Vorgänger Roger Moore stets umwehte; statt der sündteuren Zigarre Davidoff Nr. 1 eine gewöhnliche Zigarette im Mundwinkel, ein schlichtes blaues Hemd, dazu eine leicht zerknitterte helle Hose – Timothy Dalton ist der natürlichste James Bond, den es je gab.» Und noch etwas hielt ich fest: «Im Gegensatz zum Ur-Bond Sean Connery, der ein raubeiniges Naturtalent war und aus einfachsten Verhältnissen stammt, durchlief Dalton die besten englischen Schulen und studierte sein Fach an der Königlichen Akademie für Schauspielkunst in London. Er spricht auch privat ein gepflegtes Oxford-Englisch, ist blitzgescheit und setzt seine Worte bedacht und gewählt – der gebildetste James Bond, den es je gab.» Zudem war Dalton wohl auch der politischste Bond. Das zeigte sich, als er mir, befragt nach seiner Meinung über die damalige britische Regierungschefin Maggie «Iron Lady» Thatcher, folgende sarkastische Antwort gab: «Ich hatte bis jetzt noch nicht das Missvergnügen, mit ihr zu sprechen!» Dasselbe gilt auch für mich in Bezug auf die nachfolgenden Bond-Darsteller, die man nach heutigen journalistischen Gepflogenheiten leider nur noch an Pressekonferenzen oder im Rudel begutachten kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2012, 07:26 Uhr

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3 Kommentare

Mario Monaro

05.10.2012, 10:50 Uhr
Melden 4 Empfehlung 2

Kann mich an Jack Stark und seine Interviews gut erinnern. Hat er nicht auch mal Gilbert O'Sullivan interviewed, der dann beleidigt davon gelaufen ist, weil er die Fragen nicht vertragen hat (waren überhaupt nicht schlimm, O'Sullivan ist ein Mimöschen). Tja und was den Lazenby-Bond angeht sind wir völlig einer Meinung... Antworten


Fabio Rossi

05.10.2012, 12:12 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Sean Connery Fan von Celtic Glasgow? Das wäre mir neu. Soviel ich weiss war er das nur in seiner Jugend bevor er dann das Lager wechselte und seitdem ein grosser Anhänger der Rivalen Glasgow Rangers ist. Eigentlich ein völliges No-Go, aber dem besten Bond aller Zeiten darf man das wohl verzeihen. Antworten



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