James Cameron und die Erfindung der virtuellen Kamera
James Cameron ist ein geborener Bastler. Schon die ausserirdischen Kampfroboter im Kurzfilm «Xenogenesis», den er Ende der 70er-Jahre für 20'000 Dollar in einer Garage drehte, hatte er eigenhändig aus Kunststoff zusammengeleimt. Dreissig Jahre später bastelt Cameron auf höherem technischem Niveau. Nach Abschluss der Arbeit an «Avatar» konnte seine Crew nicht nur einen Film vorweisen, sondern auch diverse Patente im Bereich der Kameratechnik und 3-D-Darstellungssoftware.
Zusammen mit Sony und dem Kameraspezialisten Vincent Pace entwickelte Cameron eine neue 3-D-Kamera. Die Schauspieler mussten beim Drehen ein seltsames Helmgerüst tragen, an dem eine Infrarot-Kamera befestigt war, die jedes Zucken aufnahm. Diese Mimik-Daten wurden dann dazu verwendet, die Gesichter der Aliens zu animieren. Die wichtigste Innovation aber war die «virtuelle Kamera», ein Gerät, das aussieht wie eine Mischung aus Radarpistole und Videospiel-Controller. Wenn Cameron durch die virtuelle Kamera seine Schauspieler im Visier hatte, sah er nicht mehr Sam Worthington in einem seltsamen, engen Anzug und Helmgerüst, sondern schon ein drei Meter grosses Alien, das in einem fantastischen Dschungel oder auf einem schwebenden Berg steht.
Drehen im virtuellen Raum
Früher wurden visuelle Effekte und computergenerierte Bilder in der Postproduktions-Phase eines Films erzeugt. «Der Regisseur musste seine Vision den Spezialisten erläutern, die dann die Bilder animierten», sagt Rob Legato, der die virtuelle Kamera für Cameron entwickelt hat. «Bei diesem Transfer ging viel verloren.» Die Welt von Pandora aber war als 3-D-Raum auf den Monitoren am Set präsent. Mit der virtuellen Kamera, die seine Position und seinen Blick in der Topografie der Pixel verortete, konnte Cameron auf dem fremden Planeten umhergehen und den Raum mit seinen eigenen Augen aufnehmen. «Avatar» ist der erste Film des Computerzeitalters, bei dem der Regisseur jede Einstellung und Kamerabewegung in Echtzeit bestimmen konnte. Später wurden die «gefilmten» Bilder von den Special-Effects-Zauberern geglättet.
«Es ist fast wie auf einem traditionellen Filmset», sagt Legato. Die virtuelle Kamera sei so flexibel, dass der Regisseur jede Bewegung spontan ändern oder auch mal einen Fehler machen könne, der womöglich fantastisch aussehe. Die neue Technologie ermöglicht das Filmemachen der alten Schule.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.12.2009, 20:57 Uhr
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