Kultur

Oscars: «The Hurt Locker» schlägt «Avatar»

Aktualisiert am 08.03.2010 17 Kommentare

Der grosse Gewinner der Oscars heisst «The Hurt Locker». Das Kriegsdrama von Kathryn Bigelow gewinnt sechs Auszeichnungen, darunter jene für den besten Film.

1/24 Historischer Triumph: Kathryn Bigelow (links) nimmt von Barbara Streisand als erste Frau einen Oscar für die beste Regie entgegen.
Bild: Reuters

   

Die kleine Independent-Produktion «The Hurt Locker» stach mit dem Triumph in den beiden Königskategorien «bester Film» und «beste Regie» den Hollywood-Blockbuster «Avatar» von James Cameron aus. Insgesamt gewann «The Hurt Locker» sechs Oscars, «Avatar» kam auf drei Trophäen - beide waren neunmal nominiert.

Das Rennen zwischen «The Hurt Locker» und «Avatar» war das zwischen David und Goliath: «Avatar» kostete 500 Millionen Dollar und spielte 2,5 Milliarden Dollar ein - er ist der erfolgreichste Film der Geschichte. «The Hurt Locker» kostete hingegen gerade einmal 15 Millionen Dollar und war an den Kinokassen kein grosser Erfolg.

Doch bei den Kritikern landete er einen Volltreffer - und schrieb Geschichte. Erst dreimal zuvor war eine Frau für die beste Regie nominiert: Sofia Coppola mit «Lost in Translation» (2003), Jane Campion mit «Das Piano» (1993) und Lina Wertmüller mit «Sieben Schönheiten» (1975). Die 58-jährige Bigelow gewann als erste Frau und stach damit ihren Ex-Mann Cameron aus. Der hatte 1998 mit «Titanic» elf Oscars gewonnen, diesmal blieb es bei drei Statuen für Kameraführung, Ausstattung und Spezialeffekte.

Bridges und Bullock als beste Hauptdarsteller

In die Oscar-Liste der besten Hauptdarsteller schrieben sich erstmals Jeff Bridges und Sandra Bullock ein. Der 60-jährige Bridges erhielt die goldene Statue für seine Rolle als abgehalfterter Country-Sänger in dem Film «Crazy Heart». Bridges, der bereits zum fünften Mal nominiert hat, war überwältigt und bedankte sich überschwänglich.

Bullock würdigte einzeln ihre Konkurrentinnen - darunter Helen Mirren und Meryl Streep - und bedankte sich unter vielen Tränen der Rührung. Die 45-Jährige bekam den Oscar für die Darstellung einer Mutter aus der Oberschicht, die einen obdachlosen, schwarzen Jungen in ihrer Familie aufnimmt und ihn zum Football-Profi macht.

«Kann mich niemals genug bedanken

Als erster Preisträger des Abends hatte der Österreicher Christoph Waltz für seine Rolle in «Inglorious Basterds» von Quentin Tarantino den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten. «Dies ist ein Über-Bingo», sagte der sichtlich gerührte Waltz mit tränenerstickter Stimme. «Ich werde mich niemals genug bedanken können. Aber ich kann damit jetzt beginnen.» Der 53-Jährige galt als Favorit: Für seine Darstellung des charmant-zynischen SS-Offiziers hatte er zuvor bereits eine Goldene Palme von Cannes und einen Golden Globe bekommen.

Beste Nebendarstellerin wurde US-Schauspielerin Mo'Nique für ihre Rolle als gewalttätige Mutter im Sozialdrama «Precious - Das Leben ist kostbar». Zuvor war «Precious»-Autor Geoffrey Fletcher bereits für das beste adaptierte Drehbuch geehrt worden; der Film basiert auf dem Roman «Push» von Sapphire.

«Up» ganz oben

Bei der 82. Oscar-Verleihung gab es ausserdem zwei Trophäen für den Zeichentrickstreifen «Up» (Oben): Er wurde von den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zum besten Animationsfilm gewählt und für die beste Originalmusik ausgezeichnet.

Den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film holte der Thriller «El Secreto de Sus Ojos» (Das Geheimnis Deiner Augen) aus Argentinien. Die Oscar-Hoffnungen für den in schwarz-weiss gedrehten Film «Das weisse Band» von Michael Haneke, eine Gemeinschaftsproduktion von Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien, erfüllten sich nicht.

Verregneter Start

Regnerisches Wetter mit Blitz und Donner hatte die Ankunft der Gäste zur Oscar-Verleihung im Kodak Theatre von Hollywood begleitet. Der rote Teppich wurde schon am Sonntagnachmittag sicherheitshalber mit Plastikfolie abgedeckt.

Ein Unwetter hatte in Nacht zuvor die Berge in der Nähe von Los Angeles mit Schnee bedeckt. Immer wieder zogen Regenschauer durch die Stadt. Ein Plastikzelt sorgte dafür, dass die eintreffenden Stars in Hollywood nicht nass wurde. (phz/rb/sda/ddp)

Erstellt: 08.03.2010, 11:01 Uhr

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17 Kommentare

Eric Zeller

08.03.2010, 09:57 Uhr
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Ein bissiger und gerade darum so treffender Kommentar. Besten Dank! Antworten


Andre Wymann

08.03.2010, 10:04 Uhr
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Auch wenn Avatar als der grosse Verlierer "gefeiert" wird, James Cameron hat wieder einmal Pionierarbeit geleistet (u.a Abyss, Terminator 2) und das Genre auf eine neue Ebene gehievt. Antworten




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