Kultur

Schweizer Filmpreis vor dem Aus?

Die Schweizer Filmakademie fühlt sich vom Bundesamt für Kultur (BAK) verschaukelt: Sie soll künftig die Verleihung des Schweizer Filmpreises selber organisieren.

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Grosse Medienaufmerksamkeit, wenig Interesse bei den Zuschauern: Jean-Frederic Jauslin, Direktor Bundesamt für Kultur (BAK, links), Bundesrat Pascal Couchepin (Mitte) und Nicolas Bideau, Chef Sektion Film beim BAK, vor der Gala des Schweizer Filmpreises.
Bild: Keystone

   

Am Freitag findet in Bern eine Mitgliederversammlung statt, an der ein Grundsatzentscheid über die künftige Ausrichtung der Akademie gefällt werden soll. Sogar ein frühes Ende steht gemäss Einladung zur Debatte: «Filmakademie Ja oder Nein?», heisst es da.

Die vom Filmemacher Fredi M. Murer («Vitus») präsidierte Institution sieht ihr «Kerngeschäft» darin, die besten Beiträge des Schweizer Filmschaffens zu nominieren und die Sieger zu küren. Dies hat sie im Rahmen der diesjährigen Preisvergabe auch getan.

Mittlerweile erwartet das BAK offenbar mehr: Wir sind «bereit, die Filmakademie in ihrem Willen zu unterstützen, den Schweizer Filmpreis für die Jahre 2010-2011 selber zu organisieren», heisst es in einem auf der Webseite der Akademie veröffentlichten Brief, den BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin Anfang April verfasst hat.

Murer dementiert direkt: «Die Filmakademie beabsichtigte zu keiner Zeit, den Schweizer Filmpreis zu organisieren», schreibt der Präsident den Akademie-Mitgliedern. Der BAK-Vorschlag entspreche den Zielen der Institution nicht.

Interessenten wären vorhanden

Der Vorstand möchte, dass die Mitglieder das Angebot zurückweisen. Die Organisation des Filmpreises soll nach dem Willen des Vorstandes von den Solothurner Filmtagen und dem Branchenverband Cinésuisse übernommen werden. Die Solothurner Filmtage seien dazu «grundsätzlich bereit», heisst es.

Ebenfalls Interesse signalisiert hat offenbar die Promotionsgesellschaft SWISS FILMS. Jauslin selbst habe SWISS FILMS aufgefordert, einen eigenen Vorschlag einzureichen - «zur grossen Überraschung» des Akademievorstandes, wie Murer schreibt.

Vom Bundesamt für Kultur sind vorderhand keine Auskünfte zu erhalten. Medienanfragen zum Thema würden erst beantwortet, wenn die Akademie abschliessend auf den Vorschlag des BAK reagiert habe, erklärte BAK-Filmchef Nicolas Bideau gegenüber der SDA.

Beträchtliche Nominationsgelder

Den Schweizer Filmpreis gibt es seit 1998. In früheren Jahren waren die «Schweizer Oscars» jeweils im Januar während der Solothurner Filmtage verliehen worden. 2009 erfolgte dort nur noch die Bekanntgabe der Nominationen.

Für die Filmbranche hat dieser «Nacht der Nominationen» genannte Anlass mindestens so grosse Bedeutung wie die Preisgala selbst, da bereits die Nominationen mit Preisgeldern honoriert werden. 410'000 Franken schüttete das BAK 2009 an Nominierungsprämien aus.

Jauslin lockt damit, an diesem Betrag für die nächsten Jahre festzuhalten, wenn die Akademie das gesamte Filmpreis-Prozedere künftig organisiert. Die Gesamtverantwortung für die Ausgabe 2009 oblag noch dem BAK, das die Organisation und Mediation mittels einer Leistungsvereinbarung an SWISS FILMS delegierte.

Verliehen wurden die diesjährigen Schweizer Filmpreise im März an einer Gala-Veranstaltung in Luzern, die von SRG SSR idée suisse ausgerichtet wurde. Über die Preisträger entschied eine Jury. Grosser Sieger im Rennen um die Quartze, wie die Preise heissen, war der Westschweizer Film «Home». (rb/sda/)

Erstellt: 26.05.2009, 14:05 Uhr

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