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Pädophilie fürs Kino
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Trailer «Der böse Onkel»
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«Der böse Onkel» läuft am Donnerstag, 12. Juli, in den Deutschschweizer Kinos an.
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Ein nackter Lehrer mit Gitarre in der Mädchendusche, hüllenlose Männer in Schachteln, Brandopfer, denen die Haut in Fetzen runterhängt: Als Zuschauer muss man sich bei «Der böse Onkel» auf einiges gefasst machen. Doch es ist nicht diese Drastik, die dem Film angekreidet wird. Er verherrliche Pädophilie und mache Opfer zu Tätern, heisst es. Zudem erzähle er die wahre Geschichte des Kinderschänders Köbi F. und verletze damit Persönlichkeitsrechte.
Fall Köbi F. als Vorlage?
Obwohl der Nidwaldner Regisseur Urs Odermatt es abgestritten hat, ist die Nähe zum Fall Köbi F., der in den Neunzigerjahren die Aargauer Gemeinde Möriken aufgewühlt hat, unbestreitbar: hier wie dort ein pädophiler Turnlehrer, eine «erst» seit zwölf Jahren ortsansässige Anklägerin und eine Gemeinde, die ihren Dorfhelden schützt und statt seiner die «Fremde» angreift. Dennoch könnte niemand dem Film vorwerfen, er bilde Realität ab: Odermatt bedient sich geradezu meisterhaft des Verfremdungseffekts. Songs, Kommentare, künstlich wirkendes Schauspiel, surreale Situationen und Abfilmung der eigenen Dreharbeiten, das alles sorgt dafür, dass der Zuschauer auf Distanz bleibt und trotzdem Zeit hat zum Nachdenken.
In den eigenen Augen ein Held
Dass der pädophile Turnlehrer Armin (gespielt von Jörg-Heinrich Benthien) sympathisch wirken würde, lässt sich auch nicht behaupten. Vielmehr leidet der einstige Landesmeister im Turmspringen unter einer fatalen Wahrnehmungsstörung. Er, der den Schülerinnen so gerne sein baumelndes Gemächt zeigt, glaubt wohl selber, was die Dörfler von ihm sagen: Er sei ein «Prachtkerl», «der einzige Held, den das Dorf je hervorgebracht hat». Bei so viel Selbstverliebtheit verwundert es nicht, dass Armin die normale Teenie-Schwärmerei seiner Schutzbefohlenen gnadenlos ausbeutet.
Seine Gegenspielerin Trix Brunner (Mirjam Japp), deren Tochter Saskia ihr von Armins Übergriffen erzählt hat, ist auch nicht gerade eine Lichtgestalt: Verbittert und schrill wie sie Armins Bestrafung fordert, kann sie kaum Unterstützung erwarten. Am Schluss sinkt sie moralisch noch tiefer als der Angeklagte, nicht nur, indem sie seine Methode der «Strip-Strafe» an der Schulpflege-Chefin anwendet. Der Weg des bösen Onkels in den Knast ist schliesslich mit Leichen gepflastert. Fast alle Akteure werden bestraft; auch die unschuldigen Mädchen, die es eigentlich zu schützen galt.
Radikal und originell inszeniert
Die Machart von «Der böse Onkel» ist so atemberaubend ungewöhnlich, dass man kaum glauben kann, dass der Regisseur ein Schweizer ist. Unfassbar auch, dass sich so ein Werk – 50 Drehtage, 67 Schauspieler, 183 Crewmitglieder – mit nur 68'000 Franken realisieren liess. Dem Film ist Erfolg zu wünschen. Vielleicht werden ihn nicht Zehntausende sehen; aber viele, die es wagen, werden es ein zweites Mal tun, nur um alle seine Finessen mitzubekommen.
(dj/sda/Irene Widmer)
Erstellt: 10.07.2012, 09:56 Uhr


















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