Kultur

«Sennentuntschi»: Konkurs immer wahrscheinlicher

Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 11.05.2009

Das Filmmaterial von «Sennentuntschi» liegt bei der Schwarzfilm in Ostermundigen. Das Kopierwerk will es zurückhalten, bis ein Rettungsplan vorliegt. Chef Philipp Tschäppät stellt letzter Zeit eine dramatische Zunahme von Finanzproblemen bei Filmen fest.

1/12 Der Ärger um seinem Film ist vorbei: «Sennentuntschi»: Regisseur Michael Steiner und Constantin-Chef Bernhard Burgener an der Pressekonferenz von heute.
Bild: Keystone

   

Der Schuldenberg von Michael Steiners Filmproduktionsfirma Kontraproduktion ist hoch, der Konkurs scheint immer wahrscheinlicher. Zu den wichtigsten Gläubigern zählt die Schwarzfilm in Ostermundigen. «Die Kontraproduktion schuldet uns über 100'000 Franken», sagt Schwarzfilm-Chef Philipp Tschäppät. Das Filmkopierwerk hat die Dreharbeiten von «Sennentuntschi» begleitet und das Filmmaterial verarbeitet. Für die Fertigstellung des Films (Budget: 5,5 Millionen Franken) sollen derzeit 2,8 Millionen Franken fehlen.

Im Gegensatz zu anderen Gläubigern wie Filmtechnikern oder Dienstleistern hat die Schwarzfilm einen Trumpf in der Hand: das Negativ, das bei ihr gelagert ist und ohne das der Film nicht fertiggestellt werden kann. «Wir haben ein sogenanntes Retensionsrecht», erklärt Tschäppät. «Solange unsere Kosten nicht gedeckt sind, haben wir die Möglichkeit, das Negativ zurückzuhalten.»

Tschäppät wird deshalb in die Rettungspläne einbezogen, über die derzeit immer noch keine Entscheidung gefallen ist. Für ihn ist klar, dass alle Beteiligten, von den Schuldnern über die Produzenten bis zu den öffentlichen Förderstellen, ein vitales Interesse daran haben müssen, dass der Film fertiggestellt wird. «Gelingt das nicht, führt dies zu einem finanziellen Fiasko und zu einem dramatischen Imageschaden für die Schweizer Filmbranche.»

Film oder Firma

Damit der Film gerettet werden kann, sei die Schwarzfilm bereit, auf einen Teil ihrer aufgelaufenen Forderungen zu verzichten. «Aber nur, wenn die Kosten der Postproduktion, die bei diesem ambitionierten Film beträchtlich sein dürften, gedeckt sind.» Die tauglichste Lösung für Tschäppät wäre eine Auffanggesellschaft, wie sie der österreichische Koproduzent von «Sennentuntschi», John Lueftner, und der Schweizer Koproduzent Hans Syz vorgeschlagen haben.

Dass die Verhandlungen immer noch zu keinem Resultat geführt haben, hat mit der rechtlich und finanziell komplexen Situation zu tun. Es geht nämlich nicht nur um «Sennentuntschi», sondern auch um Steiners Firma Kontraproduktion. Laut Michael Steiner ist in den nächsten Tagen noch nicht mit einer Lösung zu rechnen. Er hofft immer noch, dass er sowohl den Film wie seine Firma retten kann. Für viele Beobachter aber ist klar, dass «Sennentuntschi» von der Kontraproduktion, die ihren Kredit verspielt hat, losgelöst und von einer anderen Produktionsfirma fertiggestellt werden muss.

«Noch nie erlebt»

«Sennentuntschi» sei nicht die einzige Schweizer Produktion in Nöten, sagt Tschäppät. So hatte zum Beispiel auch der Eishockey-Film «Champions» von Riccardo Signorell mit Problemen zu kämpfen. Diese sollen laut Thomas Loehrer von der produzierenden Lichtspiele GmbH gelöst worden sein. Man habe zusammen mit Ringier neues Geld einschiessen müssen, um die aufwendigere Postproduktion zu finanzieren, sagt er.

Laut Tschäppät haben die finanziellen Probleme bei Filmproduktionen, aber auch die rechtlichen Auseinandersetzungen in jüngster Zeit dramatisch zugenommen: «Eine derartige Häufung habe ich in meinen 35 Berufsjahren noch nie erlebt.» Eine Konsequenz sei, dass Schwarzfilm neu Material nur noch gegen Geld liefere. «Wir wurden zu einer Art Zwischenbank, weil die Fördergelder oft nicht dann fliessen, wenn Produktionen die grössten Ausgaben haben.» Die Schwierigkeiten vieler Produktionen hätten auch damit zu tun, dass es in der Schweiz – im Gegensatz etwa zu Deutschland – keine Zwischenfinanzierung gebe. «Da müsste man ansetzen. Das wäre übrigens für Banken gar kein schlechtes Geschäft.»

Tschäppät fürchtet wegen der sich häufenden Probleme um die Glaubwürdigkeit der Filmbranche. Dies wiederum könnte gravierende politische Konsequenzen haben: «Die Branche kann schlecht für eine Erhöhung des Filmkredits plädieren, wenn der Eindruck entsteht, es werde nicht sorgfältig und professionell gearbeitet.»

> (Der Bund)

Erstellt: 11.05.2009, 15:55 Uhr


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