Kultur

Silberner Bär für Roman Polanski

Aktualisiert am 21.02.2010

Der Regisseur, der unter Hausarrest in Gstaad steht, ist von der Berlinale mit dem Regie-Preis ausgezeichnet worden. Bitter-bös war eine Botschaft, die Roman Polanski verlesen liess.

1/8 Die Produzenten Rob Benmussa und Alain Sarde nahmen den Silbernen Bären für Roman Polanski entgegen. Polanski wurde für seinen Politthriller «Ghostwriter» ausgezeichnet.
Reuters

60. Berlinale

   
Gute Nachricht aus Berlin: Roman Polanski.

Gute Nachricht aus Berlin: Roman Polanski. (Bild: Keystone)

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Berlinale-Preisträger

Goldener Bär für den besten Film:
«Bal» (Türkei/Deutschland) von Semih Kaplanoglu.
Silberner Bär/Grosser Preis der Jury:
«If I Want To Whistle, I Whistle» (Rumänien/Schweden) von Florin Serban.
Silberner Bär für die beste Regie:
Roman Polanski für «Ghost Writer» (Frankreich/Deutschland/Grossbritannien)
Silberner Bär für die beste Schauspielerin:
Shinobu Terajima in «Caterpillar» (Japan) von Von Koji Wakamatsu.
Silberner Bär für den besten Schauspieler zu gleichen Teilen an:
Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis in «How I Ended This Summer» (Russische Föderation) von Alexei Popogrebsky.
Silberner Bär für das beste Drehbuch:
Wang Qu'an und Na Jin für «Apart Together» (Volksrepublik China) von Wang Quan'an.
Silberner Bär für herausragende künstlerische Leistung (Kamera):
Pavel Kostomarov für «How I Ended This Summer» (Russische Föderation) von Alexei Popogrebsky.
Alfred-Bauer-Preis für innovativen Film:
«If I Want To Whistle, I Whistle» (Rumänien/Schweden) von Florin Serban.
Bester Erstlingsfilm (mit 50'000 Euro dotiert):
«Sebbe» (Schweden) von Babak Najafi (Sektion Generation 14plus)

Der Goldene Bär für den besten Film der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin ist am Samstagabend an das türkische Drama «Bal» (»Honig») von Semih Kaplanoglu gegangen. Das gab Jury-Präsident Werner Herzog auf der feierlichen Gala im Berlinale-Palast vor 1.600 Gästen bekannt. Der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Star-Regisseur Roman Polanski erhielt als bester Regisseur einen Silbernen Bären für seinen Politthriller «Ghostwriter». Deutsche Darsteller gingen in diesem Jahr leer aus.

Mit «Bal», einer deutsch-türkischen Co-Produktion, setzte sich ein von den Kritikern zuvor favorisierter Film durch. Kaplanoglu erzählt die tragische Geschichte einer Familie im ländlichen Anatolien. Als ein mysteriöses Bienensterben einsetzt und die Lebensgrundlage der Familie gefährdet, sucht der Vater im fernen Gebirge einen neuen Standort. Sein sechsjähriger Sohn und seine Frau lässt er alleine zurück.

Dritter Teil von Trilogie

In ruhigen, poetischen Bildern voller Symbolgehalt erzählt Kaplanoglu in 103 Minuten zum einen von der Abhängigkeit zwischen Natur, Mensch und Familie. Zum anderen erzählt er sensibel die Geschichte eines Jungen, der trotz seines Stotterns in der Schule kein Aussenseiter ist, sondern gefördert wird.

«Bal» ist der letzte Teil einer Trilogie. Der erste Teil hiess «Ei». Der zweite Teil «Milch» lief 2008 im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig. Musik brauche er in seinem Film nicht, sagte Kaplanoglu. «Der Klang der Natur ist etwas, was Gefühle transportieren kann, ohne dass man Musik bräuchte.»

Polanski soll Bär kommende Woche bekommen

Polanski schildert in seinem Film nach dem Roman von Robert Harris die Geschichte eines Ghostwriters, der die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers verfassen soll. Anstelle von Polanski nahmen seine Produzenten die Auszeichnung entgegen. Sie wollten den Preis kommende Woche in sein Chalet bringen.

Polanski habe in einer ersten Reaktion gesagt, er wäre ohnehin nicht zur Preisverleihung nach Berlin gekommen, denn als er das letzte Mal zu einem Festival gegangen sei, um einen Preis in Empfang zu nehmen, sei er im Gefängnis gelandet, erzählte Produzent Alain Sarde.

Unbekannte ausgezeichnet

Die übrigen Preise gingen an bislang eher unbekannte Künstler. Gleich zwei Silberne Bären erhielt der russische Psychothriller «How I Ended This Summer» von Alexei Popogrebsky. Die beiden Hauptdarsteller Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis teilten sich den Preis für den besten Darsteller. Sie spielen zwei Männer, die auf einer Polarforschungsstation im arktischen Meer arbeiten. Auch Kamermann Pavel Kostomarov konnte sich über die Trophäe für eine herausragende künstlerische Leistung freuen.

Zur besten Hauptdarstellerin wurde Shinobu Terajima gekürt, die in «Caterpillar» (Japan) eine Frau spielt, die ihren im japanisch-chinesischen Pazifik-Krieg schwer verwundeten Mann aufopferungsvoll pflegt.

Den grossen Preis der Jury erhielt die rumänisch-schwedische Produktion «If I Want To Whistle, I Whistle» von Florin Serban. Er bekam zudem den Alfred-Bauer-Preis für den innovativsten Film. Ein jugendlicher Straftäter kidnappt kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis eine Sozialarbeiterin. Das beste Drehbuch schrieben nach Ansicht der Jury Wang Qu'an und Na Jin für den Liebesfilm «Apart Together» (Volksrepublik China).

Für deutsche Filme nichts zu holen

Die drei deutschen Produktionen gingen leer aus. Vor allem Oskar Roehlers «Jud Süss - Film ohne Gewissen» war bereits nach seiner Weltpremiere heftig kritisiert worden. Chancen waren jedoch der deutsch-österreichischen Produktion «Der Räuber» von Benjamin Heisenberg sowie «Shahada» von Burhan Qurbani eingeräumt worden.

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick verkündete auf der Gala einen Besucherrekord für die Festspiele. Bereits vor dem Ende am (morgigen) Sonntag hätten mehr als 300'000 Besucher die knapp 400 Filme in den verschiedenen Sektionen angeguckt. «Das ist das grösste Geburtstagsgeschenk, das der Berlinale gemacht wurde, danke Publikum», sagte er. (vin/sda/ddp)

Erstellt: 21.02.2010, 11:58 Uhr


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