China kauft Hollywood

Der Grosskonzern Dalian Wanda erwirbt die Golden Globes – für eine Milliarde Dollar. China häuft damit immer mehr Macht im Film- und Showgeschäft an.

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Seinen ersten Eindruck von Hollywood fasste Wang Jianlin so zusammen: «Die Einnahmen sind nicht sehr hoch. Aber der Einfluss ist sehr gross.»

Mit seinem Konzern Dalian Wanda hat der Geschäftsmann für rund eine Milliarde Dollar die Golden Globes aufgekauft – respektive deren Veranstalter Dick Clark Productions. Dieser führt neben der Film-Award-Show im Januar, die als Oscar-Gradmesser gilt, auch den Miss-America-Schönheitswettbewerb und die Billboard Music Awards durch. Für die Wanda-Gruppe ist es nicht die erste Shoppingtour im Unterhaltungsgeschäft: Mit AMC kontrolliert der Konzern bereits die grösste US-Kinokette. Unlängst hat er das Studio Legendary Entertainment gekauft.

Mit den Golden Globes stösst der chinesische Player nun ins TV-Business vor. Die glamouröse Show ist aber auch ein fixer Termin für Filmstars, und auf Hollywood und seine Studios hat Konzernchef Wang schon länger ein Auge geworfen. Nach eigenen Aussagen will Wang in alle sechs Majorstudios investieren. Anfang Jahr hätte er beinahe 49 Prozent von Paramount Pictures übernommen. Dann aber brach der Deal zusammen.

Wang gilt als reichster Mann Asiens, sein Vermögen wird auf rund 30 Milliarden Dollar geschätzt. Die Wanda-Gruppe, ein Immobiliengigant, der in China Hunderte von Kaufhäusern und Hotels besitzt, führt er seit 1989. Mit 16 Jahren trat er in die Volksbefreiungsarmee unter Mao ein, wo er extreme Strapazen erlitt. Gemäss einem Porträt im «Hollywood Reporter» arbeitet er heute so viel, dass seine Untergebenen nicht sagen können, sie hätten ihn je Ferien nehmen sehen.

Keine ausländischen Filme während Schulferien

Derzeit baut er in China das weltweit grösste Filmstudio. Die Volksrepublik wird immer wichtiger im globalen Unterhaltungsmarkt. Die landeseigene Filmproduktion brummt seit längerem. In den letzten fünfzehn Jahren wurden Tausende Kinosäle für die kaufkräftige Mittelklasse hochgezogen. Je nach Rechnung sollen die Ticketeinnahmen 2017 oder 2018 jene der USA und Kanada erreicht oder schon übertroffen haben.

Für Hollywood entsteht in China ein lukrativer Absatzmarkt: Seit einigen Jahren biedert man sich mit chinesischen Schauplätzen oder Stars bei den Zuschauern im Osten an. Allerdings bleibt die Zensur unnachgiebig und erlaubt die protektionistische Wirtschaft lediglich 34 ausländische Filme pro Jahr, die ausserdem nicht während der Schulferien im Sommer laufen dürfen. Selbst Titel wie «Star Wars: The Force Awakens» haben keinen garantierten Slot.

Deutlich weniger strenge Auflagen gelten bei Koproduktionen. Auch deshalb spannen US-Studios vermehrt mit chinesischen Produktionsfirmen zusammen: Im nächsten Jahr etwa kommt «The Great Wall» von Zhang Yimou ins Kino, eine teure Fantasy-Produktion mit Matt Damon in englischer Sprache. So globalisiert sich nicht nur die chinesische Filmkultur, auch die Zuschauer in China kommen auf den amerikanischen Filmgeschmack.

In einer multipolaren Welt kann sich Hollywood nicht mehr länger auf so westliche wie weisse Erzählformeln verlassen. Chinesische Firmen bieten da nicht nur nötiges Geld, sondern auch die Möglichkeit, ein neues globales System zu begründen. Und während China ökonomisch expandiert, kauft es sich für den Heimmarkt Wissen und Filmtechniker ein.

Mit dem Geld kommt allerdings auch der kulturelle Einfluss: Konservative Kongressabgeordnete in den USA haben inzwischen die Regierung aufgefordert, die Übernahmen im Entertainment-Bereich durch chinesische Firmen eingehender zu untersuchen. Die Erinnerung an den Kalten Krieg und den Kampf gegen kommunistisches «Gedankengut» mag dabei eine Rolle spielen.

China macht insofern bereits Soft-Power-Einfluss geltend, als Hollywoodstudios mehr und mehr darauf achten, in ihren Blockbustern chinesische Sensibilitäten nicht zu verletzen. Dass die Wanda-Gruppe nun die Golden Globes zensieren könnte oder gar die Auswahl der Preisträger steuern könnte, gilt unter Marktkennern aber als sehr abwegig.

Allerdings vertritt Jack Ma, Gründer des E-Commerce-Konzerns Alibaba und neben dem Wanda-Konzern ein weiterer Grossinvestor im US-Unterhaltungsmarkt, inzwischen die Linie des chinesischen Regimes, wenn es um die Meinungsäusserungsfreiheit im Netz geht. Und dass Wang den heimischen Erfolg auf Weltmassstab vergrössern und damit die Deutungsmacht Chinas stärken will, gilt ebenfalls als ausgemacht.

Apple Watches für den Hund

Es werde aber noch lange dauern, sagte Wang dem «Hollywood Reporter», bis China zu Hollywood aufgeholt habe. «Um diese Entwicklung nachzuholen, wird man sich wahrscheinlich weit mehr anstrengen müssen als bei der wirtschaftlichen Entwicklung.»

Kurz: Die Einnahmen sind schon hoch, aber der Einfluss braucht noch Zeit. Für den 61-jährigen Wang Jianlin stellt sich überdies bald die Nachfolgefrage. Eventuell wird sein Sohn eines Tages einen Teil der Wanda-Gruppe übernehmen. Nur gilt der 28-jährige Wang Sicong als einer der extravagantesten Parvenüs Chinas. Er kauft Apple Watches für seinen Hund und gibt mehrere Hunderttausend Dollar für einen Karaokeabend aus.

Wobei: Für das neue kapitalistische Weltsystem ist er damit bestens vorbereitet. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2016, 13:28 Uhr

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