«La La Land» gibt uns die Hoffnung zurück

Kann Kino noch begeistern? Die 74. Golden Globes hatten eine Antwort auf diese Frage.

Bewegende Reden, bewegte Gäste: Die Golden Globes brachten «La La Land» als klaren Sieger hervor.

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Als die reizende Emma Stone ausgerufen wurde und ihren Golden Globe in der Kategorie Beste Schauspielerin für «La La Land» abholte, hielt sie eine gezielt gerührte Rede. Sie widmete ihren Preis der «Kreativität und Hoffnung», also all jenen Leuten, denen «schon einmal eine Tür vor der Nase zugeschlagen wurde» oder «die nach einem Vorsprechen vergeblich darauf warteten, dass sie jemand zurückruft». Im Publikum nickte John Travolta.

Schliesslich sei «La La Land» ein Film für «Träumer». Damit war im Prinzip zusammengefasst, weshalb manche Leute unermessliche Freude an diesem Musical haben und andere davon sehr genervt sind. Denn man würde ja auch gern solche Probleme haben wie die zwei Träumerfiguren in «La La Land». Er ist ein Virtuose am Jazzpiano (Ryan Gosling), sie eine ehrgeizige Schauspielerin (Emma Stone). Beiden wird immer wieder die Tür vor der Nase zugeschlagen im harten Los Angeles. Aber sie rappeln sich immer wieder hoch. Der Pianist erkennt ausserdem seine Sehnsucht in der Schauspielerin und umgekehrt. Deshalb kommen sie zusammen.

Das Neo-Musical von Damien Chazelle («Whiplash») hat herzzerreissende Momente, und die fehlende Leichtigkeit scheint dem Erfolg nicht hinderlich. Die schiere muskulöse Energie der Tanzszenen hat schon einige Kritiker zu Hymnen hingerissen. Ähnlich wie «Birdman» oder «The Revenant» lässt der Film die Meinungsmacher in Hollywood wieder hoffen, dass die Kraft des Kinos noch etwas rausreissen kann in einer Zeit, in der alle auf ihre Bildschirmchen starren. «La La Land» war siebenmal nominiert und gewann siebenmal, so oft wie noch nie zuvor ein Film in der Geschichte der Verleihung – und zwar in den Kategorien Bester Darsteller und Beste Darstellerin in Komödien/Musicals, Beste Regie, Beste Komödie/Musical, Bestes Drehbuch, Bester Song und Beste Filmmusik.

Gern nahe bei den Stars

Emma Stones Dankesrede fasste «La La Land» wie auch die Golden Globes zusammen: genug Style, ein wenig Gefühl, sehr viel Privileg. Vergeben werden die Preise von der Hollywood Foreign Press Association, einer Vereinigung von nicht einmal hundert teils obskuren Auslandskorrespondenten, die auch das Jahr über gern die Nähe zu den Stars suchen (die Website Vulture hat einmal versucht herauszufinden, wo diese Leute eigentlich schreiben). Da bei den Oscars sehr viel mehr Leute abstimmen, kann man die Golden Globes nur bedingt als Gradmesser nehmen – auch wenn «La La Land» bei den Oscars ebenfalls eine Rolle spielen wird.

Ebenso vielleicht wie «Ma vie de Courgette», der entzückende Puppentrickfilm des Walliser Regisseurs Claude Barras, der am Sonntagabend in Los Angeles gegen «Zootopia» verloren hat. Er ist aber noch in zwei Oscar-Kategorien im Rennen, Ende Januar werden die definitiven Nominierungen bekannt gegeben.

Preise für «Atlanta» und «Elle»

In anderen Auszeichnungen bewiesen die 74. Golden Globes erstaunlich viel Geschmack: Bestes Drama wurde die Coming-of-Age-Geschichte «Moonlight» des Afroamerikaners Barry Jenkins. «Elle» mit Isabelle Huppert über ein Vergewaltigungsopfer mit gewisser Faszination für seinen Täter erhielt gleich zwei Ehrungen, als bester fremdsprachiger Film und für seine Hauptdarstellerin. Casey Affleck wurde bester Darsteller im Trauerdrama «Manchester by the Sea» von Kenneth Lonergan («Margaret»). Und in den TV-Kategorien darf man «Atlanta» hervorheben, eine sehr wahrhaftige Komödienserie über strauchelnde Rapper.

«La La Land» läuft ab 12. 1. in den Schweizer Kinos. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2017, 10:43 Uhr

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