Kultur

Der Meister der Subventionsjagd

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 27.05.2010 14 Kommentare

Das Opernhaus Zürich will Geld wegen einer Baustelle vor dem Haus. Eine nicht ungewöhnliche Forderung. Selbst johlende Fussballfans waren schon Grund für einen staatlichen Zustupf an das Theater.

Beklagt einen Einnahmeverlust wegen Baustelle: Opernhaus Zürich.

Beklagt einen Einnahmeverlust wegen Baustelle: Opernhaus Zürich.
Bild: Keystone

Meister im Bezirzen von Politikern und Sponsoren: Alexander Pereira. (Bild: Keystone )

Entwicklung Subventionen Opernhaus

Entwicklung Subventionen Opernhaus


Quelle: Opernhaus Zürich

Nachtrag 14.30 Uhr: Stadt erteilt Absage

Die Stadt Zürich will dem Opernhaus keine Entschädigung bezahlen. Man sei sich zwar bewusst, dass der Platz vor der Oper momentan eine Grossbaustelle ist. «Allerdings eine von grossem öffentlichen Interesse», wie Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartementes der Stadt Zürich, auf Anfrage sagte. Es könne deshalb nicht sein, dass die Stadt Zürich nun für Verluste aufkommen solle. «Die Stadt ist nicht schadenersatzpflichtig», hält er fest.

Auch beim Kanton Zürich hat man Post vom Opernhaus erhalten. Man habe den Brief zur Kenntnis genommen, aber noch nicht bearbeitet, sagte Michael Rüegg, Sprecher der Justizdirektion. Die zuständige Person sei momentan nicht im Haus. Eine Stellungnahme zum Bittschreiben könne man deshalb nicht abgeben. (sda)

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Vor dem Zürcher Opernhaus wird gebaut. Ein Parkhaus. Das Parkhaus nützt vor allem auch dem Opernhaus: Der hässliche Parkplatz unmittelbar vor dem Theatereingang verschwindet. Das Opernhaus ist dennoch unzufrieden und fordert wegen der Baustelle eine Entschädigung. Er habe von vielen Opernhaus-Besuchern gehört, dass sie die Baustelle als Behinderung empfänden, sagte der kaufmännische Direktor des Opernhauses, Otto Grosskopf, auf Radio DRS. Vor allem wegen der schönen Kleider würden viele den Gang durch den Dreck unangenehm finden. 3,5 Prozent betrage der Zuschauerrückgang.

Nicht nur sinkende Zuschauerzahlen, die Baustelle wird auch für den Rückgang bei den lukrativen Firmenanlässen verantwortlich gemacht. Ob dem wirklich so ist, ist schwer nachzuprüfen. Die Firmenanlässe werden aber überall weniger, was mit der Wirtschaftslage zu tun hat. 1,7 Millionen Franken betragen laut Opernhaus die Mindereinnahmen.

Schaut man sich die Subventionsentwicklung in den letzten Jahren an, erscheint eine Entschädigung nicht völlig abwegig: Fast jeder Wunsch des Vorzeigehauses wurde erfüllt – wenn auch manchmal unter lautem Protest der Opposition.

14 Prozent Subventionserhöhung in sechs Jahren

2005 drohte Pereira, er werde das Opernhaus verlassen, falls der Kanton eine angedrohte Subventionskürzung von zwei Millionen Franken jährlich wahr macht. Mit dem knappstmöglichen Resultat, per Stichentscheid des Präsidenten, gab der Kantonsrat nach. Bereits ein Jahr später wurde das stolze Budget des Opernhauses noch einmal beträchtlich aufgestockt, als Begründungen wurde offiziell unter anderem der «Anstieg der Gagen internationaler Stars» genannt. Am Opernhaus werden den Starsängern notabene Gagen von bis zu 30'000 Franken bezahlt – pro Vorstellung. Vor der Euro08 polterte Alexander Pereira so lange gegen das Public Viewing am Bellevue, bis die Politik seinem Haus neue Lärmschutzfenster finanzierte.

Pereira versteht es nicht nur meisterhaft, Sponsoren zu bezirzen, auch die Politiker wickelt er gekonnt und regelmässig um den Finger. Ein Blick in die Geschäftsberichte zeigt: In den letzten sechs Jahren sind die Zuwendungen der öffentlichen Hand ans Opernhaus um stolze 14 Prozent gestiegen – das ist mehr als das Doppelte, als was durch die Teuerung zu rechtfertigen wäre. Betrugen die Subventionen für die Spielzeit 2003/04 noch 64,5 Millionen Franken, waren es für die letzte Spielzeit 2008/09 bereits 73,8 Millionen (siehe Grafik).

Die seltsamen schwarzen Nullen

Wie gross ist der Geldbedarf des Opernhauses tatsächlich? In den letzten Jahren schloss das Opernhaus sein Geschäftsjahr immer mit einer schwarzen Null ab. Letztes Jahr lag der Gewinn zum Beispiel bei 80'000 Franken, vorletztes bei 63'000 – und das bei einem Umsatz von rund 130 Millionen. Alexander Pereira erklärt bei der Präsentation der Zahlen jeweils mit gequälter Stimme, dass er es dank hohen Anstrengungen wieder knapp geschafft habe, die Verlustzone zu vermeiden, in Zukunft werde dies aber nicht mehr möglich sein, falls nicht mehr Geld fliesse.

Die Realität sieht etwas anders aus: Intern gilt im Opernhaus das Ziel, auf eine schwarze Null zu kommen. Ist gegen Ende des Geschäftsjahres noch Geld vorhanden, wird es ausgegeben, fehlt Geld, treibt Pereira bei seinen Sponsoren noch welches auf. Dies wird auch so bleiben – ob Pereira nun eine zusätzliche Baustellen-Entschädigung erhält oder nicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.05.2010, 13:43 Uhr

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14 Kommentare

Markus Weber

27.05.2010, 16:33 Uhr
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Pereira hat schon längst den Bezug zur Realität verloren und die (linken wie rechten) Kulturverherrlicher in der Politik geben immer nach. Es gibt kein Geld für Wichtiges wie Wohnungen bauen, dafür subventioniert man jährlich mit über 70 Mio elitäre Unterhaltung. Und er will noch mehr Geld! Wer Stars hören will, die 30'000 pro Vorstellung kosten, der sollte selber mehr hinblättern. Antworten


Bernard Berner

27.05.2010, 14:21 Uhr
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Das macht täglich mehr wie CHF 350'000.00 öffentliche Steuergelder (bei 200 Spieltagen). Diese Zahl muss meines Erachtens nicht weiter kommentiert werden! Antworten




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