Kultur

Lame Duck Alexander Pereira

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 06.01.2011 14 Kommentare

Das Opernhaus Zürich hat sich verspekuliert: Teurere Künstler sollten mehr Zuschauer anlocken, doch es kamen weniger. Resultat: Fünf Millionen Franken Verlust. Jetzt soll der Staat helfen.

«Ich habe mich angestrengt wie noch nie»: Alexander Pereira. (Archivbild Keystone)

«Ich habe mich angestrengt wie noch nie»: Alexander Pereira. (Archivbild Keystone)

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So zerknirscht hat man den Opernhaus-Intendanten Alex Pereira noch selten gesehen. Als sich der erfolgsverwöhnte Österreicher vor Medienvertretern ein Glas Wasser einschenkte, kam er ins Zittern, was vielleicht mit dem Alter zu tun hat, vielleicht auch mit der Situation: Pereira musste für die vergangene Spielzeit ein Defizit von 4,92 Millionen Franken vorweisen bei einem Gesamtaufwand von 134,66 Millionen. Dies, obwohl die Subventionen im vergangenen Jahr um 1,4 Millionen Franken auf 75,2 Millionen gestiegen sind. Allerdings wurde diese Erhöhung durch den Teuerungsausgleich und Reallohnerhöhungen aufgebraucht.

Der Hauptgrund für das Millionenloch: Die Vorstellungseinnahmen lagen 3 Millionen Franken unter dem Budget. Obwohl sich schon letztes Jahr eine Verschärfung der finanziellen Situation abzeichnete, investierte man zusätzliche 2 Millionen Franken in aufwändigere Vorstellungen und bekanntere – sprich teurere – Künstler. «In der Vergangenheit hatten sich Investitionen in die Kunst immer ausbezahlt», so Pereira. Diesmal nicht. Anstatt dass die Vorstellungseinnahmen stiegen, sanken sie um 1 Million Franken. «Selbst bei einer Produktion wie ‹Königskinder› mit dem Startenor Jonas Kaufmann war das Haus zum Teil nur zu 60 Prozent gefüllt», beklagte Verwaltungsratspräsident Josef Estermann. Die Anzahl zahlender Besucher sank von insgesamt 249'319 im Vorjahr auf 247'275. Zudem bevorzugten die Gäste vermehrt günstige Karten.

Mehr Geld vom Staat

Pereira bezeichnete sich selbst als «Lame Duck», was die Akquise von neuen Sponsorengeldern anbelangt. Mit 10 Millionen Franken kam er nicht mehr an die früheren 12 Millionen heran. «Da ich Zürich bald verlassen werde, ist es für mich schwieriger, Verträge für langfristige Engagements abzuschliessen», sagt er. Er stellte in Abrede, dass er wegen den Vorbereitungen für seinen künftigen Job an den Salzburger Festspielen die zeitaufwändige Arbeit in Zürich vernachlässige: «Ich habe mich angestrengt wie noch nie.»

Pereira und Estermann sehen den Grund für das grosse Loch vor allem bei externen Gegebenheiten: Die Baustelle vor dem Haus wirke abschreckend auf Zuschauer und Bankettkunden, natürlich spüre man auch die Wirtschaftskrise. Erschwerend hinzu komme der bevorstehende Intendantenwechsel. Tatsächlich steuert das Opernhaus unsicheren Zeiten entgegen: Erfahrungsgemäss nehmen viele Stammgäste einen Intendantenwechsel zum Anlass, das Abonnement zu künden. In Zürich kommt hinzu, dass viele Sponsoren ihr Engagement mit der Person Alexander Pereira verbinden. Zwar setzt man alles daran, neue Sponsoren zu gewinnen, unter anderem mit einer Aufstockung des Verwaltungsrates um zwei Personen, darunter einem Wirtschaftsvertreter, einfach wird der Übergang zum neuen Intendanten Andreas Homoki aber nicht, zumal mit diesem Defizit die Reserven auf einen Schlag um 63 Prozent gesunken sind.

Wie immer in solchen Situation: Man fordert mehr Geld vom Staat. Zusätzliche 2 Millionen Franken erhofft sich Josef Estermann. Diese sollen aus dem interkantonalen Kulturfinanzausgleich kommen. Vorerst will man aber aus eigener Kraft wieder in die schwarzen Zahlen kommen und sparen – unter anderem wieder mit etwas weniger aufwändigen Produktionen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2011, 13:26 Uhr

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14 Kommentare

Jan Felix

06.01.2011, 14:30 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Warum kriegt das Opernhaus 75‘200‘000.- Franken Steuergelder geschenkt? (Sind CHF 300.- pro Besucher und die schreiben trotzdem ein Verlust). Und z..B. die Streetparade, welche genauso eine Kulturveranstaltung ist, kriegt keinen Rappen. Kann mir das bitte jemand erklären? Antworten


heidi leemann

06.01.2011, 13:49 Uhr
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Opernhaus - Dir. Pereira sollte auch mit seinem Lohn haftbar gemacht werden. Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.