Klassiker der Woche: Ein Traum, ein Tod

Baris Yazgi wollte Geiger werden. Er ertrank auf dem Weg nach Europa.

Sein Traum geht nicht mehr in Erfüllung; Baris Yazgi (ganz rechts) starb mit 22 Jahren.(Youtube/Caner Sirtmaç)

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Er war 22 Jahre alt, stammte aus Siirt im Südosten der Türkei und träumte davon, Geiger zu werden. In Belgien wollte er studieren, wo sein Bruder lebt; aber er bekam kein Visum. Also schloss sich Baris Yazgi dem Strom der Flüchtlinge an und versuchte sein Glück auf dem Meerweg. Aber das Schiff sank vor der griechischen Insel Lesbos, mit ihm ertranken weitere 15 Menschen. Als man Yazgi fand, hielt er immer noch seinen Geigenkasten fest.

Dass dieser eine Tote in der internationalen Berichterstattung überhaupt einen Namen und ein Gesicht bekommen hat, liegt daran, dass er auf einem Video zu sehen ist. Ein türkisches Ensemble begleitet da den Geiger Caner Sirtmaç; Baris Yazgi spielt ganz am Rand, ein Virtuose ist er noch nicht. Aber er ist mit einem Ernst und einer Aufmerksamkeit bei der Sache, dass man ihm ansieht, wie wichtig es ihm ist, hier mittun zu können.

Nun kann man sagen, er sei ja gar kein Flüchtling gewesen. Es war kein Krieg, der ihn aus seiner Heimat vertrieb – sondern ein Traum. Vielleicht hätte er ihn auch in der Türkei realisieren können, oder irgendwann einen weniger gefährlichen Weg in die EU gefunden. Traurig ist seine Geschichte trotzdem, umso mehr, als sie eine von vielen ist. Über tausend Menschen sind seit Anfang Jahr im Mittelmeer ertrunken, und die Hochsaison beginnt erst. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.05.2017, 09:48 Uhr

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