Klassiker der Woche: Honeymoon mit Schumann

«Liebste, was kann denn uns scheiden?», fragt der Tenor. Nichts, lautet die Antwort.

Charmantes Duo: Julia Kleiter und Christoph Prégardien. (Youtube/esiulanirahtak)

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In rund 400 Gedichten hat Friedrich Rückert (1788–1866) seine Liebe zu Luise Wiethaus-Fischer beschrieben, vom Anfang bis zur Vermählung. 12 davon hat Robert Schumann in seinem Zyklus «Frühlingsliebe» op. 37 vertont, und klar: Das Glück ist da ganz und gar ungetrübt. «Liebste(r), was kann denn uns scheiden?», fragen sich Tenor und Sopranistin abwechslungsweise, und die Antwort ist immer dieselbe: Nichts. Keine Distanz, kein Unglück, kein Neid, «ungeschieden wollen wir auf ewig sein».

Da passt es, dass Julia Kleiter und Christoph Prégardien zwar nicht verliebt sind, aber sich doch bestens verstehen – als Sänger, aber auch als Schauspieler. Schumanns Lied grenzt ans Zuckersüsse, und das überzeichnen sie so charmant, dass es durchaus ein ganz kleines bisschen ironisch wirkt. Aber dennoch stets liebevoll, natürlich: Als ebenso leidenschaftliche wie nuancensichere Liedgestalter interpretieren sie im Sinne der Musik, nicht gegen sie.

Die Liebe geht weiter

Wem das ein bisschen angestaubt vorkommt, der braucht die Schlüsselwörter des Texts nur auf Englisch zu übersetzen und wird feststellen: Die Frühlingsliebe ist immer noch das Lieblingsthema der Hitfabrikanten. «Together forever and never to part», singt Rick Astley, und für Marvin Gaye und Tammi Terrell war kein Berg hoch genug, um sie zu trennen («Ain't no mountain high enough») – Rückert lässt grüssen.

Anders als bei den meisten Poppoeten ging bei ihm die Liebe nach dem Honeymoon allerdings weiter: Zehn Kinder hatte er zusammen mit seiner Frau. Als zwei davon starben, schrieb er noch einmal über 400 Gedichte, die «Kindertotenlieder». Einige davon hat Gustav Mahler vertont – und ging dabei in der musikalischen Darstellung des Unglücks genau so weit wie ein paar Jahrzehnte vor ihm Schumann bei der Vertonung einer frischen Verliebtheit. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.05.2017, 10:02 Uhr

Zürcher Liederfrühling

Vom 12. bis am 14. Mai veranstalten der Zürcher Verein «Freunde des Liedes» einen Liederfrühling: Singen werden unter anderem Julia Kleiter und Julian Prégardien, der sich wie sein Vater Christoph Prégardien einen Namen als Liedsänger gemacht hat. Informationen unter www.liedrezital.ch

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