Klassiker der Woche: Toscanini tobt

Der italienische Dirigent Arturo Toscanini war berüchtigt für sein Temperament. Zu Recht.

Brüllen, toben, schreien: Arturo Toscaninis Wut kannte keine Grenzen. (Youtube/Steve Metcalf)

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«Shame on you!» Zwischendrin hat Arturo Toscanini auch auf Englisch gebrüllt – die Aufnahme dürfte in den USA entstanden sein, wohin er 1937 emigriert war. Aber auch wenn er italienisch sprach, nein: schrie, haben die Musiker zweifellos verstanden, was er meinte.

Toscanini, vor 150 Jahren geboren, vor 60 gestorben und zwischendrin für seine Kunst ebenso berühmt geworden wie für seine Wutausbrüche, war hier offensichtlich nicht zufrieden mit den Kontrabässen. Immer zu spät dran sind sie, von italienischer Oper keine Ahnung. Taub müssen sie sein oder die Ohren in den Füssen haben – die Formulierung verrät, wie verzweifelt der Dirigent gewesen sein muss. Normale Beschimpfungen reichten da nicht mehr, auch die üblichen Flüche nicht. Wer empfindlich ist in Sachen Gotteslästerung, sollte sich die Aufzeichnung nicht anhören. Auch die Gürtellinie war kein Kriterium für Toscanini. Und in den übelsten Momenten findet er gar keine Worte mehr – sondern röhrt nur noch.

Blumen? Nein danke

Die Kontrabassisten dürften die Köpfe eingezogen und sich dann rasch wieder erholt haben. So war er nun mal, der Arturo Toscanini. Dutzende von Taktstöcken dürften während seiner Proben zerbrochen worden sein, auch eine goldene Uhr hat er einmal zerschmettert; nicht einmal das Publikum war vor seinen Ausbrüchen sicher (zu zwei Damen, die ihm nach einem Konzert Blumen bringen wollten, sagte er nur: «Ich bin zwar alt, aber noch nicht tot. Sparen Sie sich die Blumen für mein Grab!»).

Aber seine Vehemenz hatte – etwa in seiner Ablehnung des Faschismus – auch ihre positiven Seiten. Und die Aufführungen sind ja doch zustande gekommen. Sogar die Kontrabässe spielten jeweils ganz anständig. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2017, 09:43 Uhr

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