Kultur

Affen sind auch nur Menschen

Von Christoph Doswald. Aktualisiert am 24.03.2009

Wenn sich Menschenaffen um ein Weibchen prügeln: Eine Ausstellung in Frankfurt Kunsthalle Schirn zeigt den Einfluss von Darwins Evolutionstheorie auf die Kunst.

1/13 frantisek_kupka__anthropoides_-_fight_for_a_woman.
Eine Ausstellung in Frankfurt widmet sich Charles Darwins Einfluss auf die bildende Kunst. Frantisek Kupkas «Antrhopoids Fight for a Woman» zeigt zwei Menschenaffen, die um eine Frau kämpfen und greift Darwins Idee auf, dass die Evolution die Stärkeren begünstigt.

   

Das Bild vom Affen küssenden Charlton Heston war 1968 ein Tabubruch. Es brachte das darwinsche Kultur-Paradox einprägsam auf den Punkt, das der christlichen Heilslehre radikal widerspricht: Der Mensch ist das höchstentwickelte Lebewesen - und er stammt vom Affen ab. Der Film «Der Planet der Affen», aus dem der berühmte Kuss stammt, ist nur eines von vielen kulturellen Produkten, die sich mit dem Darwinismus beschäftigen. Zum 200. Geburtstag des Begründers der Evolutionstheorie widmet die Frankfurter Schirn Kunsthalle dem Phänomen nun eine inspirierende Ausstellung.

Klassiker und exotische Exponate

«Darwin, Kunst und die Suche nach den Ursprüngen» konzentriert sich auf die Auswirkungen des Paradigmas vom «Survival of the Fittest» (vom Überleben des Stärksten) auf die Kunst und Kultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Rund 150 Gemälde und Zeichnungen und viele weitere teilweise exotische Exponate wurden unter dieser Annahme in der Schirn zu einer spannenden kulturgeschichtlichen Collage gefügt. Neben alten Bekannten wie Odilon Redon, Max Ernst oder Arnold Böcklin sind auch einige fulminante Entdeckungen zu machen.

Mit einer eindrücklichen Werkgruppe ist etwa der Maler und Sammler Gabriel von Max vertreten. 1840 in Prag geboren, betätigte sich von Max anfänglich als Historienmaler in München, wandte sich aber bald der Entwicklungsgeschichte des Menschen zu. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen verstand er den Homo sapiens nicht als die Blüte der Evolution. Also malte von Max zauberhafte Allegorienbilder und wunderbar bissige kleine Parabeln auf den Kulturbetrieb, die nur eine einzige Spezies kannten: die Affen, von denen der Künstler sich im Übrigen eine ganze Herde auf seinem Anwesen bei München hielt (Bild: «Kunstrichter»). Die Arbeit «Anthropologischer Unterricht» spielt etwa mit der Umkehrung der Verhältnisse: Es zeigt zwei Primaten beim Studium einer Mädchenpuppe.

Vom Darwinisums zum Nationalsozialismus

Dass die Auseinandersetzung der Kunst mit dem Darwinismus äusserst ernsthafte Dimensionen annehmen konnte, belegt die fulminante wissenschaftliche Sammlung, die von Max zusammengetragen hatte. Wesentliche Teile der 80'000 Nummern umfassenden Kollektion sind in Frankfurt zu sehen. Als die prähistorischen Funde, die ethnografischen Trouvaillen und zoologischen Präparate nach dem Tod des Künstlers 1918 zum Verkauf kamen, wurden die kunstvoll in Vitrinen präsentierten Schätze von Fachleuten als die «reichste Privatsammlung auf wissenschaftlichem Gebiet» tituliert.

Um dieses Herzstück der Ausstellung spinnt sich ein Kokon des kulturellen Diskurses, der auch eine Verbildlichung des jeweils herrschenden Zeitgeistes im Spiegel des Darwinismus darstellt. John Heartfields bitterböse Collagen kommentieren den Nazi-Rassenwahn; Odilon Redons botanische Menschenbilder sind frühe Ankündigungen der Psychoanalyse; Gustav Klimts Studien zum «Beethovenfries» huldigen dem esoterisch angehauchten Naturmystizismus, der im Jugendstil eine populäre Form fand.

Das letzte Bild der Ausstellung trägt den Titel «The Twentieth Century» und stammt von Max Ernst. Es zeigt, unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs gemalt, das mögliche Finale des Darwinismus - eine apokalyptische Ruinenlandschaft. Christoph Doswald

Ausstellung bis 3. Mai.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2009, 09:54 Uhr


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!