Kultur
Basels kleinster Kunstraum
Von Karen N. Gerig. Aktualisiert am 24.07.2009
Ein unscheinbares rechteckiges Marmorschild am Rand des Trottoirs weist an der Hochbergerstrasse 160 darauf hin, dass hier etwas ist, was man nicht erwartet. «Artachment» steht darauf eingraviert, und daran vorbei führt eine belebte Ameisenstrasse. «Artachment» meint den Raum daneben, das ehemalige Zollhäuschen – wenige Quadratmeter klein, aus Holz über die Böschung gebaut, eierschalenfarben angemalt. Seit einigen Monaten sieht, wer daran vorbeigeht, innen drin Kunst.
Ein idealer (Frei-)Raum
Initiant von «Artachment» ist Raphael Bottazzini. Der 30-jährige Kunststudent, der gerade mitten in seiner Diplomarbeit steckt, hat das Häuschen seit 2006 von den Schweizerischen Rheinhäfen gemietet – damals noch ohne konkretes Konzept, was damit anzufangen sei. «Ich wollte etwas haben, was mir nie gehören kann», sagt Bottazzini. «Damit keine falschen Ansprüche entstehen.» Früher wurden hier Güter durchgeschleust, die vom Schiff auf den Zug verladen wurden. Das Zollhäuschen gehört dem Schweizer Staat und stellt eine Art Niemandsland dar – ein idealer (Frei-)Raum, um mit Ideen gefüllt zu werden.
Bevor Bottazzini die Idee eines Raumes für Kunst entwickelte, kämpfte er gegen die Besitzansprüche der Anwohner und lokaler Gangs, die sich dort temporär eingenistet hatten. «Immer wieder wurden Scheiben eingeschlagen oder die Wände besprayt», erzählt er. Es sei vorerst nur ums Durchhalten gegangen. «Aber eines Tages hörte es auf, irgendwann wurde ich akzeptiert.» Die Sprayereien beschränken sich seither auf die Aussenwände, und es habe sich sogar eine Art von künstlerischem Dialog zwischen den Parteien entwickelt.
Kunst wird von aussen durch das Fenster betrachtet
Im Raum drinnen sind es hauptsächlich Künstler aus der Region, die Bottazzini ausstellen lässt. Einige davon kennt er schon seit Längerem. «Ich muss wissen, wie die Leute arbeiten», erläutert er. «Und dann will ich, dass sie fürs ‹Artachment› etwas völlig anderes machen. Der Raum soll ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Arbeitsweise zu erweitern, ihre Ideen auf andere Weise umzusetzen.» Sarah Bernauer etwa, deren Arbeit noch bis Anfang August zu sehen ist, hat ihre Installation auf den gesamten Innenraum ausgedehnt. Betrachtet wird die Kunst hier von aussen durch das Fenster, nur kleinste Lebewesen können ihren Weg hinein finden – Ameisen etwa.
Der rund zwei auf zwei Meter grosse Innenraum bietet den Künstlern nicht viel Platz, sich auszubreiten. Bottazzini denkt seine Idee deshalb bereits weiter: Zusammen mit der Kunsthistorikerin Seraina von Laer und Denise Zeller, die für die Kommunikation zuständig sein wird, plant der Kurator, unter dem Namen «Artachment» noch andere Räume temporär mit Kunst zu besiedeln. Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten hat bereits begonnen. «Artachment» soll so zu einem Label werden, und das Zollhäuschen mit seinen grossen Fenstern damit zu einer Art Schaufenster für die grösseren Projekte. (Basler Zeitung)
Erstellt: 24.07.2009, 13:17 Uhr
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