Kultur
Dare – Das Erbe des «Godfathers of Style»
Von Alexander Marzahn, Joel Gernet. Aktualisiert am 10.03.2010 19 Kommentare
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Wenige Stunden nach dem Tod des Graffiti-Künstlers Sigi von Koeding hat am Sonntagmorgen ein Freund mit einer Gedenkseite auf Facebook die Öffentlichkeit über das traurige Ereignis informiert. Das Echo ist überwältigend: Drei Tage später hat die Gruppe «In memoriam of Sigi von Koeding aka DARE» bereits über 2100 Mitglieder, stündlich werden es mehr.
Viele liessen es sich nicht nehmen, ein paar Zeilen ins virtuelle Kondolenzbuch zu schreiben oder mit Fotos an frühere Aktionen zu erinnern, und einige haben bereits zur Spraydose gegriffen und zu Ehren des Verstorbenen ein Werk geschaffen. «Your style inspired me and I will always respect your work», schreibt ein Berufsgenosse, «one true legend is gone» ein anderer. Jemand nennt ihn schlicht den «Godfather of Style».
In guten Händen
Welchen Status der Sprayer in der Szene und über sie hinaus geniesst, tritt kurz nach seinem frühen Tod eindrücklich zutage: Die Einträge stammen aus New York, Buenos Aires, Kopenhagen, Lampa (Chile), Edmonton (Kanada) oder Prag, aber auch Exponenten der lokalen Szene drücken ihr Beileid aus: «Du hast Geschichte geschrieben, du bist eine Legende! Basel und die ganze Szene ist weltweit stolz auf dich!», richtet einer das Wort an den Verstorbenen. Vor einigen Werken in Basel brennen Kerzen.
Was aber passiert mit den Wandbildern, wenn die Kerzen erloschen sind? Während der Nachlass aus dem Atelier – Dare hat intensiv mit Pinsel auf Leinwand gearbeitet – erst genauer gesichtet werden muss, sind die Arbeiten der Strasse ungeschützt – und laufen bei steigender Popularität des Künstlers Gefahr, von Bewunderern «sichergestellt» zu werden. Teils sind sie im Auftrag von Firmen oder Gemeinden, teils ohne Bewilligung an Orten entstanden, die ins Hoheitsgebiet der SBB, des Kantons oder der Gemeinden fallen.
Nicht für die Ewigkeit geschaffen
«Wenn wir von einem ausgewiesenen Kenner die Anfrage erhalten, ein bestimmtes Werk stehen zu lassen, werden wir das wohlwollend prüfen», versichert Marc Keller, Pressesprecher des Bau- und Verkehrsdepartementes. Eine aktivere Rolle ist für diese nicht-etablierte Kunstform kaum zu erwarten, auch nicht von den SBB, die sich ähnlich äussern. Gegen konservatorische Massnahmen spricht sich Kurator Daniel Baumann aus: «Die Veränderung des Stadtbilds gehört zur Idee der Graffiti-Kunst. Es wäre paradox, wenn sie nun selbst versuchen würde, sich dem zu entziehen. Die Werke gehören nicht musealisiert, sondern ihrem Schicksal überlassen.» Eine Haltung, die auch Sigi von Koeding vertrat, wie der Sprayer Smash 137 sagt: «Auch Dare war der Meinung, dass seine Bilder im öffentlichen Raum nicht für die Ewigkeit geschaffen sind.»
Christine Rausch von der Freiburger Galerie Springmann, die Dare vertreten hat, hofft indes, dass sich die Werke von selbst erhalten: Denn die grösste Gefahr gehe nicht von der Stadtreinigung aus. Sondern von anderen Nachtaktiven, die Bestehendes übermalen. Der beste Schutz sei der Respekt, den der Künstler geniesst. Und so ist durchaus denkbar, dass diese Arbeiten auch ohne Schutzfilm oder Plexiglas noch lange an einen der innovativsten und passioniertesten Sprayer erinnern, den die GraffitiKunst hervorgebracht hat.
Die Trauerfeier findet am 12.3. um 13.30 Uhr auf dem Friedhof am Hörnli in Basel statt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 10.03.2010, 15:23 Uhr
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19 Kommentare
Liebe Yvette und Ueli, ich bin bestürzt, dass Sigi so früh sterben musste. Er hinterlässt eine grosse Lücke, doch auch viele, schöne Erinnerungen. Sigi wird man nie vergessen, denn seine Bilder sprechen von ihm weiter! Liebe Grüsse und herzliches Beileid schickt euch Lea Antworten
R.I.P. DARE du hast uns alle inspiriert und gekämpft für die Sache wie ein Lowe... Sollst du in Ruhe frieden und Deine Werke noch lange bestehen. Also Ihr Sprayer da draussen, don't touch his styles!!! @Peter Berger: Eine Gernation trauert um ein Vorbild, das nicht geschmiert sonder kreiert hat. !! Bisschen Pietät wäre angebracht nun !! Danke Antworten
Ich kann es immer noch nicht fassen, es ist so Traurig und macht sehr weh im Herzen. Sigi wurde uns aus dem Leben gerissen, so brutal und schnell, ich kann es immer noch nicht fassen. Ein wunderbarer Freund und lieber Mensch ist nun im Himmel und immer wenn uns ein Sonnenstrahl im Gesicht streift sendet er uns eine Liebe Botschaft. Ich vermisse Dich, Erich Antworten
ja, da haben wir eine grossen kuenstler verloren. sigi durfte ich eine zeitlang mit meiner graffitti-agentur begleiten. er war immer da und sprayte in den 90-er-jahren bei meinen bemuehungen, die graffitti-kunst salonfaehig zu machen, an verschiedenen happenings. nun ist er leider so frueh von uns gegangen. seine kunst wird mich mit guten gedanken bis zu meinem ableben begleiten. peter schweizer Antworten
Ich bin sehr traurig, dass Siggi von Koeding so früh hinübergehen musste. Ich habe, seit er in unserer Galerie "Pathologie und Kunst" vor vielen Jahren mit einigen Freunden seine Arbeiten life gesprayt und dann ausgestellt hat, seine Aktivitäten interessiert und begeistert bewundert. Seine unvergleichliche Persönlichkeit hat mich immer fasziniert. Basel ist auch durch seinen Tod äermer geworden. Antworten
Ich muss Peter Berger Recht geben. Ich hätte es auch vorgezogen, wenn DARE mehr Häuschen mit einem Baum daneben, vielleicht mit einem springenden Hund und zwei Strichmännchen-Kindern gemalt hätte. So wie richtige Kunst eben aussieht. Buchstabenzüge aus einer flachen Wand herausspringen, sich drehen, biegen und sie lebendig werden lassen kann ja jedes Kind! Antworten
@Lardi: Bitte informieren Sie sich zuerst, bevor Sie Gefühle anderer verletzen. DARE war ein ganz Grosser der Szene und wird mit seinem Tod zur Lengende und somit unsterblich. Basel kann stolz sein auf Leute wie ihn. Sehen Sie die weltweiten Artikel über seinen Tod. Er hat tausende mit seiner Art berührt. Seine Kunste hatte nichts mit Schmiererei zu tun. Antworten
Ich bedaure den Tod von Sigi. Aber Kollegen von ihm würdigt ihn indem ihr etwas Besseres macht. Deshalb mein Aufruf an die " Verschmierer". Wieso malt ihr zu 90% nur Buchstaben? Das finde ich unschön. Seid ihr nicht zu mehr, nämlich zu Bildern fähig? Wie die Mauer beim Felix-Platter Spital. Dies, unter der Voraussetzung des Einverständnisses des Grundbesitzers, wäre wesentlich akzeptabler. Antworten
in der Tat einer der grössten zeitgenössischen Künstler der Schweiz. ein Pionier der Strassenkunst. Ein Mentor für viele NoNames. Er hat viel dazu beigetragen dass Graffiti sich endlich etabliert und nicht nur als Schmiererei abgetan wird. Leider nimmt das die Tagespresse nicht ernst genug, denn alle schreiben den gleichen Text über sein Meisterwerk - sein Leben. Scha(n)de! Antworten




erich Maurer
Lieber Sigi Bald sind schon zwei Jahre vorbei wo du uns in den Himmel entflohen bist. Ich denke sehr viel an dich und sehe Dich immer noch vor meinem dritten auge wie du in unserem Garten sitzt und an deinem lieben Cappuccino nippst. Ich vermisse dich. Erich Antworten