Irgendwo zwischen Animé, Porno und LSD-Trip

Jeff Koons hat Handtaschen designt. Sie sind haarsträubend hässlich, natürlich.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kitsch-Papst Jeff Koons hat wieder mal zugeschlagen. Der US-Künstler, der in den 1980ern Andy Warhol vom Pop-Art-Thron gestossen hat und seither in verlässlicher Regelmässigkeit beweist, dass er weder Berührungsängste mit Trash noch mit Konsum kennt, hat sich diesmal auf ein Tänzchen mit der Modewelt eingelassen – und für Louis Vuitton eine Taschenkollektion entworfen.

Jenen französische Luxuskonzern also, der sich seit Jahren immer mal wieder künstlerische Verstärkung an Bord holt, zum Beispiel die japanische Pünktchenzauberin Yayoi Kusama oder Takashi Murakami, ebenfalls aus Japan, dessen Bildsprache sich im Triangel zwischen Animé, Porno und LSD-Trip bewegt. Sprich: LV machts am liebsten mit solchen, die für leicht lesbare, schrille und gerade noch vertret- bzw. vermarktbare Provokation stehen.

Seht her! Ich bin reich, modisch und kulturaffin!

Dass diese modisch-künstlerischen Joint Ventures Früchte tragen, über deren ästhetischen Wert sich streiten lässt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass sich die Taschen, Foulards, Portemonnaies und Schlüsselanhänger prima verkaufen. Wen wunderts. Immerhin glaubt, wer mit derlei Accessoires behängt durchs Leben geht, ja nicht nur, finanzielle Potenz und Modegespür zu demonstrieren, sondern obendrauf auch kulturelle Aufgeschlossenheit. Und umgekehrt freut sich Louis Vuitton über seine kulturell aufgeschlossene, hippe, reiche Klientel. Eine klassische Win-win-Konstellation imaginaire.

Auf der Strecke bleibt die Kunst, die mal eben zum Prestigeobjekt degradiert und zum Feigenblatt für Dekadenz missbraucht wird. Oder besser: sich missbrauchen lässt, freudestrahlend obendrein – denn schliesslich gehts bei den LV-Deals um Publicity und letztlich um ganz viel Geld. Das mochte bei den einzelnen Künstlern nachvollziehbar und verschmerzbar sein. Aber jetzt gehts ans Eingemachte, denn nun ist sogar der Louvre eingeknickt: Dort nämlich wurden Koons’ Taschen diese Woche präsentiert. Und damit nicht genug. Koons hielt es für eine flotte Idee, markante Ausschnitte aus Gemälden bekannter Maler – wie Rubens, van Gogh, Leonardo da Vinci – auf seine Würfe zu pflanzen.

Für 3000 Euro ist man dabei

Die sehen nun so aus, als habe jemand zum Beispiel die Mona Lisa aus dem Rahmen genommen und aus ihr eine Täschchen genäht, was an sich schon haarsträubend genug wäre. Doch Koons wäre nicht Koons, hätte er nicht obendrauf noch die Namen des jeweiligen Grossmeisters auf das Taschen-Kunstwerk angebracht. In fetten Grossbuchstaben. In Goldoptik. Dann noch das obligate LV-Monogramm darübergestreut, und fertig war die «Masters»-Kollektion, die ab sofort in der LV-Filiale ihres Vertrauens erworben werden kann.

Wer die 3000 Euro, mit denen eine dieser haarsträubenden Scheusslichkeiten zu Buche schlägt, nicht vorrätig hat, kann den Look auch preiswert kopieren: In jedem gut sortierten Museums-Shop findet man ganz ähnliche Modelle. Dort kann man sich zudem das passende Foulard, den passenden Schirm und die passende Handyhülle zulegen – und so den Jeff-Koons-all-over-Look spazieren führen.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.04.2017, 14:58 Uhr

Artikel zum Thema

Plagiatsvorwurf gegen Jeff Koons

Der US-Künstler Jeff Koons soll für eine Porzellanskulptur bei einer Werbekampagne der französischen Kleidermarke Naf-Naf abgekupfert haben. Mehr...

Dieser Kitsch muss wehtun

Die deutsche Malerin Anne Loch war auf dem besten Weg, ein Star zu werden. Stattdessen zog sie nach Thusis und schuf ein Werk, das im Bündner Kunstmuseum wiederentdeckt wird. Mehr...

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Kommentare

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Die Welt in Bildern

Sonnenschutz: Ein Feiernder am Glastonbury Festival versucht sich von der Sonne zu schützen (21. Juni 2017).
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...