Kultur
«Die Vorbilder finden sich in den Vergnügungsparks»
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 02.10.2012 5 Kommentare
Artikel zum Thema
Peter Bodenmann ist gelernter Jurist. Von 1987 bis 1997 sass er für die SP im Nationalrat. Von 1990 bis 1997 präsidierte er die Partei. 1999 verabschiedete er sich aus der Politik und arbeitet seither als Hotelier in Brig sowie als Kolumnist.
Ausstellung
«Intensivstationen» im Alpinen Museum, Helvetiaplatz 4, Bern, Di bis So 10 bis 17 Uhr, Do bis 20 Uhr, bis 28.3.2013.
Links
Teilen und kommentieren
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Herr Bodenmann, was halten Sie von Lois Hechenblaikners Bildern?
Sie wecken Emotionen. Sonst würde Ihre Plattform diese Bilder nicht aufschalten. Ob sie zu Erkenntnisgewinn führen, ist offen. Sicher ist: Die Zahl der Skifahrer ist rückläufig. Diese wollen für ihr Geld aber immer mehr Höhenkilometer pro Tag auf schneesicheren und präparierten Pisten geniessen. Das können auf Dauer nur grosse Stationen liefern.
Der Fotograf will die «Disneysierung» und das «Herdenmanagement» des modernen Alpintourismus entlarven. Bald müsse man den Gast per Katapult auf den Berg schiessen, damit es schnell genug gehe. Wie erleben Sie diese Entwicklung?
Alle hochrentablen Bahnen in den Schweizer Alpen sind – wie die Beispiele Jungfrau-Bahn, Pilatus und Gornergrat belegen – 100 Jahre alt. Und verdammt langsam unterwegs. Seither ist den Bähnlibauern herzlich wenig eingefallen. Es braucht Bahnen der neuen Generation. Die Vorbilder finden sich in den Vergnügungsparks.
Das Lamento vom Herdenmanagement hört man oft von Städtern, die selber in vollgestopften Gondeln anzutreffen sind. Empfinden Sie die Vorwürfe als heuchlerisch?
Die Gäste sind Könige. Leider ist das, was sie sagen, nicht immer das, was sie effektiv wollen und buchen.
Etwas salopp formuliert, könnte man auch sagen: Alpen haben wir genug. Sie machen mehr als einen Drittel der Schweiz aus. Wozu also die Aufregung um Schneebars und beheizte Sessellifte!
Die Skiorte in den Alpen haben dank der hohen Sonneneinstrahlung die idealen Voraussetzungen, um sich zu solaren Nullenergie-Stationen zu entwickeln. Schneller als alle anderen Wirtschaftszweige in der Schweiz. Inklusive beheizten Skibars und Sesselliften.
Apropos: Wie gross ist die ökologische Gefahr, die vom Wintertourismus ausgeht?
Die Zahl der Skitage stagniert oder geht zurück. Die Umweltbelastungen können schnell gesenkt werden, wenn man die angenommene Initiative Weber mit einem dringlichen Gesetz richtig umsetzen würde. Leider macht der Bundesrat mit seiner Verordnung das Gegenteil. Deshalb haben wir eine Lawine von Baugesuchen in den Alpen. Die Fehler wurden diesmal nicht in den Bergen, sondern in Bern gemacht. Unverständlicherweise.
Man hört immer wieder den Vorwurf, dass die Unterländer den Oberländern vorschreiben würden, wie man mit den Bergen umzugehen hat. Wie sehen Sie das?
In der Schweiz darf sich jede und jeder zu allen anstehenden Fragen äussern. Das ist gut so. Die Initiative von Franz Weber war nichts anderes als eine hoch repräsentative Umfrage bei unseren Gästen, die man ernst nehmen sollte. Die Mehrheit der Walliser Hoteliers hat ihr – wie ich dies einschätze – übrigens zugestimmt.
Wie kann man die Alpinkultur touristisch adäquat vermitteln – ohne sie zu blossem Dekor verkommen zu lassen? Soll man sie überhaupt vermitteln?
Eine schwierige Frage, auf die es keine Antwort gibt. Was für die einen schlimmer Kitsch darstellt, wärmt den anderen die Herzen. Der Tourismus muss unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen. Ob er will oder nicht.
Was bedeuten die Berge für Sie persönlich?
Eine schöne Landschaft wie weltweit viele andere auch.
Im Wallis gibts scheinbar mehr Unorte – wie etwa Thyon 2000 – als im Bündnerland oder im Berner Oberland. Wieso eigentlich?
Weil der den Tourismus begleitenden Bauboom später einsetzte. Die verdichtete Bauweise von Thyon 2000 entspricht nicht den Chalet-Romantik-Vorstellungen der Mehrheit der Gäste aus der Deutschschweiz. Aber mit relativ wenig Aufwand könnte man aus Thyon 2000 eine Nullenergie-Station machen. Und dem Frieden zuliebe die Fassaden mit einheimischen Lärchenholz verkleiden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.10.2012, 13:17 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
5 Kommentare
Die Menschheit zerbricht am Hamsterrad und nicht an einem Skilift mehr oder weniger. Was stört ist der Neid und die Unkoordinierte Ausrichtung der Skigebiete. Dazu noch Förderungen in unsicheren Gebieten, die schon heute zu Sommer/Herbstdestinationen ausgerichtet sein sollen. Hier müsste der ganze Ch Alpenkamm eine Lösung finden, auch wenn es manche Orte hart trifft. Antworten

Bitte warten














Die Welt in Bildern







