«Ich spiele gern»

In seiner Ausstellung «Blueberry Fields» macht Gerwald Rockenschaub den Betrachter zum Kunstwerk.

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Seine am Computer gesampelten Arbeiten sind bunt, schräg, manchmal skurril. Im Kunstmuseum St. Gallen lässt der Österreicher die Betrachter selbst zum Kunstwerk werden. Die Ausstellung «Blueberry Fields» dauert bis zum 19. Juni.

Digitale Bilder prasseln unaufhörlich auf den heutigen Menschen ein. Der 1952 in Linz geborene Künstler Gerwald Rockenschaub taucht ein in die Formen globaler Kommunikation und entwickelt am Computer ein visuelles Vokabular. Das Kunstmuseum St. Gallen zeigt in der Ausstellung «Blueberry Fields (orphaned selec 1)» Arbeiten der letzten zehn Jahre, wie Kurator Konrad Bitterli am Freitag vor den Medien sagte.

Die «gesampelten» Bilder, wie der erfolgreiche DJ der Wiener Clubszene seine Arbeiten nennt, kommen dem Betrachter auf den ersten Blick bekannt vor. Bei genauerem Hinschauen merkt man jedoch, dass man sich getäuscht hat und dass die an Pictogramme erinnernden geometrischen Formen in knalligen Farben keinen Sinn machen.

«Sonst knallts nicht»

Rockenschaub habe einen witzigen Umgang mit der heutigen Bildkultur, sagte Bitterli. Er stelle die Wahrnehmung auf eine Grenze und bringe sie zum kippen. Der Künstler selbst sagte beim Rundgang durch seine Ausstellung lapidar: «Ich spiele gern».

Die am Bildschirm gezeichneten Vorlagen in Originalgrösse lässt Rockenschaub von Fachleuten einer spezialisierten Firma zu Bildern fertigen. Die Arbeiten aus Farbfolie auf Aluminiumplatten müssten eine gewisse Grösse haben: «Sonst knallts nicht», sagte der international erfolgreiche Künstler. Zu gross dürften die Bilder aber nicht sein. «Schliesslich müssen sie in eine Sammlerwohnung passen.»

Spiel mit Räumlichkeiten

Rockenschaub macht seine Ausstellungen zu einem Erlebnis, indem er virtuos mit den Gegebenheiten des Ortes spielt und die Betrachter gezielt durch die Räume führt. Bereits beim Betreten der Ausstellung im ersten Stock des Kunstmuseums St. Gallen verblüfft der Künstler mit einer geschickten Inszenierung seiner Bilder und Skulpturen. Was von aussen wie eine zweifarbige Barriere wirkt, ist in Wirklichkeit eine Skulptur aus zwei riesigen blauen und magentafarbenen Kuben, die verschoben aufeinander stehen.

Um in den Raum zu gelangen, muss der Besucher um das «Hindernis» herum gehen und fragt sich unwillkürlich, wie die Ausstellungsmacher die riesigen Objekte durch die Tür bekommen haben. Die hintere Wand bespielt Rockenschaub mit runden und ovalen Figuren in Gelb, Rot und Pink. Die zierlichen Objekte in warmen Farbtönen bilden einen totalen Kontrast zu den Kälte ausstrahlenden Riesenquadern beim Eingang.

Wie in einem Spiegelkabinett

Im Oberlichtsaal ist auf den ersten Blick nichts zu sehen – nur weisse Wände. Doch der Eindruck täuscht. Rockenschaubs verblüffende Installation lässt die Besucherinnen und Besucher selbst zum Kunstobjekt werden. An den Wänden hat der Künstler grosse weisse Plexiglasplatten installiert, welche zu leben beginnen, sobald sich der Betrachter im Raum bewegt. Wie in einem Spiegelkabinett durchwandert man den Raum und sieht sich selbst und die andern auf den reflektierenden Scheiben zu seltsamen Lichtgestalten werden. (sda/ama)

(Erstellt: 11.03.2016, 16:34 Uhr)

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