Kultur
Mit einem Augenzwinkern
Von Karen N. Gerig. Aktualisiert am 08.10.2009
Infos zur Ausstellung
Cartoonmuseum Basel, St.-Alban-Vorstadt 28. Bis 31. 10. 2010. Di bis Sa 14–17, So 10–17 Uhr. Vernissage Fr 18 Uhr.
Sie haben zum ersten Mal auf demselben Papier gearbeitet. Für ein Bilderbuch mit dem Titel «Das Ei», das sie nun im Cartoonmuseum Basel präsentieren. Dabei kennen sich Anna Sommer und Noyau, der mit bürgerlichem Namen Yves Nussbaum heisst, schon seit zwanzig Jahren, und haben seither nicht nur neben-, sondern auch miteinander gearbeitet. Im Atelier in Zürich, wo Anna Sommer im Jahr 1989 ihre Lehre machte, haben sie sich kennengelernt. Häufig haben sie seither Illustrationen für dieselben Publikationen, etwa «Strapazin», geschaffen, sind privat und künstlerisch verbunden.
Beim «Ei» ist der Anteil von Noyaus Beitrag eher klein und erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Kleine, feine, von ihm gestaltete Gemälde hängen an der Wand der Wohnung, in der die Geschichte spielt. Auffälliger ist Anna Sommers Part, die akkuraten Linien der Papierschnitttechnik, die sie hervorragend beherrscht und die den Stil des Buches hauptsächlich ausmacht.
Mit dem Zeichenstift erzählen
Die 41-jährige Zeichenkünstlerin kann aber auch anderes – «von Kindesbeinen an» nutzte sie den Zeichenstift zum Erzählen, erzählt sie. Dass sie deswegen einen kreativen Beruf suchte und eine Lehre als Grafikerin machte, schien eine logische Konsequenz. «Leider kam dann der Computer Anfang der Neunzigerjahre», sagt sie. «Und damit wollte ich nicht umgehen, die Arbeit gefiel mir nicht mehr. Das Zeichnen war mir wichtiger.»
Sie suchte sich andere Möglichkeiten, nebenbei erst, veröffentlichte im Jahr 1996 ihr erstes Buch «Damen Dramen», eine bissige Bildsatire mit einem Hang zum Absurden und Frivolen. Das Buch war ein Erfolg, und sie wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit der Feder zeichnete sie damals, schuf aber auch Radierungen.
Auch genügte der Nachdruck in Zeitungen ihren Ansprüchen zu selten. Sie begann, die Papierschnitttechnik auszuprobieren, perfektionierte sie bis heute und verhalf damit der über 1000 Jahre alten Technik zu einem Revival. Solche und andere biografische Details verrät sie im Buch «Die Wahrheit und andere Erfindungen».
Heute, sagt sie, sei sie nicht mehr so neugierig auf neue Techniken. Die Kunst der Fingerzeichnung, die Noyau etwa ausübt, reize sie gar nicht. «Die Arbeit ist dir wohl einfach zu schmutzig», witzelt der 46-jährige Neuenburger. Er selber liebe die Technik, die er in Japan erlernt hat, deshalb, weil sie die Bewegung des ganzen Armes involviere und nicht nur die von der Hand vom Handgelenk weg.
Bewegte Karikaturen
Bewegt sind auch seine postkartengrossen Karikaturen in Gouache. In mehreren Alben sind sie erschienen, und seit 2004 regelmässig etwa in der «Sonntagszeitung». Während Anna Sommer sich gerne auch privaten Themen widmet, darf es für Noyau auch politisch sein. Eine ganze Serie zur Wirtschaftskrise hängt im Cartoonmuseum, daneben eine Kartenserie mit Motiven aus dem Emmental, unterstützt von Texten des Autoren Matto Kämpf.
Wegen der Zeitungskarikaturen musste Noyau lernen, schnell zu sein. Keine einfache Sache, wenn man mit Gouache arbeitet. Zur Übung setzte er sich in die Museen, gab sich anderthalb Stunden Zeit, um einen alten Meister ins Kleinformat zu bannen. Entstanden ist daraus sein «Musée Reduit», eine Sammlung von 123 Miniaturen bekannter Schweizer Meister. Über einen scharfen Blick verfügt er, aber immer mit einem Augenzwinkern. (Basler Zeitung)
Erstellt: 08.10.2009, 14:34 Uhr



