Kultur

Mit falschen Chalets gegen die Sowjets

Aktualisiert am 21.10.2011 37 Kommentare

Jeden Freitag präsentiert baz.ch/Newsnet Fundstücke aus dem Archiv der Fotostiftung Schweiz. Heute: Bunker-Chalets.

1/13 Hühnerstall, 1939–1945, Panzerturm der Festung Furggels, SG.
© Christian Schwager

   

Info

Christian Schwager, «Falsche Chalets», Edition Patrick Frey, Zürich 2004.

40 Jahre Fotostiftung Schweiz

Die Fotostiftung Schweiz, 1971 gegründet, setzt sich für die Erhaltung, Erschliessung und Vermittlung von fotografischen Werken ein. Sie betreut ein Archiv und eine Sammlung, organisiert jährlich drei bis vier Ausstellungen in ihren eigenen Räumen in Winterthur, gibt Publikationen zur Schweizer Fotogeschichte heraus und unterstützt das aktuelle Fotoschaffen durch Ankäufe.
www.fotostiftung.ch

Im Jubiläumsjahr präsentiert baz.ch/Newsnet in Zusammenarbeit mit den Kuratoren der Fotostiftung jede Woche eine Bildstrecke mit Fundstücken aus dem Archiv.

Stichworte

Zwischen 2001 und 2003 fotografierte der Winterthurer Fotograf Christian Schwager in allen Landesregionen Bunker, die als Chalets getarnt sind. Zu Hunderten sind diese im Auftrag der Schweizer Armee seit 1941 gebauten Befestigungsanlagen in der ganzen Schweiz verteilt. Im Baustil der jeweiligen Region gestaltet, fügen sie sich auf den ersten Blick perfekt in die ländliche Kalenderbild-Umgebung ein. Doch beim genaueren Hinsehen, das Schwager mit seinen zwar präzisen, aber doch nicht alles offen legenden «Architektur»-Fotografien provoziert, erweisen sich die «falschen Chalets» als groteske Staffage in der als herbstliche Postkarten-Idylle festgehaltenen Schweizer Landschaft.

Seit den 1990er-Jahren unterstehen die getarnten Bunker nicht mehr der Geheimhaltung. Nach ersten Recherchen konnte Christian Schwager in der Eidgenössischen Militärbibliothek und mithilfe des Militärhistorischen Vereins – das Eidgenössische Militärdepartement zeigte kaum Interesse – ein praktisch vollständiges Inventar dieser liebevoll gestalteten, mittlerweile nicht selten einer privaten Nutzung zugeführten Relikte einer naiv anmutenden schweizerischen Verteidigungsstrategie erstellen. Das Resultat ist eine fotografische Arbeit zwischen wissenschaftlicher Feldforschung und Kunstprojekt, zwischen akribischer Spurensuche und hintergründig ironischer Bestandsaufnahme, ein Inventar schweizerischer Befindlichkeit.

Erstellt: 21.10.2011, 16:05 Uhr

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37 Kommentare

Bruno Waldvogel-Frei

21.10.2011, 16:21 Uhr
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Mein Vater war Zimmermann. Im Krieg haben sie nicht nur Bunker kaschiert, sondern ganze potemkinsche Dörfer zur Ablenkung von Bombern errichtet. Habe noch Bilder davon Antworten


Xaver Meyer

21.10.2011, 21:24 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Nur immer weiter so! Am besten auch noch die letzten Geheimanlagen unserer Verteidigunglinie ausplaudern, dann sind wir am Ende dem Feind komplett schutzlos ausgeliefert! Für was haben wir eigentlich einen BR und ein Verteidigungsministerium? Wir sehen ja anhand von Lybien, dass die konventionelle Kriegsführung noch lange nicht Geschichte ist. Antworten




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